AW: Darf man konvertieren?
... im Koran steht zum Beispiel (2. Sure), es gibt keinen Zwang im Glauben = > man kann (oder darf) also niemanden zwangsweise bekehren.
Das hilft aber, fürchte ich, hier nicht unbedingt weiter, denn wo die Scharia so unerbittlich wie in den von Euch angeführten Beispielen Afghanistan und Iran praktiziert wird, steht auf Konvertieren bzw. Abfall vom Glauben die Todesstrafe. Das ist das, was ich so wachsweich mit "heikel" umschrieb.
Eine Professorin der Universität Marburg, die Türkisch und Religionsgeschichte lehrt, brachte vor einigen Jahren ein, wie ich finde, ziemlich interessantes Buch zum Thema heraus (Ursula Spuler-Stegemann, "Feindbild Christentum im Islam", Freiburg 2004, ISBN 3-451-05437-X), das keineswegs mit kontroversen Beiträgen spart. Autoren wie Bassam Tibi (Stichwort Euro-Islam), Georges Tamer, Christine Schirrmacher u.a. widmen sich darin sehr unterschiedlichen Aspekten des ganzen Phänomens, bezeichnen den christlich-islamischen Dialog z.B. als pures Wunschdenken oder, ganz im Gegensatz, als erfolgreich usw. usf. Enthalten ist auch ein längeres Interview mit einem in Deutschland lebenden Konvertiten, der nicht nur in seinem arabischen Herkunftsland mit Verfolgung seitens irgendwelcher Fanatiker rechnen muss.
Mal ganz zu schweigen von prominenteren Menschen wie Ayaan Ali Hirsi ("Itham Ediyorum" / deutscher Titel: "Ich klage an"), die als Ex-Muslima ganz offen gegen ihre frühere Religion auftritt. Es ist ein Problem, kann eines sein.
Trotzdem halte ich es für grundfalsch, mögliche Reaktionen fanatischer Wirrköpfe auf solche individuellen Entscheidungen zum Maßstab zu nehmen. Absolut verkehrt. Jeder Mensch hat das Recht, für sich selbst zu entscheiden, was, woran und ob er oder sie überhaupt an irgendwas glaubt. Doch wenn andere das eng sehen, ganz eng, wird's unerfreulich. Traditionell unerfreulich, möchte ich anfügen. Die gewaltsame Verbreitung des Christentums mit Flamme und Schwert ist ja auch noch nicht soooo lange her...
lg
anouk