.... Whaty, ist es jetzt sehr enttäuschend, wenn noch 'ne Frau was dazu sagt?

Ich finde Deine Fragen in der Tat sehr berechtigt. Und einfach zu sagen, Frauen haben Mehrfachrollen, und deshalb sollen die Kerle gefälligst doch auch mal ... usw., leuchtet zwar ein, wird der Sache für mein Empfinden aber nicht so ganz gerecht...
Zum einen glaube ich, dass viele erwachsene Männer sich wirklich bemühen, allen möglichen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber dass sie, glaube ich, zu 99% keinen Bock haben, die Frauenfrage zu diskutieren, zumal sie inzwischen selbst Tag für Tag um ihre Arbeitsplätze bibbern (was aber nicht an Frauenförderung liegt... ), find ich auch verständlich.
Zum anderen sieht's inzwischen so aus, dass insbesondere Jungs und junge Männer gesellschaftlich das Nachsehen haben.
Das fängt schon in der Schule an: Mädels werden ermuntert, immer und jederzeit ihre Meinung zu sagen (was völlig in Ordnung ist) - Jungs aber, die sich genau so verhalten, kriegen ratzfatz das Etikett "vorlaut" verpasst.
Mädels im Grundschulalter, die notfalls auch handgreiflich werden, gelten als, tja, etwas zu temperamentvoll, aber durchsetzungsfähig - Jungs müssen aufpassen, dass sie von ihren (häufig frauenbewegten) Lehrerinnen nicht als Schlägertypen und potenziell nachwachsende Vergewaltiger eingestuft werden. Und so geht es weiter.
Wenn pubertierende Mädchen in knappstem Fummel bauchfrei im Unterricht erscheinen und ihre gleichaltrigen Mitschüler vor lauter Hormonschüben ganz hibbelig werden, geht das in aller Regel ebenfalls zu Lasten der Jungs. Dann heisst es ganz schnell: konzentrationsgestört, hyperaktiv und was nicht noch alles...
Und später, beim Schulabgang, wo Männlein wie Weiblein häufig Probleme und viele Fragen zur Berufsfindung haben, stehen Jungs echt im Regen und wissen oft gar nicht, wohin mit sich. Während etliche Betriebe und Branchen mit so genannten "Girls Days" sehr gezielt um weibliche Azubis werben...
Für Jungs gibt es solche Berufsfindungs- und Förderprogramme (abgesehen von den üblichen Berufspraktika) nicht, zumindest nicht, dass ich wüsste.
Vielleicht, weil Männern (und somit auch Jungs) traditionell unterstellt wird, sie kämen schon durch und bräuchten keine Förderung ?! So'n Quatsch!
Das ist die Kehrseite der Medaille. Frauenbewegung ok, Mädchenförderung auch, aber wenn's (was ich inzwischen glaube) dazu führt, dass ein Geschlecht schleichend benachteiligt wird, kann irgendwas nicht stimmen. Das ist dann einfach ungerecht und daneben.

anouk
ps In einigen wenigen Städten, ich glaube, München war da Vorreiter, gibt es inzwischen "Jungsbeauftragte", die sich u.a. mit solchen Fragen beschäftigen.