Nach 30 Jahren in Deutschland: Türkische Familie abgeschoben

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von Bintje, 17 Dezember 2020.

  1. Bintje
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    Bintje Well-Known Member

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    Neuer Thread, weil Ihr gerade beim Thema wart und ich diesen Fall nicht unter Covid-19 abhandeln wollte: Anfang Dezember wurde eine siebenköpfige Familie aus Sontra im Werra-Meißner-Kreis (Hessen) nach Istanbul deportiert. Ihre Duldung sei abgelaufen gewesen, sagt das Regierungspräsidium Kassel; stimmt nicht, sagt der Familienvater Mahmut Akyüz. Die hessische Polizei ließ offenbar nix aus: Deren Vorgehen mit Handfesseln, Fußfesseln und Kabelbindern beschrieben die Betroffenen als sehr brutal. Zusätzlich wurde die Familie laut ihrer Darstellung zwecks Kontrolle aller Körperöffnungen teils gewaltsam entkleidet.

    Die Abschiebungsbescheide bekam die geschockte Familie erst am Flughafen ausgehändigt.

    "Familie Akyüz und ihre Angehörigen können das Erlebte nicht fassen. Wie Mahmut berichtet, habe er in den vergangenen 30 Jahren immer wieder nur Duldungen für nur zwei Monate erhalten. Anträge auf eine richtige Aufenthaltsgenehmigung und deutsche Pässe für sich und seine Familie seien stets abgelehnt worden. Seine Duldung sei nun, zum Zeitpunkt seiner Abschiebung, nicht abgelaufen gewesen, ist er sich sicher."

    https://www.hna.de/wr/sontra/abschi...-hessen-sontra-kassel-vorwuerfe-90131582.html

    Alles im Windschatten der Coronakrise. Deutschland im Jahr 2020.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17 Dezember 2020
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  2. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Das ist ein Skandal. Komisch finde ich auch das sie 30 Jahre lang immer nur Duldungen für 2 Monate erhielten. Da hätte man sie doch schon viel eher abschieben können, wenn gewollt. Wieso jetzt und nach 30 Jahren und mit dieser Art und Weise?

    Dieser Überfall in der Nacht, der scheinbar bei vielen Abschiebungen angewandt wird, kommt mir doch sehr bekannt vor. So etwas hat die SS im Dritten Reich mit den Juden gemacht.
     
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  3. Msane
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    Msane Well-Known Member

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    Ob das ein Skandal ist oder nicht, kann man erst sagen wenn man die Hintergründe kennt.
    Warum immer nur Duldungen und Ablehnungen bei dieser Familie, wenn in Zwischenzeit Millionen andere Türken eingebürgert wurden,.
    An der Sache ist irgendwas faul.


    .
     
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  4. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, gehören zu uns. Punkt. Egal, was die Eltern für einen Status haben.
     
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  5. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Richtig und deswegen müssen auch die Eltern, wenn sie sich nichts zu schulden kommen ließen, hier bleiben. Man reißt keine Familien auseinander.
     
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  6. Bintje
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    Bintje Well-Known Member

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    Das nennt sich Kettenduldung. So etwas sollte es eigentlich nicht mehr geben, weil es dafür sorgt, dass die Menschen in permanenter Unsicherheit leben, gibt es aber.

    Das weiß man nicht. Aus obigem Text geht es auch nicht hervor. Deshalb vermute ich, dass die Ausländerbehörde ein ums andere Mal auf stur geschaltet hat. Dann wäre es an der Familie gewesen, ggf. auf dem Klageweg dagegen vorzugehen, aber das ist an sehr kurze Fristen gebunden. Vielleicht hatte sie auch keinen Anwalt, weil sie das Prozedere der dauernd verlängerten Duldungen schon kannte und irrigerweise nicht der Ansicht war, es könne was zum Besseren bewegen. Das kommt durchaus vor, ist aber spekulativ.

