AW: Begegnungen im Leben
Bei den Geschichten kommt alles bei mir wieder hoch....
..ich hatte echt Tränen in den Augen und der Knoten im Hals und Herz wurde immer größer......
...Ich kenne diese Situation sehr genau, nur nicht bei einem "Fremden" sondern bei meinem Vater, der nach 1-jähriger Krankheit und etlichen Chemos bei uns zu Hause gestorben ist. Meine Mutter, Arzt, wußte irgendwie das es gleich zuende geht und rief mich ins Schlafzimmer, wo mein Vater lag. Ich kann nicht mehr ganz genau sagen, wie oder was ich fühlte, es war nur ein sehr entrücktes Gefühl. Ich konnte auch nichts sagen sondern hielt nur seine Hand und Blickte ihm direkt in die Augen. Ich habe nur in Gedanken gesagt "Gute Reise" und hoffe er hat es gehört bzw. gespührt. Danach, meine Mutter brach in Tränen aus, mußte ich sofort raus. Ich fühle mich heute noch schuldig, das ich nicht unmittelbar bei meiner Mutter bleiben konnte und sie trösten, wenn dies überhaupt möglich ist in einer solchen Situation, aber es ging einfach nicht. Ich mußte einfach laufen...wie im Schockzustand. Es kam eine ganze Zeit lang keine einzige Träne über das Gesicht...da war einfach nichts. Irgendwie, ich weiß auch nicht warum, haben mich meine Füße zu einem Freund gelenkt, es war nochnichteinmal mein "bester". Dort brach dann alles, schon auf der Treppe, aus mir heraus und ich habe mindestens eine halbe Stunde lang geflennt, völlig ohne Hemmungen, denn ich konnte sogar nichtmal darauf achten, das ein anderer Schulkamerad da war um mit meinem Freund Hausarbeiten zu machen. Nachdem diese Weinorgie vorbei war fühlte ich mich irgendwie befreit. Wie gesagt, bis heute kann ich nicht erklären, warum ich gerade dahin ging...aber es hat geholfen. Ich kam wieder zu Hause an, als sie meinen Vater abtransportierten und da hatte ich auch wieder Kraft, meine Mutter in den Arm zu nehmen.
Meine Gastmutter aus Canada hat mir auch einen sehr guten und wichtigen Spruch mitgegeben, der wie die Faust aufs Auge auf die Situation meines Vaters(und gerade auf die Situation meiner Oma)passt: "The suffering of your loved one has ended, but your suffering has just started." Bis heute kann ich die Besuche an dem Grab meines Vaters an einer Hand abzählen und das ist nun schon über zehn Jahre her. Für mich hat das Grab keinerlei Bedeutung, sondern ich trauere in mir und dafür brauche ich keinen besonderen Platz.
der Skeptiker
P.S. Liebe Sina08, du hast dieser Frau das größte Geschenk gemacht, was ein Mensch einem anderen machen kann! Denke immer daran, in deiner Trauer, das du dieser Frau die Angst und die Furcht vor dem Tod genommen hast!