Der Kampf um Akzeptanz

Stephanie

New Member
Hallo an alle!

Ich weiß gar nicht, wo ich jetzt anfangen soll. Ich schildere euch einfach mal meine Situation.
Seit ein paar Wochen bin ich mit F. zusammen. Wir haben uns im Internet kennengelernt. Und nachdem wir uns einige Male getroffen haben, ist bei mir irgendwann der Funke übergesprungen. :) F. ist in Deutschland geboren und lebt hier auch schon immer. Er empfindet Deutschland als seine Heimat. Mit seiner Religion nimmt er es nicht so genau, weswegen ich mir deswegen auch keine Gedanken mache.
Was mir aber zu schaffen macht, sind meine Eltern. Ich habe mich lange nicht getraut ihnen zu sagen, daß mein neuer Freund ein Türke ist. Mein Vater arbeitet bei der Polizei und ist leider nicht ganz unvoreingenommen. Leider bekommt er durch die Arbeit halt nur die negativen Seiten mit. Letzte Woche war es dann so weit. Mein Vater hatte inzwischen anderweitig mitbekommen was Sache ist (mein kleiner Bruder konnte mal wieder die Klappe nicht halten), und hat mich spätabends angerufen (ich wohne ja schon lange nicht mehr zuhause). Er wollte bestätigt wissen, was er eh schon wußte. Und dann ging es los: Ob ich mir das denn wirklich gut überlegt hätte. Und ich müsse immer damit rechnen, daß sich das alles ändern kann. Auch soll ich an unsere zukünftigen Kinder denken. Wie sollen sie erzogen werden? In welchem Glauben. Ein guter Freund wollte mit mir demnächst nach Nürnberg fahren. Er hat das jetzt abgeblasen, weil er keine Lust drauf hat, daß irgendwann ein "3er BMW vor seiner Haustür steht ... die sind doch so eifersüchtig". - Hallohoo???
Ich bin jetzt 27. Und manchmal bin ich zwar wirklich naiv, aber bei der Sache habe ich wirklich ein gutes Gefühl. Ich habe mir das alles wirklich schon gründlich überlegt. Viele Freunde von mir stehen da auch hinter mir. Aber es schockiert mich schon, wie tief diese Vorurteile bei manchen sitzen. Dabei kennen sie F. gar nicht.
Gut, ich bin schon etwas ins Grübeln gekommen. An gemeinsame Kinder habe ich jetzt nach so kurzer Zeit ehrlich gesagt noch keine Gedanken verschwendet. Aber es würde mich schon interessieren, wie denn das so ist, wenn ein Partner Christ und der andere Muslime ist. Wir sind jetzt zwar beide nicht sehr religiös, aber ich weiß auch nicht so recht, was denn da auf mich zukommen würde.

Das ist jetzt alles sehr verwirrend, ich weiß. Ist auch ziemlich viel für mich. Fühle mich stellenweise leicht überfordert. Und dadurch, daß wir noch nicht sehr lange zusammen sind, weiß ich noch nicht so recht, wie weit ich F. löchern kann, ohne ihn zu verletzen.
Die Bemerkungen der anderen machen mich stellenweise fassungslos. Ich bemerke, daß ich stellenweise schon richtig trotzig reagiere.

So, ich danke euch erst mal für's zuhören. Vielleicht ergibt sich ja eine Diskussion.
Liebe Grüße
Stephanie
 

tigerlillie

New Member
AW: Der Kampf um Akzeptanz

Das mit deinem vater ist echt blöd für dich, aber du hast ja den vorteil, das du nicht zu hause wohnst, wo du dich täglich mit ihm in die wolle deshalb kriegen könntest. Lass ihn einfach mal denken, mit der zeit wird er sich schon dran gewöhnen. Ich verstehe nicht, was dein vater erwartet. Du kannst doch nicht nach so kurzer zeit schon sagen, ob ihr heiratet und kinder kriegt und wie die dann erzogen werden usw. Das hat ein bisschen was von "mit der tür ins haus fallen". Meine freundin ist mit einem türken verheiratet, und am anfang hatte sie bei allen bekannten und familienmitglieder probleme. Aber mittlerweile gehört er zur clique dazu.
Was ist denn mit seiner familie? ist die auch hier in deutschland?
 
L

Lalezar2006

Guest
AW: Der Kampf um Akzeptanz

Aber es würde mich schon interessieren, wie denn das so ist, wenn ein Partner Christ und der andere Muslime ist. Wir sind jetzt zwar beide nicht sehr religiös, aber ich weiß auch nicht so recht, was denn da auf mich zukommen würde.

Hallo Stephanie, ab hier hast du die Akzeptanz verloren. Ich denke keiner kann dir sagen, wie es in euerer Zukunft aussieht, lass es auf dich zukommen und sprich mit deinem Freund darüber was er denkt. Nichts ist unmöglich. Geht alles, man muss sich nur gegenseitig tolerieren.
 

