AW: Die Biebel
wie machen das die evangelischen Leute?
und was passiert wenn man als christ seine sünden nicht bereut(nach dem tod)?
Hmm, tja. Ich bin zwar von der katholischen zur evangelisch-lutherischen Kirche übergetreten und sollte es eigentlich wissen - aber so richtig kenne ich mich da auch nicht aus.
Trotzdem, ich versuch's mal: bei Protestanten steht die Eigenverantwortung des Gläubigen stärker im Mittelpunkt als in der katholischen Kirche. Wie Du schon schriebst, Katholiken beichten ihre Sünden, nehmen die auferlegte Buße auf sich (zehn Mal "Ave Maria" beten oder ähnliches), das war's dann. Das gilt jedenfalls bei alltäglichen, so genannten lässlichen Sünden. Bei Todsünden, oder wenn man lange nicht gebeichtet hat, legt man eine so genannte Generalbeichte ab. Kurz vor dem Tod oder bei lebensbedrohlichen Krankheiten kann man einen Priester bitten, einem die letzte Ölung zu geben - dann geht man sozusagen mit dem Segen Gottes.
Der Protestantismus setzt ungleich stärker darauf, dass man aus sich selbst heraus ein gottgefälliges Leben führt.
Und er ist in sich gespaltener als die katholische Kirche, es gibt weitaus mehr unterschiedliche Strömungen. Calvinisten beispielsweise (gibt's überhaupt noch welche..?) glauben daran, dass Fleiß, Frömmigkeit und Wohlstand zu Lebzeiten auch das Leben im Jenseits positiv beeinflussen. Bei Baptisten, Adventisten usw. habe ich keine Ahnung, weiß nur, dass sie teils in USA und in afrikanischen Ländern recht viele Anhänger haben.
Bei evangelisch-lutherischen Christen kann man relativ grob zwei Tendenzen ausmachen: die evangelikale Richtung, recht konservativ und häufig recht bibeltreu, und den deutlich liberaleren Zweig, dessen Vertreter auch politisch z.T. progressiv Stellung beziehen. Man denke an Pastoren, die gegen den Nato-Doppelrüstungsbeschluss oder zum Beispiel auch bei Anti-AKW-Demos in Brokdorf o.ä. auf die Straße gingen.
Was passiert Christen, die ihre Sünden nach dem Tod nicht bereuen? Nimmt man den christlichen Glauben beim Wort: kann nichts passieren. Natürlich gibt es die archaische Vorstellung von Hölle, Fegefeuer (als Vorstufe zur Hölle) und Himmel - aber nach christlichem Glauben hat Jesus die Sünden der Welt stellvertretend auf sich genommen und die Menschheit durch seinen Tod am Kreuz davon erlöst.
Die Vergebung von Sünden ist etwas sehr, sehr Zentrales. Der Anspruch dahinter lautet: Christen sollten auch ihren Feinden vergeben und alle Menschen gleichmäßig mit Nächstenliebe behandeln. Und wenn sie das nicht schaffen, weil die Meßlatte zu hoch hängt, hat immerhin Jesus Christus es stellvertretend geschafft. Alle Sünden sind bereits vergeben. :wink:
Und auf ganz weltlicher Ebene: Protestanten haben weitaus weniger Probleme mit Frauen in der Kirche. Da dürfen Frauen auch Pastorinnen werden, empfängnisverhütende Mittel nehmen, sich scheiden lassen..
Für vatikantreue Katholiken ist das nach wie vor undenkbar.
Der Vergleich mag an allen Ecken und Enden hinken, aber gerade in Bezug auf das Mann-Frau-Verhältnis kann man da durchaus Parallelen zu Sunniten und Aleviten ziehen.
Glaubt zumindest
Anouk