Deutsche Sprache

Na Gut, bekomme gerade kein Schlaf mehr....

In einem meiner gestrigen Beitragen hatte ich so geschrieben:

"Wenn es einen Gott gibt und er - vorausgesetzt es maennlich ist- er der Menscheit bla bla..."

Seither beisst das "es" dort mich in die Augen und ich habe keine Ruhe! Ich fühle, ein "es" für den Gott waere und ist falsch. Aber da Deutsch zu viel sexistisch ist, habe ich ein besserer Pronomen nicht finden können. Denn, mit einem "er" zum Beispiel:

"...er - vorausgesegtzt, dass er maennlich ist- er...."

könnte ich nicht weiterkommen, weil ich in diesem Fall das Geschlecht des Gottes schon im Voraus -sprachlich- determiniert haette und die Voraussetzung darin, "vorausgesegtzt, dass er maennlich ist", unnötig waere. Aber ich wollte und will für einen Augenblick voraussetzen, dass Gott maennlich ist, ohne dass ich sein (!) Geschlecht schon vorher determinieren muss. Erstaunlich ist, so was im deutschen scheint unmöglich. Auch "Schöpher, Schaffer, Hersteller" und jegliche Verwantde helfen dabei nicht.

Jetzt kann ich im Ruhe schlafen! :)
 
Schon mal hier hatte ich das Buch Stilkunst von Ludwig Reiners zitiert. An dieser Stelle möchte ich ihn begrüssen. :) Gerade deswegen, weil er die deutsche Sprache so lebendig analysiert hat. Wer haette zum Beispiel daran glauben, dass die folgenden Zeilen aus dem Jahr 1961 stammen?

Erstens: das Neuwort muss kurz sein. Zwar ist in Wahrheit der Zeitlervust selbst bei einem sechssilbigen Wort ganz gering. Aber die praktische Erfahrung zeigt: lange Neuworte bürgern nicht ein. (...) Postwertzeichen und Kleinkinderbewahranstalten werden in lebendiger Rede nicht benutzt. Unmittelbar statt direkt ist zu lang, besonders für den Alltagsgebrauch.

Dieser Teil auch ist bemerkenswert:

Es ist ein Glück und ein Unglück, dass die deutsche Sprache so leicht Zusammensetzungen bildet. Ein Glück, denn wir sind so zu einem grossen Wortschatz gekommen; ein Ungück, denn die zusammengesetzten Wörter sind den einfachen keineswegs gleichwertig.
 
Schon mal hier hatte ich das Buch Stilkunst von Ludwig Reiners zitiert. An dieser Stelle möchte ich ihn begrüssen. :) Gerade deswegen, weil er die deutsche Sprache so lebendig analysiert hat. Wer haette zum Beispiel daran glauben, dass die folgenden Zeilen aus dem Jahr 1961 1943 stammen?

Erstens: das Neuwort muss kurz sein. Zwar ist in Wahrheit der Zeitlervust selbst bei einem sechssilbigen Wort ganz gering. Aber die praktische Erfahrung zeigt: lange Neuworte bürgern nicht ein. (...) Postwertzeichen und Kleinkinderbewahranstalten werden in lebendiger Rede nicht benutzt. Unmittelbar statt direkt ist zu lang, besonders für den Alltagsgebrauch.

Eine spaetere Korrektur: im Jahr 1943 schrieb er die obigen Zeilen! Respekt! Einfach Respekt!
 
Man Stelle sich folgendes vor: Herr Kalverkaemper kommt in ein Geschaeft. Auf seiner Schulter sitzt eine Katze (weblich). Der Verkaeufer sagt zu ihm: >Sie sind heute schon die dritte Kundin mit einem Kater.<


Das Beispiel befasst sich nicht mit der Bezeichnung einer geschlechtlich gemischten Mehrzahl.

Stimmt. Aber nicht jeder muss "Mauer" als "Antifaschistischer Schutzwall" bezeichnen, "Katze und/oder Kater" als "Katze" hingegen schon.