Stephanie

New Member
AW: Der Kampf um Akzeptanz

@tigerlillie:
Ich war da auch etwas vor den Kopf gestoßen, als er damit daherkam. Zu meinem Vater habe ich ein sehr enges Verhältnis. Und ich weiß, daß er sich immer viel zu viele Gedanken um mich macht. Einerseits finde ich es ja schön, daß mein Vater sich Sorgen um mich macht. Aber das geht jetzt - meiner Meinung nach - doch schon etwas zu weit. Zumal er F. noch gar nicht kennt. Er sollte ihn erst einmal kennenlernen und sich erst dann eine Meinung bilden.

F.'s Eltern leben auch hier in Deutschland. Geschwister hat er keine. Und der Rest seiner Verwandtschaft lebt in der Türkei.
 

tigerlillie

New Member
AW: Der Kampf um Akzeptanz

Ich war da auch etwas vor den Kopf gestoßen, als er damit daherkam. Zu meinem Vater habe ich ein sehr enges Verhältnis. Und ich weiß, daß er sich immer viel zu viele Gedanken um mich macht. Einerseits finde ich es ja schön, daß mein Vater sich Sorgen um mich macht. Aber das geht jetzt - meiner Meinung nach - doch schon etwas zu weit. Zumal er F. noch gar nicht kennt. Er sollte ihn erst einmal kennenlernen und sich erst dann eine Meinung bilden.
Das solltest du deinem vater vielleicht mal sagen.
 

Kleopatra

New Member
AW: Der Kampf um Akzeptanz

Liebe Stephanie,

ich kann mich wunderbar in deine Lage reinversetzen. Ich habe mich auch noch nicht überwunden meinen Eltern zu gestehen, dass ich einen türk. Freund habe.

Ich mache hin und wieder Andeutungen, aber im Endeffekt schieben meine Eltern dann eine Bemerkung und dann lasse ich es wieder.

Ich habe mir gedacht, wenn er mich im Jänner besuchen kommt (hoffentlich) dann mache ich es auf die "harte" Tour und gehe mit allen Essen.

Wie du siehst bist du nicht alleine!

Lg,

Kleo
 

elfenkuss

New Member
AW: Der Kampf um Akzeptanz

hallo stephanie,
natürlich ist bei euch alles viel zu frisch um sich mit fragen, wie kindererziehung und so weiter auseinanderzusetzen...
aber, ich möchte dir nur aus eigener erfahrung sagen, dass du solche themen nicht unterschätzen sollst. ich hatte auch eine binationale ehe und habe mich in dieser gegen kinder entschieden. denn ich hätte es nicht ertragen, wenn mein sohn beschnitten worden wäre oder meine tochter sich nicht hätte frei entwickeln können.
also sprich irgendwann mal mit ihm, wie denn seine einstellung ist...viele(nicht alles) kann man ja wirklich schon vorher "klären".
zu deinem vater kann ich nur sagen, dass er ganz grosse angst um dich hat, das war bei meinem vater auch so...heute mit abstand kann ich alles viel besser nachvollziehen...also sei nachsichtig mit ihm:)
 
S

semeyale

Guest
AW: Der Kampf um Akzeptanz

denn ich hätte es nicht ertragen, wenn mein sohn beschnitten worden wäre oder meine tochter sich nicht hätte frei entwickeln können.

Da muss ich doch mal schnell dazwischen springen....*hüpf*...geht es noch?
1. okay, es ist Geschmackssache, aber ich als Frau bevorzuge beschnittene Männer. Da das nicht zu vergleichen ist mit der Beschneidung bei Frauen verstehe ich nicht, was daran so schlimm ist.
2. wer sagt denn, dass Mädchen sich in einer binationalen Ehe nicht frei entwickeln können?

Um mal schnell die andere Seite zu schildern (auch wenn es Stephanie noch gar nicht um Kinder geht): Ich möchte unbedingt Kinder mit meinem türkischen askim. Welche Religion, welche Erziehung etc? Das klären wir in vernünftigen Gesprächen schon im Vornerein, wir wollen das Beste für die Kinder. Aber hier gibt es einige deutsche Mütter mit türkischen askims und Kindern. Vielleicht können die mal hier zu Wort kommen.

Also sorry elfenkuss, aber Deine Meinung kann und will ich nicht teilen.

Zu Deinem eigentlichen Problem Stephanie mit Deinem Vater:
Lass etwas Gras drüber wachsen, aber steh zu Deinem Schatz. Betone immer wieder, dass Du ihn liebst und Du möchtest, dass sich alle verstehen. Das wird schon.

Meine Mutter war auch ensetzt sowie meine Großeltern. Und nun? Sie haben es akzeptiert, er ist Teil der Familie.
 
Top