Nun ja...deine Frage sitzt mir nun schon seit Tagen "im Nacken"
das tut mir aufrichtig leid
und ich war schon kurz davor, mich mit der Thematik nochmals detaillierter zu beschäftigen und meine Gedankengänge/ Haltung aus seiner Zeit hierzu aufzufrischen, um eine Dir angemessene Art von Antwort zu Deiner Initialfrage geben zu können
das wäre schön gewesen
hier hätte ich einen Punkt erwartet, aber es war erfrischend irritierend, mit einem Komma konfrontiert zu werden
leider kann ich damit bisweilen nicht dienen, ohne Gefahr zu laufen oberflächlich und damit unzufrieden zu sein.
diese Sorge scheint mir unberechtigt, da ich überzeugt bin, so tief wir auch zu graben vermeinen, wir doch kaum an der Oberfläche dessen kratzen, was wir gerade zu durchdringen glauben
Dies bitte ich zu entschuldigen.
das erscheint mir unnötig, ist aber sehr zuvorkommend
Es ist schon sehr lange her, dass ich mich damit auch im Zusammenhang mit Kant beschäftigte.
das steigert die Chancen umso mehr, dass diesmal ein ganz anderes, nichtsdestotrotz ebenfalls sehr interessantes Ergebnis sich ergeben könnte
Ich bin nun mal der Meinung, dass eine solche Frage bzw. die Antwort dazu in diesem Rahmen eines eigenen Themas/Threads wert wäre und zu einem regen und geistig bereichernden Austausch führen könnte und dazu bin ich aufgrund etwaiger Gründe persönlich nicht in Kondition.
ich denke, ein guter Austausch ist immer und überall möglich, aber nirgends und niemals wirklich notwendig. Und wünsche abgesehen davon jeglicher Kondition gute Besserung.
Das soll allerdings Dich nicht davon abhalten hierzu eine Aussage zu machen - würde mich durchaus interessieren, wie Du darüber denkst.
Nun, dann sei es so; aufgrund dieser Aufforderung seien folgende Zeilen an leonovo plus in dieses Lenovo Yoga Plus getippt...
Es steht zu befürchten, dass der sich selbst und der Welt, in der er sich befindet, bewusste Mensch, ähnlich den KI-Robotern der x-ten Generation in einer Art "frame problem" gefangen ist. Nur für den Fall, dass Dir der Begriff nicht geläufig sein sollte: solche Roboter haben neben all den Sensoreninputs über die sie umgebende Welt auch noch ein Bild oder Modell von der Welt benötigt, dass auch sie selbst enthält, und das führte immer wieder in unendliche Rekursionsschleifen, an denen sich diese Roboter dann aufhängten und den Betrieb einstellten.
Wir Menschen scheinen dieses Problem in irgendeiner Weise handhaben zu können, zumindest, solange wir noch einigermaßen funktionieren. Jedesmal, wenn wir kognitiv Gefahr laufen, in eine solche Endlosschleife zu geraten, scheint eine Sicherung zu greifen, die diesen gefährlichen Bereich in irgendeiner Weise ausblendet oder regelt, etwa durch Verdrängung, durch unvermeidliche Glaubensaspekte oder auch die von Dir offenbar nicht allzusehr geschätzte Oberflächlichkeit, die ich in vielen Situationen für lebensnotwendig halte.
Es gibt einige solcher gefährlicher Zonen, etwa die Kausalitätsfrage: alles hat eine Ursache, das lehrt uns die Erfahrung. Also liesse sich die Welt als eine endlose Kausalkette vorstellen. Aber hoppla: die Kausalkette ist ja auch ein Etwas, das folglich eine Ursache haben müsste. Und schon sind wir gefangen - aber wir funktionieren weiter.
