Nimms mir nicht bös, aber ich muss einiges verbessern. Dies werde ich jeweils kurz ausführen, sonst zieht es sich zu sehr in die Länge.
Vorerst aber einige Punkte. Das Alevitentum ist in einer Zeit der Selbstdefinition und -findung. Über vieles gibt es keine endgültigen Antworten, dieser Prozess wird im Großen und Ganzen noch mindestens 20 Jahre dauern.
Kurzer sozio-historischer Umriss: Jahrhunderlang fand das Alevitentum im Verborgenen statt, aufgrund der Verfolgung durch die Mehrheitsgesellschaft (sunnitische Muslime). Erst heute und insbesondere durch die Diaspora-Aleviten wird das Alevitentum öffentlich intern wie auch für Aussenstehende offen diskutiert. Hier geht es weniger um das Fundament des Alevitentums (Humanismus, Universalismus, Individualismus und Gemeinschaftlichkeit, usw usf) als vielmehr um die Entwicklung und die Bewertung der Geschichte und der Gegenwart so wie unterschiedlicher kultureller Praktiken.
"Gotteshäuser" haben Aleviten im Grunde nicht, ihre Cem Häuser sind zwar Orte religiöser Zeremonien aber keine Gotteshäuser. Cem Häuser entwickeln sich derzeit zu Zentren des Alevitentums. Früher war das physikalische Zentrum des Alevitentums der "Dede" oder die "Ana" (Geistlicher), das ist es heute nicht mehr. Aus vielen Gründen.
Atatürk hat den Aleviten die Cem Häuser staatsrechtlich nicht erlaubt. Das ist falsch. Er hat alle "islamischen Schulen" mehr oder minder geschlossen und verboten (auch die Bektaschi Schulen) und die Religion dem Staate untergestellt. Er ging davon aus, dass die Religion ähnlich wie in Westeuropa mit der Modernisierung ihre Macht verlieren würde. Falsch gedacht. Auch hier gibt es zig Gründe und Entwicklungen die es zu beachten gilt.
Ein paar markante Punkte: Frauen tragen weder im Privaten noch in der Öffentlihckeit und auch nicht in Cem Zeremonien Kopftücher. Die die es tun sind meist ältere Frauen, die es so kennen. Es gibt die alevitische Gemeinde mit dem Namen Cem Vakfi und auch manche Caferi Aleviten bei denen das Kopftuch zumindest in die Cem Zeremonie gehört aber diese sind absolut in der Minderheit und betragen innerhalb der Aleviten nicht mal 2%. Alkohol ist für Aleviten ausdrücklich erlaubt, so fern der Konsument es verträgt und nicht ausfallend wird.
Die Anhänger Alis nannten sich Schia Ali (Anhänger oder Seite Alis). Aus denen entwickelten sich die Schiiten mit ihren zig Formen, die Aleviten haben vieles übernommen aber grundlegendes anders interpretiert (Bsp. die sog. fünf Säulen) oder wie im Falle der islamischen Rechtssprechung der Scharia nicht akzeptiert.
Das Gebet brauche keine physische Form, dies ist eine Meinung der Aleviten. Letztlich heißt das, jeder kann beten wann, wo und wie er will. Wenn dieser sich entscheidet wie die sunnitischen Muslime zu beten so darf und kann er dies tun. Es gibt im Alevitum keine Dogmen die irgendwas verbieten, bis auf den Respekt und die Achtung voreinander und des Lebens generell. Es ist eine sehr philosophische, esoterische (interpretationsfreudige -offene) und humanistische Konfession. Ziel eines Aleviten ist es, ein vollkommener Mensch zu werden. Was das ist, ist schwierig zu beurteilen. Ein vollkommener Mensch dürfte einer sein, der selbständig mit der Gemeinschaft leben kann. Hier ist die Religionszugehörigkeit sekundär.
Die Eingangsfrage "Erfahrung mit alevitischen Männern" hört sich witzig an. Aber wenn ich deine Frage richtig verstanden habe, willst wissen ob diese "anders" als die anderen muslimischen Männer sind. Meiner Meinung nach ja. So fern man die anderen muslimischen Männer als Einheit betrachten kann. Sie sind im Durchschnitt weniger restriktiv und lassen der Frau ihren Freiraum sich zu entwickeln, da die Frau und der Mann in ihrer Kultur absolut gleichgestellt sind. Frauen sollen sich ebenfalls verwirklichen, studieren, arbeiten, feiern oder wenn sie wollen doch hinterm Herd sitzen.
Lieben gruß
nomaam