Operation Ölzweig

Ottoman

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24 Dezember 2009
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zu Hause
Der Erdoganthread beinhaltet mittlerweile alles was mit Erdogan direkt oder indirekt zu tun hat; Von der Lira bis zur kaufsüchtigen Emine. Das Thema ist aktuell und besitzt ein gewisses Gewicht. Daher hier.


In der deutschen Presse konnte man dieser Tage vieles lesen. Was mir aufgefallen ist, habe ich aufgelistet:

  • Der vergiftete Olivenzweig
  • Türkei greift Kurden in Syrien an \ Türkische Luftwaffe greift auch Kurden im Nordirak an \ Türkische Armee greift Kurden massiv an
  • Mit "neutralisiert" ist im Sprachgebrauch türkischer Sicherheitskräfte in der Regel getötet gemeint...
  • völkerrechtswidrige Angriffskrieg
  • Einsatz deutscher Leopard-Panzer
  • Ankara betrachtet sowohl die YPG als auch die PKK als Terrororganisationen
  • Statements von Politikern:
"Das ist ein Irrsinn, der gestoppt werden muss" Linken-Politiker Stefan Liebich

"sofort alle Rüstungsexporte an die Türkei" beenden Claudia Roth

Wagenknecht deutsche Truppen aus dem Nato-Partnerland zurückholen


Die Leserbriefe hatten es besonders in sich. Es ging um Völkermord, und unendlich vieler anderer Dinge.
Die Panzernachrüstung ist im Übrigen erst einmal gestoppt.



Türkische Armee greift Kurden massiv an

Greift die Türkei nun alle an die Kurden sind? Das könnte man doch meinen, oder?

Weshalb liest man das durch alle Zeitungen hinweg?

Weshalb aber 'Al Qaida, das Terrornetzwerk'

Weshalb aber 'IS, Terrororganisation Islamischer Staat'

PKK

Kurdische Milizen: Die türkische Luftwaffe greift im Kampf gegen kurdische Milizen jetzt auch Stellungen im Nordirak an.

Und die YPG scheinen nur die Türken als Terrororganisation zu sehen. Das habe ich nun in allen Zeitungen so rauslesen können.

Wer daran Zweifel haben sollte: Volksverteidigungseinheiten



Im Libyenkrieg scheinen sich „alle“ einige gewesen zu sein. Daher war alles gut, was man tat.
Dabei hatte der Arabische Frühling zu einem Bürgerkrieg geführt. Der Anfang vom Ende. Es heißt, dass die CIA den Arabischen Frühling ins Leben gerufen hat. Ich weiß es nicht.
Libyen ging es nicht schlecht. Libyen war eines der reichsten Länder in Afrika. Krankenversicherung für alle, kostenfrei. Nun versinkt das Land im Chaos.



Afghanistan-Krieg, Bundeswehreinsatz und Völkerrecht

Ergebnis: Weder die Resolutionen noch die Presseerklärung des UN-Sicherheitsrats liefern irgendeinen Anhaltspunkt für eine Ermächtigung zu einem militärischen Einsatz gegen Bin Laden oder die Taliban in Afghanistan.

Diese zweite Ausnahme vom zwingenden Gewaltverbot haben die USA in Anspruch genommen, als klar wurde, dass sie eine Ermächtigung durch den Sicherheitsrat nicht erhalten würden. Es kann als individuelles Verteidigungsrecht von demjenigen Staat in Anspruch genommen werden, der unmittelbar angegriffen worden ist (USA), und als kollektives Recht von denjenigen Staaten (Großbritannien, NATO-Staaten), die dem Angegriffenen zu Hilfe kommen.

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Voelkerrecht/gutachten.html



Irakkrieg

Iraqbodycount zählt auf Grundlage von mindestens zwei übereinstimmenden Berichten aus unterschiedlichen Medienorganen bis Ende 2011 mindestens 108.000 getötete Zivilisten.


Alle verweisen auf Selbstverteidigung. Hat die Al Qaida irgendeinen Anschlag in Deutschland durchgeführt. Ist gar eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen? Was machten dann deutsche Soldaten in Afghanistan. Was machten anderen Staat im Irakkrieg, was der BND dort?


Die PKK hat viele terroristische Anschläge in der Türkei ausgeführt. Der Zwillingsbruder mit dem Namen YPG steht im Norden Syriens. Wird vom verbündeten USA aufgerüstet. Direkt vor der türkischen Grenze. Da soll die Türkei nicht intervenieren?

Wenn die USA und verbündete über den halben Globus fliegen – wegen Selbstverteidigung – dann tu ich mich schwer zu verstehen, weshalb der Türkei das gleiche Recht direkt vor ihrer Nase abgesprochen werden soll.


