Rumänischer Präsident Iohannis hetzt gegen ungarische Minderheit

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von EnRetard, 4 Mai 2020.

  1. EnRetard
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    Frage an unseren siebenbürgischen rumänischen User @Burebista
    Was ist in den rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis gefahren? Er wirft den Repräsentanten der ungarischen Minderheit vor, gemeinsam mit den rumänischen Sozialdemokraten die Abspaltung Siebenbürgens und Übergabe des Landesteils an Ungarn zu betreiben. Damit bedient er eine beliebte rumänische Verschwörungstheorie.
    https://www.spiegel.de/politik/ausl...raeger-a-de417ba1-64aa-4c44-ba42-21a687f88154
    Klaus Iohannis, der selbst Siebenbürger Sachse ist und lange Bürgermeister von Sibiu/Hermannstadt war, ist für den diesjährigen Aachener Karlspreis nominiert.
     
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  2. Burebista
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    Erstens habe ich mich auch gefragt. Denn Johannis war schon voller Wut, wie man ihn nicht mehr gesehen hat.
    Zweitens: der Spiegel-Artikel ist ein typisches Keno Verseck Artikel. Nicht unbedingt seriös, sondern eher oberflächlich.
    Johannis hat die ungarische Minderheit gar nicht erwähnt, sondern nur zwei Gesetzentwürfe der Ungarn-Partei, die all die vorigen Jahren die PSD-Regierung und im Parlament alle PSD-Antijustiz und Antikorruptionsgesetze unterstützte. Die Kritik ging an die PSD und zwar wegen der Billigung dieser Gesetzentwürfe über die territoriale Autonomie des Szeklerlandes und über das Verwaltungsrecht und Einführung der ungarischen Sprache als Amtsprache in allen Ortschaften, wo die Ungarn 20% der Bevölkerung stellen.
    https://adz.ro/inland/artikel-inlan...tschef-erhebt-schwere-vorwuerfe-gegen-die-psd

    https://adz.ro/inland/artikel-inland/artikel/udmr-dringt-auf-ungarisch-als-amtssprache

    https://ungarnheute.hu/news/aussenm...g4r_S00hGGxaw0lvnYPAP4LqOulxhfUIdDwkt_QRgKWHs

    Was das "Abgeben Siebenbürgens an Ungarn" betrifft, habe ich schon geschrieben, dass Siebenbürgen fast ein Kondominium wurde. Die ungarisch sprechende Partei- und Presselandschaft in Siebenbürgen ist fest unter Kontrolle von Budapest.

    https://www.diepresse.com/1390941/ungarische-steuergelder-fur-ungarn-parteien-in-rumanien

    Es gibt fast parallele Gesellschaften:
    https://www.dw.com/de/orbáns-gefährlicher-ideologie-export/a-52242411

    Das wird von der rum. Regierung nicht gut angesehen.
    Und das dauert schon seit einiger Zeit:
    https://jungle.world/artikel/2013/4...IoIgM95PGPVxjpjFCIX_DXLXLEYijJpieN7Vky1IWc7HU
     
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  3. sommersonne
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    Bilden aber die Siebenbürger Sachsen nicht auch ein wenig eine parallele Gesellschaft und Deutschland protegiert sie? Nur das Deutschland kein Stückchen Rumänien haben möchte.
     
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  4. EnRetard
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    Verseck (der gern dramatisiert) hin oder her, Iohannis hat sich so geäußert, wie von ihm (Verseck) berichtet. vgl.
    https://www.eurotopics.net/de/239869/rumaenien-hin-und-her-um-autonomie-fuer-szeklerland
    -----
    Eine von Orbán gesteuerte magyarische Presse in einer Gegend, in der die Magyaren - außer im Szeklerland - nirgendwo eine Bevölkerungsmehrheit stellen, ist aber noch kein Kondominium. Für mich hat das Ganze was von einer Verschwörungstheorie. Das Szeklerland kann man nicht abtrennen, denn es liegt zentral in Nordrumänien und hat keine Verbindung zu Ungarn. Im Grenzland zu Ungarn, nicht mehr Siebenbürgen, z.B. Oradea, gibt es eine magyarische Minderheit, aber keine Mehrheit.
     
