Ich hab mit Anfang 30 mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn einem ein über 20 Jahre älterer Mann den Hof macht. Um es gleich vorweg zu nehmen: aus uns ist damals kein Paar geworden, weil sich bei mir die Gefühle nicht im gleichen Maße intensivierten wie bei ihm. Allerdings kann ich ehrlicher Weise nicht ganz ausschließen, dass es auch an meiner Unfähigkeit lag, den Altersunterschied auszublenden. Zumal ich ständig daran erinnert wurde. Wenn wir zusammen unterwegs waren, spürte ich die Blicke der Leute, die zu rätseln schienen, ob ich die Tochter oder Freundin bin. Dazu trug wohl auch bei, dass ich ohnehin äußerlich jünger eingeschätzt wurde und wenn wir uns vertraut gaben, konnte ich das Getuschel regelrecht hören. Seither (und seitdem ich einen jüngeren Freund hatte) besinne ich mich auf diese Erfahrung, wenn ich Paare sehe oder in meinem Beisein über solche gesprochen (gar gelästert) wird, zwischen denen ein großer Altersunterschied liegt und halte ich mich stark mit Bewertungen zurück. Wo die Liebe hinfällt, sollte sie landen dürfen. Letztlich spielt das Alter erst dann eine Rolle, wenn sich aus zu verschiedenen Lebensphasen unüberbrückbare Probleme auf der zwischenmenschlichen Ebene ergeben oder ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis erwächst, das mindestens einen an seiner weiteren Entwicklung hindert. Fragwürdige Motive, sich auf eine Beziehung einzulassen, kann man immer leicht unterstellen, bleibt aber spekulativ, wenn man die Menschen nicht näher kennt.