Die Zeit heilt alle Wunden

Soledad

Member
wer kennt diese floskel nicht?

es gibt wohl niemanden, der noch nie mit diesen worten vertröstet wurde. aber was steckt wirklich dahinter?
ob herzschmerz, krankheit, tragische todesfälle von geliebten menschen oder andere schicksalsschläge.
die zeit gilt nach dem sprichwort "die zeit heilt alle wunden" als universallösung für viele probleme.
aber stimmt das? hat die zeit wirklich soviel macht?

in körperlichen belangen kann die zeit sicherlich viel anrichten oder auch verbessern.
grippe? kein problem, leg dich ein paar tage ins bett, und die zeit wird die heilung bringen.

aber wie sieht es mit der emotionalene ebene aus?
ich mein, was bitteschön soll morgen anders sein, ausser dass einige stunden vergangen sind?
wie soll sich die ist-situation verändern ohne dass sich die tatsachen geändert haben?
warum soll ich mich morgen besser fühlen?
denn das, was wir in dem moment fühlen, wenn wir eine schreckliche nachricht erhalten, ist echt. es ist das pure und ehrliche gefühl.
der schmerz und das gefühl der trauer aber wird schwinden. eines morgens wacht man auf und fühlt nicht mehr diese ewige leere und sehnsucht... und alles obwohl sich nichts geändert hat!

ehrlich gesagt finde ich das ziemlich betrügerisch und die zeit ist der grösste dieb der welt. die zeit heilt unsere wunden nicht... sie beraubt uns vielmehr unserer wahren gefühle.

sie lässt sie mehr und mehr verblassen bis von dem ursprünglichen und wahren empfinden nichts mehr da ist.
ich frage mich... wenn die zeit alle wunden heilt, heisst das dann nicht auch gleichzeitig, dass sie gefühle sterben lässt?
 

Brunhilde82

Forumskönigin
AW: Die Zeit heilt alle Wunden

auch wenn ich ein heulsuse bei filmen bin, bin ich im realen leben sehr rational ( vll heul ich deswegen bei filmen).
ich kann sehr schnell themen abschliessen und über board werfen ( auch in freundschaften)
Die Zeit heilt alle Wunden,, jenes ist wohl wahr, aber es liegt in meinen Händen wie schnell siche die Hands of Time drehen.
Gefühle an sich sterben nicht, aber "gewidmete" gefühle schon. Das Leben ist viel zu kurz, um so gesehen, wieterhin in der Vergangenheit zu leben.
 

Farina

Well-Known Member
AW: Die Zeit heilt alle Wunden

sie lässt sie mehr und mehr verblassen bis von dem ursprünglichen und wahren empfinden nichts mehr da ist.
ich frage mich... wenn die zeit alle wunden heilt, heisst das dann nicht auch gleichzeitig, dass sie gefühle sterben lässt?

Ja, das stimmt. Aber das sind in dem Fall die Gefühle/Empfindungen, die dich leiden lassen, wie Trennungsschmerz, Trauer, Verletztsein u.a. Wer will das schon auf ewig behalten?

Ich finde, du hast das recht gut beschrieben.
 

Sithnoppe

Moderator
AW: Die Zeit heilt alle Wunden

Das ist der eine Sebsterhaltungstrieb und Verdrängung ist zum Selbstschutz einfach notwendig.
Ist wissenschaftlich erwiesen!

Es soll aber auch Leute geben, die leiden einfach gerne, die suhlen sich förmlich im Selbstmitleid.

Das Wichtigste ist doch, dass man aus diesen Sachen für die Zukunft was lernt!!
 
H

hatira

Guest
AW: Die Zeit heilt alle Wunden

Ja, das stimmt. Aber das sind in dem Fall die Gefühle/Empfindungen, die dich leiden lassen, wie Trennungsschmerz, Trauer, Verletztsein u.a. Wer will das schon auf ewig behalten?

Ich finde, du hast das recht gut beschrieben.

Zeit braucht man, um schmerzliche Emotionen zu verarbeiten. Die Gefühle verändern sich. Was bleibt, sind Erinnerungen.

Nicht Verarbeitetes (Verdrängtes) braucht nur einen Auslöser, um diese Gefühle wieder aufleben zu lassen.
 

univers

Well-Known Member
AW: Die Zeit heilt alle Wunden

ob herzschmerz, krankheit, tragische todesfälle von geliebten menschen oder andere schicksalsschläge.
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aber wie sieht es mit der emotionalene ebene aus?
ich mein, was bitteschön soll morgen anders sein, ausser dass einige stunden vergangen sind?

......
Man kommt nicht umhin los zu lassen.
Beispiele die du genannt hast sind extreme Fälle und da jeder Mensch zu mindestens eins dieser von dir aufgezählten Situationen erlebt hat, weiß es um derer verheerende Zerstörungskraft.
Wer will schon freiwillig stets zur Seite gekippt stehen oder allen Zeitzeichen um sich hinterherlaufen.
Isolieren wäre die Folge bzw. der Ausweg, weil der Mensch nicht mehr im Einklang mit seinem Alltag stünden würde.
Gewiß, man kann sich zurückziehen, aber drauf gefasst sein, dass was es nach seinem Eremitenleben vorfinden wird, nicht mehr das selbe sein wird, wovor er vor seinem Rückzug zurück geweicht ist.
Solange man seine Umwelt wahr nimmt und sei es auch mit dem Augenwinkel, lebt man.
Nur was man erlebt ist nicht mehr lustig, aber man hat einen gemeinsamen Nenner.
Man fließt mit dem Strom.
Lebte man seine Erkenntnis aufgrund der bitteren Lebenserfahrung im Alltag aus, sprich trotz seiner Traurigkeit nicht zurück gezogen, würde man schnell in die Ecke des ewig Enttäuschten gestellt werden.
Seit James Dean tauchen traurige Helden immer wieder in den Kinos auf.
Helden, die die Last der Zerstörung von eines der oben aufgezählten Situationen sich bewusst sind und die konsequent bemüht sind, um das Wechselspiel zw.dem Ereignisses und seiner Folgen in den Alltag zu integrieren.
Sprich man sät Traurigkeit und erntet bestenfalls ein Lächeln.
Der Mensch muß frei verfügbaren Platz in seinem Wesen haben. Trägt er diesen mit Traurigkeit voll geladenen Platz mit sich, hat er keinen Bezug mehr zu dem Alltag.
Zum Jetzt und Hier.
Deshalb rät man ja auch, vergiss es.
Vergessen ist nichts, nur die Traurigkeit ist nur jetzt hintergründig, abgeflacht.
Man sollte nicht darin wühlen.
Das ist menschliches Müll.
Müll, weil es wirklich keinen Ausweg gebracht hat.

Die Zeit die die Wunden heilt ist die Phase der Erkenntnis, dass Traurigkeit Stagnation herbeiführt.
Stagnation macht sensibel, penibel, unumgänglich.
Man muß mit sich abschließen, dass die Traurigkeit zu Nichts bringt, aber dass das Leben voller Erkenntnisse ist.
Und Erkenntnisse kriegt man durch das Leben leben.
 
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