Nicht jeder muss eine gemischte Mehrzahl aufspalten und jedes biologische Geschlecht mit seiner jeweiligen Bezeichnung separat benennen, weil die Sprache ein vereinfachendes Instrument für diesen Fall bereit stellt. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich erst, wenn eine bestimmte Bedeutung in der Festlegung eines generischen Genus sieht, gegen die Position bezogen werden soll, etwa das generische Maskulinum als Ausdruck der Unterdrückung der Frau. Ich bin nicht der Meinung, das Deutsche würde dies irgendwann auflösen, wie Du in den Raum gestellt hast. Solche Interpretationen sind politisch-ideologischer Natur und damit zu kurzlebig und von zu geringer Alltagsrelevanz, als dass eine Sprache eine native Lösung dafür entwickeln würde. Zwischen Genus und Sexus zu abstrahieren, ist Notwendigkeit in einer Sprache mit Geschlechtern, um bzgl. der Mehrzahl, des irrelevanten ("...man...") und vor allem des unbekannten Geschlechts (Bezeichnung einer Katze oder eines Katers mit dem weiblichen Namen der Tierfamilie) eine verkürzende Regelung treffen zu können. Dem Titel, dem Beispiel und den Amazon-Rezensionen nach zu urteilen, möchte das zitierte Werk widerlegen, dass es diese konsequente Trennung gibt, um an der Verwendung des männlichen Genus einen Herrschaftsanspruch des männlichen Sexus abzulesen. Dass das Beispiel dann unpassend ist, weil frei von der Problematik, welche die Sprachregel lösen soll, und auch noch das Gegenbeispiel "Katze" enthält, passt zu dieser Art von Abhandlungen.

Wenn ein korrekter Sprachgebrauch, wie die Bezeichnung einer bestimmten Mauer als Mauer oder von Studenten als Studenten, vorübergehend sozial missbilligt wird, wird diese Zeit sprachlich durch Ersatzkonstruktionen überbrückt. Die Motive für diese Ersatzkonstruktionen stehen einer nativen Lösung (wie schon dem generischen Maskulinum) ausdrücklich entgegen. Zweck der Ersatzkonstruktionen ist es, durch Abgrenzung von der missbilligten native Lösung ein besonderes Bewusstsein auszustrahlen. Selbst eine geschlechtslose Sprache wäre noch darin zu kritisieren, dass sie Geschlechter in Personenmehrheiten nicht abbildet, obwohl sie es doch verdient hätten. Davor sind selbst die Ersatzkonstruktionen nicht sicher und unterliegen ihrer eigenen Evolution, wie etwa das Binnen-I, welches inzwischen ohne "Gender-Gap" oder "Gender-Sternchen" inakzeptabel ist, weil es irgendwen nicht repräsentiere.
 
Das Beispiel befasst sich nicht mit der Bezeichnung einer geschlechtlich gemischten Mehrzahl.

Upss! 'Tschildigung. :)

Solche Interpretationen sind politisch-ideologischer Natur und damit zu kurzlebig und von zu geringer Alltagsrelevanz, als dass eine Sprache eine native Lösung dafür entwickeln würde.

Da hast du Recht. Nicht weil solche Interpretationen unbedingt politisch-ideologischer Natur sind. Welcher Art sie auch immer sein mögen, sind sie keine native Lösung, die von der Sprache selbst entwickelt ist, wie das Binnen-I. Wir wurden das Binnen-I als eine Alternative bzw. als eine Lösung gelehrt. Das scheint mir auch bestens eine temporaere aber gar keine native Lösung. Zwar pflege ich, wo möglich, diese Lösung oft zu benutzen, aber merke dessen Verwendung kaum bei anderen. Ich bin hier im Forum zum Beispiel wohl der einzige Benutzer unter den BenutzerInnen, der es verwendet. :)
 
So lange das von der Zusammenhang klar ist, was gemeint wird, kann man alles weglassen. Hier ist ein schnelles Beispiel von Wolfgang Borchert:

Gewiss! Es ist aber leichter zu sagen als auszuüben. Hier ist ein Beispiel:

"Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer."

Zwar merke ich schon, ein zweiter ist weggelassen zu sein. Ich kann aber mir nicht sicher, das gleiche gilt für ein "zu" zwischen dem Moral und dem predigen, ebenfalls vor dem begründen. Irgendwie fühle ich - ist dies was man Sprachgefühl nennt?-, es könnte das zu verwendet werden, also die müssen weggelessen werden sein. Umformiliert man den Satz, wird ein Zu klar ins Spiel bringen:

"Es ist leicht, Moral zu predigen, schwer, Moral zu begründen."

Aber warum nicht etwa:

"Moral zu predigen ist leicht, Moral zu begründen schwer."?

Vielleicht ist dies so auch korrekt, aber dann das Problem ist doch, ich kann mir auf jeden Fall darüber nicht sicher sein. Was haette Schopenhauer davon gehalten?

Wie treffender Wittgenstein sagt: Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

Nun da ich diese beide Irre begrüsst habe, kann ich jetzt im Ruhe schlafen.
 
