Putins Rußland

Dieses Thema im Forum "Politik- und Geschichtsforum" wurde erstellt von Mendelssohn, 26 März 2018.

  1. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Putin, Ex-KGB-Chef, sowjetisch sozialisiert, seit zwei Dekaden Macht- und Sexsymbol der russischen Seele, best friend mit Moskaus Popen, Hackern und Mafiosi, hält eine Nation von der Größe der halben Welt, zusammen.
    Die Größe Rußlands ist nicht so historisch fundiert, wie immer kolportiert. Sie ist recht neu. Sie beginnt nach der Niederschlagung der mongolischen Stämme (Iwan der Schreckliche) mit der Eroberung der Meere. Erst wurde den Finnen ST. Petersburg abgetrozt und damit den Zugang zur Ostsee, dann den Türken die Krim, und damit den Zugang zum Mittelmeer. Und heute wird es so dargestellt, als sei das immer schon Rußland gewesen, sozusagen seit Anbeginn der Menschheit.
    Der Feind des KGB war der siegreiche Westen. Dessen Strategie im Kalten Krieg war "Divide and Conquer". Vom Sieger lernen, heißt: siegen lernen. Also "Divide and Conquer". Erst wird die atlantische Brücke attackiert, dann die USA (facebook-Wahlkampf), dann die EU (Malta, Zypern und weitere Steueroasen russischen Kapitals schließen sich der Ausweisung russischer Diplomaten ja nicht an), und Putin schafft 75% (auch wenn die Wahlbeteiligung nicht berauschend ist: immerhin kommt man fürs Nichtwählen nicht mehr in den Knast).
    Wenn facebook sich mit Putin verbündet - der eine, weil der Profit stimmt, der andere, weil er zuletzt lachen will - dann sollte Europa sich nicht zwischen den Fronten zerreiben, sondern sich als Alternative zu einer scheiternden Blockpolitik präsentieren.
     
  2. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    ....not giving a f***.


    Wird es Russland nach Putin eigentlich auf noch geben? :confused:
     
  3. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Immerhin hat er es geschafft das Europa etwas geschlossener auftritt. Sicher wollte er das garnicht erreichen, aber die meisten europ. Länder weisen seine Diplomaten aus.

    Nur schade das Europa sich dem anderen Diktator überhaupt nicht widersetzt und noch dazu seine Eroberungen unterstützt mit Waffen und Geld.
     
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  4. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    ..dachte schon, was kommt denn da jetzt für ein glorreicher Verdienst!? :D

    Da muss ich @aleynanaz1 mal recht geben, denn egal was Väterchen Frost in seinem Land auch treibt, er bleibt immer der kühle Mann mit dem Öl aus dem kalten Ödland.
    Und dabei haben wir doch auch viele Russlanddeutsche bei uns, in deutschen Schulen konnte (kann?) man Russisch als erste Fremdsprache lernen. Aber irgendwie interessiert er uns nicht und wird eher behandelt wie ein kriminelles unberechenbares Unwetter.
    Dabei trägt er die Korruption, die (vermutlich) alle anderen Politiker ebenso begehen nur offener mit sich herum.
    Trotzdem reden wir lieber mit denen die ihre Nationen heimlich ins Verderben treiben.

    Nicht miteinander reden bringt leider auch keine positive Veränderung.
     
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  5. Msane
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    Msane Well-Known Member

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    Man sollte lieber auf Rußland zugehen, die Russen haben uns schon so oft freundschaftliche Angebote für Zusammenarbeit und Kooperationen gemacht, und fast jedesmal werden sie ausgeschlagen weil einige Leute in Washington die EU bzw. Deutschland nicht enger bei Rußland sehen wollen.

    Zwischen Deutschland/EU und Rußland gibt es eine gegenseitige Abhängigkeit.
    Wir sind zwingend auf russische Rohstoffe abgewiesen, und die Russen sind genauso von den Einkünften angewiesen, ohne das Geld aus dem Rohstoffexport wäre Rußland pleite.

    Es existieren nicht nur freundschaftliche sondern auch handfeste wirtschaftliche gemeinsame Interessen.


    .
     