Das waren nur einige Gedanken in einer völlig übermüdeten Phase.
Es gibt auch zahlreiche Kritiker in der Türkei. Es ist sicherlich nie verkehrt, wenn man versucht sich nicht von einer Seite mitreißen zu lassen. Habe dieser Tage das Gefühl zwischen der einen oder anderen Manipulation entscheiden zu müssen. Möchtest Du die rote, oder die blaue Pille.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Wuppertal
Eine zentrale Frage wäre, ob die Türkei mit Assads Erlaubnis/Einverständnis in Syrien agiert. Offensichtlich tut sie das. Dann ist es in jedem Fall kein Angriffskrieg, keine Verletzung der syrischen Souveränität.

Anders als die deutschen Aufklärungs-Tornados, die da rumkurven.


*

Ich mag Assad auch nicht. Und ich habe auch Hussein nicht gemocht, und Gaddafi auch nicht. Ich kann aber nicht finden, daß und wie sich die Situation im Irak und in Lybien verbessert hätte mit der Beseitigung der genannten Herren. Und ich sehe nicht, wie das in Syrien der Fall sein sollte; ich sehe nicht, daß irgend jemand ein stimmiges Konzept hätte für ein Nach-Assad-Syrien.


*

Daß Erdogan jetzt allerdings Handlangerdienste leistet für die Herren Assad und Putin, weil sie selber keinen Bock haben, Amerika vor die Türe zu setzen; soll das mal der Türke machen, der auch sonst hat größte Schnauze von der Welt, das würde mich als Türken mächtig wurmen. Daß türkische Söhne ihr Leben hingeben müssen für syrische Interessen bzw. Pflichten. Warum räumen die Syrer nicht selber auf mit denen, die ihnen die militärische Hoheit auf eigenem Territorium streitig machen?

Offensichtlich kriegt Erdogan seinem Volk die Geschichte anders verkauft. Ein Gebrauchtwagenhändler, das ist, was von ihm übrig ist; als internationaler, gar anerkannter und wichtiger Staatsmann hat er seinen Job ausgespielt. Zumindest schon mal in den Augen Putins.
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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Offensichtlich tut sie das. Dann ist es in jedem Fall kein Angriffskrieg, keine Verletzung der syrischen Souveränität.

Vermutungen oder Schlussfolgerungen eines einzelnen Herrn aus Wuppertal, Bergisches Land, deutsche Provinz, über eine stillschweigende Duldung der Grenzverletzung durch Syrien ersetzen kein völkerrechtlich wirksames Hilfeersuchen aus Damaskus.

Im Übrigen gibt es keine Zustimmung aus Damaskus, auch keine stillschweigende. Assad nannte die türkische Millitäroffensive eine "brutale Aggession". https://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-muss-Afrin-Angriff-stoppen-article20243625.html
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Wuppertal
Das Außenministerium in Damaskus bewertet das Vorgehen als einen "erneuten türkischen Angriff auf Syriens Souveränität".
O.k., Danke für die Korrektur.

Aber warum lassen die Russen die Türken dann machen? Da sind nicht mehr so viele Kräfte mit dem IS beschäftigt, als daß man nicht den Invasoren, die sie dann ja doch sind, mal auf die Finger hauen könnte.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Wuppertal
Gut, dann verlinke ich die von RT übernommene Analyse auch mal hierhin:

Die Türkei war über die weit verbreitete kurdische Präsenz an ihren Grenzen verärgert und forderte die USA auf, den Kurden alle tödlichen Waffen zu entziehen. Washington versprach, dies zu tun, aber die Türkei entdeckte später, dass die USA ihr Versprechen nicht erfüllt hatten. Vielmehr waren die Kurden im Besitz von lasergesteuerten Panzerabwehrraketen und Flugabwehrraketen, was eine direkte Bedrohung für die türkischen, syrischen und russischen Streitkräfte darstellte.

Die Türkei forderte, Russland und der Iran, in direktem Kontakt mit Damaskus, mögen ihren Truppen erlauben, bei der Beendigung der US-Pläne in Syrien zu helfen und die Kurden weiter zu schwächen. Damaskus forderte Russland und den Iran dazu auf, den Kurden die Möglichkeit zu geben, sich von Washington zu distanzieren, indem diese eine Präsenz der syrischen Armee in den Städten Manbidsch und Afrin anstelle der türkischen Invasion akzeptierten.

Die Türkei wartete trotz der Ansammlung türkischer Streitkräfte an den Grenzen und der Ankündigung des Beginns der Militäroperation noch auf grünes Licht vonseiten Russlands und des Iran. Russische Beamte trafen sich mit anderen Kurden, um die ernsthafte türkische Absicht und einen möglichen Ausweg aus der kritischen Situation zu erörtern, indem sie den Vorschlag von Damaskus weiterleiteten. Dieser wurde jedoch von Afrin abgelehnt, dessen leitender Offizier jedoch seinen Glauben an die Unterstützung der USA aufrechterhielt und offenbar nicht willens oder in der Lage war, aus dem zu lernen, was den irakischen Kurden in Erbil passiert war.