Den Rad will ich gerade nicht neu erfinden, Amerika will ich gerade nicht neu entdecken, indem ich aeussere, dass Deutsch eine schwere Sprache ist, auch wenn ich Muttersprachlers Aeusserungen dieser Art ab und zu bemerkenswert finde. Tatsaechlich erinnere ich mich kaum, dass ich irgendwo etwas Aehnliches geaeussert habe. Aber neben bemerkenswert finde ich solche Aeusserungen auch interessant und beruhigend dann, wenn sie von den Muttersprachler gemacht werden, deren Berufe irgendwie die Sprache anbetreffen, naemlich LehrerInnen, und wie im folgenden Beispiel, ÜbersetzerInnen, u.A.

Eine Übersetzerin befragt ihre Kollegen bzw. Kolleginnen nach dem Verwendung vom Dativ/Akkusativ für die bestimmten Verben:

Also ich war eigentlich immer davon überzeugt, dass sich meine deutsche Grammatik sehen lassen kann. Aber ich denke in der letzten Zeit immer häufiger über die folgenden Begriffe nach, die ich mal so mal so in allen Handbüchern sehe.
Dativ oder Akkusativ mit "montieren, installieren" usw.
Und zwar. Beispiele:
Montieren Sie die Stange an die Nabe.... oder... an der Nabe.
(...)
Eigentlich arbeite ich immer nach dem Prinzip "wenn es eine Bewegung ausdrückt, mit Akkusativ, wenn nicht, Dativ". Aber teilweise hört es sich bei den o.g. Beispielen seltsam an und ich will für mich einfach mal Klarheit schaffen.

http://www.proz.com/forum/german/128351-deutsche_grammatik_dativ_akkusativ.html

Mich als einen Lerner tröst, sowas von den Muttersprachler hier und da zu lesen.

Eines aber gibt es, das mich seit Anfang neugierig macht - und zwar die Artikel der Substantiven. Ich wünsche mir sehr, den Lernsverlauf der Substantiven mit ihren Artikel bei einem Kind zugesehen zu haben oder diesbezüglich wenigstens eine gute, leicht lesbare und verstaendliche akadamische Studie zu lesen. Wie lernen Kinder die Substantiven zusammen mit ihren Artikel im Laufe der Zeit? Wie und wie oft machen sie dabei fehler? Und in Bezug auf die Erwachsene: Wie oft schlagen sie im Wörterbuch den Artikel eines Wortes nach, das sehr selten in Alltagsprache gebraucht wird? Oder schlagen sie gar nach?
 
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Das beste der deutschen Stilbücher, ein der besten Bücher über Deutsche Sprache sowie im deutschen, die ich ich bisher gelesen habe, Stilkunst: ein Lehrbuch deutscher Prosa von Ludwig Reiners habe ich endlich zu Ende gelesen.

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Den Geschmack des Buches werde ich jahrelang nicht vergessen können. Sogar die Serie Der Dativ ist dem Genitive sein Tod von Bastian Sick scheint in meinen Augen, auch wenn lustiger und spassiger, ohne Salz und Schmalz.

Empfohlen wird für diejenige, die sich für nicht nur die Deutsche Sprache sondern auch für Sprachen allgemein interessieren.
 
Ich weiss nicht, wie viel sich Deutsch die Passbehörden seit Achtziger veraendert haben, aber eine Autorin, Luise Pusch, hat ihr Buch in den Achtziger so begonnen, wie folgende:

"In meinem Pass steht: "Der Inhaber dieses Passes ist Deutscher." Ich bin aber kein Deutscher. Haette ich je in einem Deutschaufsatz geschrieben, ich sei "Deutscher", so waere mir das Maskulinum als Grammatikfehler angestrichen worden.

Ich bin Deutsche. Es müsste also heissen: "Der Inhaber dieses Passes ist Deutsche." Nein, das ist auch falsch. Zwar gilt es nicht als Fehler, wenn ich, obwohl weiblich, über mich sage: "Ich bin der Inhaber dieses Passes." Genauso korrekt ist aber Inhaberin. Und zusammen mit Deutsche ist nur Inhaberin richtig: "Die Inhaberin dieses Passes ist Deutsche."

Im Pass meines Bruders steht derselbe Satz wie in meinem. Er hat sich nie daran gestört. Wieso sollte er auch? Der Satz ist ihm auf dem Leib geschneidert. Aber wenn da stünde "Die Inhaberin dieses Passes ist Deutsche", so waere das nicht nur falsch, sondern eine Katastrophe. Die Passbehörden würden sich vor Maennerbeschwerden kaum retten können, denn welcher Mann laesst sich schon gern "Inhaberin" und "Deutsche" schimpfen?

Weibliche bezeichnungen sind für Maenner genauso untragbar wie weibliche Kleidungsstücke.

(Aus Das Deutsche als Maennersprache, Luise Pusch)
 
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