    Zuletzt bearbeitet: 27 März 2018
  6. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Aus meinem Umfeld: sowohl Rußlanddeutsche, als auch in Deutschland dauerhaft lebende Russen halten Putin für einen großen Politiker, der die legitimen Interessen Rußlands verteidigt. Die Frage, warum sie dann nicht in Rußland leben, würden sie damit erklären, daß hier die Lebensverhältnisse besser sind. In der Mehrheit gilt dies auch für die Ukrainer. Eine Ausnahme machen russische und ukrainische Juden, die Putin nicht über den Weg trauen.
    Während meiner Schulzeit, war russisch durchaus ein beliebtes Ergänzungsfach, wenn auch nicht versetzungsrelevant. Warum allerdings die Russischkenntnisse selbst in der DDR marginal waren, obgleich dort Russisch ein mehrjähriges Pflichtfach war und Englisch besser gesprochen wurde als russisch, wurde mir damit erklärt, daß Englisch trotz Mauer näher an der Muttersprache war und deshalb auch nach der Schulzeit besser behalten wurde.

    Wenn Gorbatschow sich als Mit-Architekt des europäischen Hauses verstand, versteht sich Putin eher als Architekt der Weltmacht Rußland, die den Führer im slawischen Kulturraum stellt. Der osteuropäische Nationalismus ist in der Hauptsache Panslawismus. Daher auch die Rückkehr der Popen.
     
  7. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    P. S. Das Papsttum Woytylas (und dann noch so lange mit zelebriertem Sterben) war ein Stich in das Herz des Panslawismus. Dies war der Hintergrund für seine Wahl und hat ja auch funktioniert.
     
  8. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Heute ist in Rußland ein Tag der Trauer für die vielen Opfer im Einkaufszentrum der sibirischen Stadt Kemerowo.
    Die Brandkatastrophe passierte zeitgleich mit der Ausweisung russischer Diplomaten aus zahlreichen westlichen Ländern.
    Ich frage mich, ob Beileidsbekundigungen seitens des Westens überhaupt möglich sind angesichts der diplomatischen Eiszeit.
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß Putin zwischen Moderne (Westorientierung) und Traditionalismus (Kommunisten, Stalinisten, Nationalisten und Panslawisten) einen mittleren Weg sucht, aber Mehrheiten nur rechts von der Mitte findet. Die Rechten halten ihn an der Macht und verweisen auf den Verrat, den der Westen mit seinen Natostützpunkten an den osteuropäischen Flanken geübt hat. Die Aufrüstung der neuen EU-Grenzen in Osteuropa ging von der Nato aus und war eigentlich nicht nötig (anti-russische Politik war Condolezza Rice' Steckenpferd).
    Nun haben wir den Salat. Statt europäischem Haus, das Bush und Rumsfeld verhinderten, nun ein Europa zwischen den Weltmächten.
     
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  9. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Putin fährt eine absolut veraltete Industriepolitik, eine Großindustriepolitik: Alles aus einer Hand.

    Ein VW-Golf wird nur noch zu 30% in Wolfsburg hergestellt. Der Rest kommt von Zulieferern. Mittelständischen Familienunternehmen, die zueinander in Konkurrenz stehen und so um Klassen besser sind, als das ein Träger, großer Tanker wie VW je selber sein könnte.

    Hat aber den Nachteil natürlich, daß Du eine breite, große Mittelschicht hast von kreativen, selbstbewußten Querköpfen. Putin hat eine kleine Gruppe von superreichen Oligarchen zu kontrollieren. Geht nur, wenn die Basis deiner Ökonomie Rohstoffe sind, Du einen Rentierstaat hast.

    Wohlstand wird dann substituiert durch antiwestliche, traditionalistische Propaganda.

    Rußland hat die Wirtschaftskraft in der Größe des Bundesstaates New York.
     
  10. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Benelux wird auch gern als Vergleichsgröße für den Umfang der russischen Wirtschaft genommen.
    Ernähren kann sich Benelux trotz Gewächshausgemüse aber nicht selbst, auch nicht den Stahl herstellen, den es möglichst billig braucht, um Verkehr und Hightech am Laufen zu halten. Rußland kann das alles selbst, auch mit eng geschnalltem Gürtel.