  5. sommersonne
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    Orbán geht es wohl eher darum Stimmen der Ungarn in Rumänien für sich zu bekommen. Zumindest die derer, die noch die ungarische Staatsbürgerschaft haben.

    In den Balkanländern hat man, resultierend aus Erfahrungen der Vergangenheit, immer noch Angst okkupiert zu werden.
     
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  6. Burebista
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    Also wenn Johannis sich so geäußert hat, wie Verseck schrieb
    Während er als Staatspräsident zusammen mit der Regierung versuche, gegen die Corona-Pandemie zu kämpfen, so Johannis, hätten Vertreter der ungarischen Minderheit zusammen mit den oppositionellen Sozialdemokraten ein Komplott geschmiedet. "Sie kämpfen in den geheimen Büros des Parlaments dafür, Siebenbürgen den Ungarn zu geben", sagte Johannis.
    dann muss ich Rumänisch nicht mehr verstehen. Das Wort Sie war auf die PSD bezogen (2 Mal wurde PSD in diesem Satz als Subjekt erwähnt), nicht auf die ungarische Minderheit und nicht auf die Ungarnpartei.
    Hier die Äußerung:


    Es ging in den knappen Äußerungen von Johannis gar nicht über die ungarische Minderheit als solche, sondern nur über die Ungarnpartei (die seit 2016 das ganze Übel der PSD, also der sogenannten rumänischen Sozialdemokraten, unterstützte), über die PSD und über den ungarischen Diktator. Wobei die Ungarnpartei nur einmal erwähnt wurde und gar nicht kritisiert wurde. Johannis hat nur gesagt, dass die PSD der Ungarnpartei in dieser Angelegenheit (der Autonomie) geholfen hat und zwar in Einverständnis mit Budapest.

    Es waren eigentlich zwei Äußerungen von Johannis, die erste vor einer Woche (29. April), die zweite von gestern (4. Mai, die Verseck gar nicht erwähnt hat). Beide habe ich gehört. Vor einer Woche sprach er über die Autonomie des Szeklerlandes; gestern sprach er über die im Senat gebilligte Anerkennung der ung. Sprache als verpflichtende Amtsprache in mehr als die Hälfte der Ortschaften Siebenbürgens (dort wo die Ungarn mehr als 20% der Bevölkerung darstellen). Im Szeklerland wird man sowieso gar nicht angestellt, wenn man Ungarisch nicht spricht. Und auch das ist schwer, wenn man keinen ungarischen Namen hat. Das ist pure Realität.

    Dann ging es um die enge Beziehung der PSD mit Viktor Orbán. Dragnea und die PSD insgesamt wurde mit Hilfe der Ungarnpartei aus Rumänien von Orbán unterstützt. Der Chef der Ungarnpartei hat Telefonate zwischen Dragnea und Orbán vermittelt. Und es geht noch darum, dass man endlich den Provokationen von Budapest geantwortet hat.

    Ich erstehe gar nicht wie ein Journalist so die Tatsachen umdrehen will und kann. Was und wie Verseck geschrieben hat ist pure Hetze und Manipulierung und Umdeutung der Tatsachen, u.zw. durch Stellung von Zitaten im falschen Kontext (so das man etwas ganz anders verstehen kann) und durch das Schweigen anderen Tatsachen.
    Und was war hämisch wenn Johannis auf Ungarisch "Guten Tag wünsche ich, PSD" und "Guten Tag, Ciolacu" gesagt hat?
     