Die Entstehung des Lebens ist auch ein vergleichbares Phänomen: bis dahin wirkt reine Physik und Chemie, wie wir sie uns vorstellen, deterministisch, kausal, nie zukunftsorientiert, sondern immer schon durch Rand- und Anfangsbedingungen vorbestimmt. Es ergeben sich aus einzelnen Elementen unter bestimmten physikalischen Bedingungen komplexe Moleküle, von denen sich Millionen und Abermillionen plötzlich zur ersten selbstorganisierten Zelle zusammenfügen - rein deterministisch und kausal - und plötzlich haben wir einen Organismus, der eben nicht nur physikalischen Gesetzmässigkeiten gehorcht, sondern zielstrebig einen ganz bestimmten Zustand ansteuert. Ein völlig neuartiges unerklärliches Prinzip, dass das bisherige überlagert.
Und dieses neue Prinzip bringt dann mit der Zeit auch noch so etwas ungewöhnliches wie die getrennt geschlechtliche Reproduktion hervor, sodass also das einzelne Lebewesen nicht nur triebgesteuert sein eigenes Überleben sichern will, sondern auch in Verbindung mit einem Exemplar derselben Art aber unterschiedlichen Geschlechts auf Reproduktion aus ist. Eine immer komplizierter werdende Geschichte: Du bist zwar eins und doch bist Du auch ein verschwindender Teil eines Ganzen, das so viel mehr ist als Du. Du bist Deine eigene ganze Welt und aber auch nur ein einziger Knotenpunkt eines gewaltigen Netzes, das sich sowohl horizontal über Deine ganze Art erstreckt als auch vertikal in Zukunft und Vergangenheit.
Ich fürchte, unsere Existenz ist als solche mit einer großen Fülle solcher Dualismen, Entitäten und Widersprüchlichkeiten durchzogen. Und wir reagieren auf vielfältigste Weise darauf, u.a. auch, indem wir uns solche Zeilen ausdenken:
O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht? (Gerade ist es übrigens 0:00 Uhr, Anm. Zerd)
"Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!"
Oder, vom selben Autor, doch nicht minder erschütternd:
Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich.
Das sind in meinen Augen Beispiele dafür, zu welchen Möglichkeiten wir verurteilt sind, in welch unermesslicher Freiheit wir gefangen sind. Nein, kein Wortspiel, wie man annehmen könnte; ich bin tatsächlich überzeugt von dieser Zwei- und Mehrdeutigkeit unserer Existenz: wir können nicht anders, als diese immense Vielfalt zu leben und sie, bewusst und unbewusst, immer weiter auszudehnen.
Und das bildet die Grundlage, auf der ich meine Grenzen ziehe und meine Türen öffne: ich bin ein Knotenpunkt dieses Ganzen, dieses Anderen, aber ich kann nicht funktionieren, indem ich vollständig darin aufgehe, so sehr, dass kein Ich mehr bleibt, das darin aufgehen kann. Und ich bin ein Individuum, ein Einzelnes und Einzigartiges, aber ich kann auch nicht funktionieren autonom und solipsistisch, weil dann auch dieses Einzigartige dazu verurteilt wäre, zu dem wertlosen Nichts zu verkommen, zu dem ich das Ganze dann schon gemacht hätte.
Um es kurz zu machen (hehehe!...), ich würde die Grenze so ziehen wollen, dass ich einerseits so sehr überzeugt sein könnte von mir und "meinen" Gedanken, sodass es mich (und mein Funktionieren) in keinster Weise beeinträchtigen sollte, davon auszugehen, alles in mir sei dem anderen, dem Ganzen entsprungen; dass es andererseits mich (und mein Funktionieren) in keinster Weise beeinträchtigen sollte, dass ich so sehr in diesem anderen und Ganzen aufgehe, mich so sehr darin wiederfinde, sodass ich richtig stolz darauf sein kann, es durch "meine" bescheidenen Beiträge bereichern zu können. Und genau da würde ich die Grenze ziehen!
Mein voriger Beitrag an "beren" war ja eher rethorischer Natur und sollte ein kleiner Denkanstoss sein.
Beren scheint rhetorisch wohl gerade im Stau zu stecken. Sie mag mir verzeihen, dass ich mir diesen Anstoss genommen habe....