Die Astana-Schutzmächte hatten eine nicht öffentliche Vereinbarung getroffen, in der Ankara sich dazu verpflichtete, aufzuhören, die islamistische Organisation Hayat Tahrir al-Scham und deren Verbündete in Idlib zu unterstützen, und Operationen der syrischen Armee östlich von Idlib und in Richtung der Stadt selbst nicht mehr als Verletzung der Deeskalationsvereinbarung zu betrachten, die im vergangenen Jahr in Sotschi erzielt wurde. Andererseits zog Russland nun sein Kontingent aus Afrin ab und mischt sich nicht in die Operation "Olivenzweig" der türkischen Armee ein.
 
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Msane

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25 März 2010
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Wer sich auf die USA verlässt der ist verloren, dies ist Allgemeinwissen und soviel sollten die Kurden eigentlich gelernt haben.
Ebenso müssen die Kurden bei all dem was sie tun immer das Sicherheitsbedürfnis der Türkei berücksichtigen, ohne das wird keinerlei kurdische Selbstverwaltung nahe der Grenze lange bestand haben.
Insbesondere wenn so einer wie Erdogan an der Macht ist der nur auf die Gelegenheit wartet sich vor seinen Wählern zu profilieren.


.
 
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sommersonne

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19 März 2017
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Wenn die USA und verbündete über den halben Globus fliegen – wegen Selbstverteidigung – dann tu ich mich schwer zu verstehen, weshalb der Türkei das gleiche Recht direkt vor ihrer Nase abgesprochen werden soll.
So habe ich das noch garnicht gesehen. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen, es macht mich schwankend.
 

Ottoman

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24 Dezember 2009
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Gut, dann verlinke ich die von RT übernommene Analyse auch mal hierhin:

Die Türkei war über die weit verbreitete kurdische Präsenz an ihren Grenzen verärgert und forderte die USA auf, den Kurden alle tödlichen Waffen zu entziehen. Washington versprach, dies zu tun, aber die Türkei entdeckte später, dass die USA ihr Versprechen nicht erfüllt hatten. Vielmehr waren die Kurden im Besitz von lasergesteuerten Panzerabwehrraketen und Flugabwehrraketen, was eine direkte Bedrohung für die türkischen, syrischen und russischen Streitkräfte darstellte.

Offiziell rüstet die USA die YPD mit Waffen aus, für den Kampf gegen die IS.
Doch wieviele Panzer und Hubschrauber wird die IS überhaupt haben. Eine Handvoll?

Da stellt sich somit die Frage, weshalb sie diese Waffen haben. Dachte irgendwo gelesen zu habe, dass das im Paket der Amerikaner enthalten war. Man benötigt somit nicht viel Fantasie, für wen sie eingesetzt werden sollen.
 
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Ottoman

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24 Dezember 2009
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Vermutungen oder Schlussfolgerungen eines einzelnen Herrn aus Wuppertal, Bergisches Land, deutsche Provinz, über eine stillschweigende Duldung der Grenzverletzung durch Syrien ersetzen kein völkerrechtlich wirksames Hilfeersuchen aus Damaskus.

Im Übrigen gibt es keine Zustimmung aus Damaskus, auch keine stillschweigende. Assad nannte die türkische Millitäroffensive eine "brutale Aggession". https://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-muss-Afrin-Angriff-stoppen-article20243625.html


Das Außenministerium in Damaskus bewertet das Vorgehen als einen "erneuten türkischen Angriff auf Syriens Souveränität".
O.k., Danke für die Korrektur.

Aber warum lassen die Russen die Türken dann machen? Da sind nicht mehr so viele Kräfte mit dem IS beschäftigt, als daß man nicht den Invasoren, die sie dann ja doch sind, mal auf die Finger hauen könnte.

Für mich liest sich das sehr schlüssig; Ganz egal welches Theaterspiel vorgeführt wird: Dahinter steckt wohl ein Deal mit Putin und Assad.

Ohne ein grünes Licht aus Russland wäre die Türkei nicht einmarschiert und ohne ein grünes Licht der Russen wird Assad garnichts machen. Der wusste doch auch vorher über den Plan. Und ihm kommt der Einmarsch doch ganz recht.

Doch was machen die USA in Syrien?
Man hat sich vermutlich schon daran gewöhnt, dass sie überall sind, und wo sie noch nicht sind, plötzlich erscheinen. Amerikanische Interessen wahren - America first!