    Zuletzt bearbeitet: 5 Mai 2020
  7. EnRetard
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    Wenn er die PSD auf Ungarisch so begrüßt hat, impliziert das, dass die PSD Vaterlandsverräter seien. Das ist Dog Whistle Politik, wie man sie aus vielen Ländern mit Nationalitätenkonflikten kennt, von Spanien/Katalonien über Serbien, Kosovo, Nordmazedonien, Bulgarien bis eben nach Rumänien.
    Verseck neigt dazu, den Nationalismus ebenso wie die Korruption in seinem Berichtsgebiet SO-Europa zuzuspitzen. Wenn einem das jeden Tag ins Gesicht springt, finde ich das verständlich.
     
  8. Burebista
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    Nationalitätenkonflikt in Rumänien? Glaubst Du, dass da ein Vergleich mit Kosovo und Nordmazedonien gäbe?

    Na ja, Johannis neigt dazu, den Illiberalismus, die Anti-Europa Politik, ebenso wie die Korruption der PSD zu kritisieren. Das hat er vernünftig seit 2014 Tag für Tag getan. Und wenn er jedes Jahr von der PSD verleumdet wurde wegen seiner deutschen Ethnie und wenn dann auch die Deutsche Rumänien-Partei als Nazipartei immer wieder kritisiert wurde, dann finde ich es wirklich verständlich, dass er einmal auch antwortet, auf einem solchen Ton, dass die PSD es auch versteht und es auch schmerzt.

    Die Verleumdungen sind schon alt, vor 2014.
    Nun einige Beispiele:
    2017:
    http://www.fdgr.ro/de/comunicat/408
    2018:
    https://www.siebenbuerger.de/zeitun...45-verleumdungskampagne-in-rumaenien-der.html
    2019:
    https://www.gustav-adolf-werk.de/na...ass-und-luegen-vor-der-praesidentenwahl.html;
    https://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/20217-erneute-verleumdung-der-deutschen.html.

    Während all diesen Jahren hat die Ungarnpartei geschwiegen und weiter der PSD geholfen, die Justiz zu demolieren und die Antikorruptionsmaßnamen zu verwässern. Und versucht, Gesetzentwürfe durchzusetzen.
    Und jetzt sind alle voll erstaunt!
    Ich kann nur lachen.
    Aber auch VO aus Ungarn hat verstanden. Zeigte sich nur erstaunt und meinte, man müsse abwarten, um zu sehen ob es Beginn einer neuen rum. Außenpolitik sei. Er hat ja verstanden, dass es um ein interner politischer Kampf geht.
    Nun wurde die PSD bloß gestellt und die PSD hat schnell alle Gesetzartikel, die der Ungarnpartei versprochen wurden, in Eilverfahren im Parlament fallen gelassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5 Mai 2020
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  9. EnRetard
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    Ja.
    Wenn es von der Abtrennung von Landesteilen die Rede ist, absolut.
    Iohannis poltert von einer angeblichen Verschwörung zur Abtrennung des Szeklerlands bzw ganz Siebenbürgens. Das Magyaren-Problem ist in RO so präsent wie die Nationalitätenfrage in Nordmazedonien und Kosovo. Warum wohl erkennt RO Kosovo nicht als Staat an?
     
  10. Burebista
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    Es gibt keine Verschwörung zur Abtrennung (die Grenzen können jetzt nicht geändert werden, wegen EU und NATO), sondern es gibt eine Politik, um in Siebenbürgen eine ungarische Parallelgesellschaft zu bilden. Und das ist vielerorts gelungen.
    Das ist aber nicht neu. Die ganze mittelalterliche Geschichte von Siebenbürgen ist ein Nebeneinander und nicht ein Miteinander Leben der verschiedenen Ethnien. Der letzte ethnische Konflikt hier war 1940-1945.
    Die Wörter, die Johannis benutzt hat ("Siebenbürgen den Ungarn zu geben") müssen nicht unbedingt auf den ungarischen Staat bezogen werden (er sagte nicht "Siebenbürgen an Ungarn zu übergeben") sondern viel mehr auf diese ungarische Parallelgesellschaft. Oder meinst Du, dass ich etwa Jesuit bin und umdeute? :)
     
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