AW: Der zuletzt gesehene Film
findest du .. ich fand die schauspieler gut und gerade weil manches nicht so überspitzt dargestellt wurde wie in einer soap, empfand ich den film als authentisch
Die Schauspieler waren schon gut, sind aber nicht so zum Zug gekommen. Das heiß ja nicht, dass man es überspitzen muss. Es fehlte einfach an Einstellungen, die es den Darstellern ermöglicht hätten, Emotionen zu transportieren (abgesehen von den sehr direkten Szenen wie der, wo Avner sein Kind auf dem Arm hat und Angst vor den vermuteten Agenten im Auto hat).
Ist natürlich eine Frage der Zeit. Den familiären Hintergrund von Avner fand ich eher oberflächlich ausgewalzt und dafür den interessantesten Charakter Carl (Ciarán Hinds) stark vernachlässigt.
Gestern Abend habe ich "Nichts als die Wahrheit" auf 3sat gesehen.
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/film/woche/112752/index.html
9/10
Ein sehr guter Film, an dem mir eigentlich mal alles passt - abgesehen vom enttäuschenden Schluss(plädoyer).
Mit unbarmherziger moralischer Unvoreingenommenheit versucht Anwalt Peter Rohm (Kai Wiesinger) den gesamten Film lang "die Wahrheit" herauszufinden - das wahre Gesicht der Verbrechen von Mengele. Doch wie kommt er am Ende des Prozesses zum einzig möglichen Schluss? Er fällt aus der Erfüllung der anwaltlichen Pflicht abrupt in dieselbe Duselei zurück, die er bis dahin nicht gelten ließ. Die wahrscheinlich am eindrucksvollsten gedachte Szene macht damit den Erkenntnisgewinn, den sich der Film vornimmt (siehe Mengeles Schlussmonolog), im Großteil zunichte.
Die Fiktion eines Anwalts Mengeles setzt eine rein handwerkliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen voraus. Das Risiko, Rohm dabei makaber zu wirken zu lassen, nimmte der Film für dieses Experiment in Kauf. Ich hätte erwartet, dass das Spiel auch zu Ende gespielt wird.
Am Schluss hätte einerseits die Abgrenzung von Zeitgeist und individueller Unmenschlichkeit stehen können. In erster Linie aber richtete sich meine Spannung auf eine präzise juristische Abstraktion von modernen Vorstellungen der Sterbehilfe und medizinischer Massenvernichtung.
Das Problem hätte man keineswegs als so unlösbar darstellen und so unbefriedigend von Rohm übertünchen lassen müssen.