    Interessant ist allerdings, dass die Darstellung der Behörden auf völlig andere Aspekte eingeht als die Schilderungen der Familie. Und beide lassen sich zwanglos vereinbaren. Ja, den Leuten wird Zeit gegeben, die nötigsten Sachen zu packen (etwa eine Stunde), und nein, es geht keineswegs zimperlich zu. Die Darstellung der Familie - was sie beschreibt, gleicht einer gewaltsamen Entführung und Verschleppung - ist durchaus glaubhaft, wird im obigen Artikel aber keineswegs bestritten.
    Ja, Abschiebungen laufen so. Das bestätigen die Behörden implizit bis hin zum letzten Absatz.

    Und nun wird der Familie auch noch - geht es nach Recht und Gesetz und den Buchstaben des Ausländerrechts -
    die Kosten der Maßnahme aufgebrummt (§ 66, 1 AufenthaltG). Obendrein bekommen sie - geht es nach Recht und Gesetz, und wer wollte bestreiten, dass das in Deutschland so sei, nicht wahr - zackige Wiedereinreisesperren.
    Legal wieder einreisen dürfen sie demnach erst, wenn sie die Kosten ihrer Abschiebung zurückgezahlt haben.
    Vorher gibt es kein Visum (falls es überhaupt eines gibt).
    Und eine Abschiebung ist weitaus teurer als ein Flugticket - nur mal so zur Info.

    Ich kann für diese Familie nur hoffen, dass jemand Anwälte für sie einschaltet, die Zähne und Klauen haben.

    So ist das. Zum leidigen Thema Kettenduldungen gibt es einen sehenswerten Bericht von "Monitor".
    Einfach mal anschauen.



    Der ist von 2017. Mittlerweile hat sich dank euphemistischer Formulierungen im sog. "Migrationspaket" ein bisschen was geändert, aber im Großen und Ganzen? Siehe oben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Dezember 2020
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  7. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Müßte man diskutieren, könnte ich wieder eher bei @Msane sein. Ich sag mal, wenn die Kinder alle das z.B. 25. Lebensjahr erreicht haben, sind die Eltern wieder selbstständig. Sollte man sie abschieben können; Besuchsrecht in der BRD einräumen für drei oder fünf Wochen im Jahr, und gut ist. Die Kinder können sie in deren Heimatland ohnehin besuchen, oder umsiedeln. Wie viele Kinder leben bei uns hunderte von Kilometern von Eltern entfernt.
     
  8. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    25-jährige sind für mich keine Kinder mehr, 18 Jahre ist bei mir die Grenze. Mit 18 ist man erwachsen und darf wählen.
     
  9. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Hm. Da ist irgendwo ein Mißverständnis.

    Meine These war: Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, Kita, Grundschule, Schulabschluß, gar Berufsausbildung abgeschlossen haben, gehören hier zu uns. Egal, wie die ursprünglich hier reinkamen.

    Du meintest: Und darum die Eltern auch.

    Mein Einwand: Aber nicht lebenslang. Irgendwann brauchen Kinder Eltern nicht mehr hier im Land. Wenn die Eltern sich hier reingemogelt haben, der deutsche Staat zu blöd war, das zu blockieren, sie aber inzwischen Kinder hier in die Welt gesetzt, eingeschult undsoweiter haben, dann gehören die Kinder unbedingt zu uns, hier hin. Hier ist deren Heimat.

    Eltern gehören zu den Kindern aber nicht lebenslänglich. Ob bis 18 – Kinder bauen gerade auch im Jungerwachsenenalter noch Mist, z.B. als Führerscheinneulinge. Da sind Eltern, die was ausbügeln können, immer noch wichtig. Aber irgendwo ist ein Punkt: Warum auch immer, die Kids gehören zu uns, aber die Eltern selbst nach 30 Jahren Aufenthalt noch lange nicht, muß man sich angucken.
     
  10. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Meine These ist: Da können die Kinder nichts für. Kinder haften nicht für ihre Eltern. Die sind hier geboren, aufgewachsen, ausgebildet. Gehören zu uns. Wenn bei den Eltern was faul ist, dann gehören die raus.
     
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