J
JoBuk
Guest
AW: Ehre ?
Gute Frage.
Ich hab mal drüber nachgedacht, ein bisschen gegoogelt und wieder nachgedacht und bin dabei auf folgende Erklärung gestossen:
Das Wort "Ehre" hat seinen Wortstamm im althochdeutschen "Era".
"Era" bedeutet so viel wie "Ansehen", "Wertschätzung" oder "Berühmtheit".
All dieses Begriffe setzen aber die Sicht von aussen in den Mittelpunkt. Es scheint hier also tatsächlich darum zu gehen, "was andere von einem denken". Es geht um Image und meine diesbezügliche persönliche Einschätzung deckt sich mit der von Pit - es handelt sich um eine "nachrangige Tugend".
Wenn man es also auch kulturell und historisch betrachtet, muss per Definition der Ehrbegriff in einer individualisierten (freiheitlichen) Gesellschaft praktisch überkommen sein. Denn in einer solchen Gesellschaft spielt es einfach keine so große Rolle mehr, was die bösen Nachbarn auf dem Dorf denken. Die soziale Kontrolle geht zugunsten der persönlichen Freiheit flöten und der Ehrbegriff verliert an Bedeutung.
Der Ehrbegriff in Deutschland dürfte - leider? - seit dem Zweiten Weltkrieg - vielleicht auch wegen des Krieges? - immer weiter an Bedeutung verloren haben. Auch in anderen, ähnlichen Gesellschaften spielt die Ehre im Alltag der Menschen keine große Rolle - siehe USA.
Übrigens findet man dieses alte Verständnis von Ehre schon noch in Nischen der Gesellschaft. Insbesondere solche, die gemeinhin als konservativ und altbacken gelten, etwa den schlagenden Verbindungen. Dort ist man eben noch bereit, sich bei einer PC den Schädel aufschlitzen zu lassen.
Da wo die Aufklärung wenig oder keine Spuren hinterlassen hat, wo soziale Kontrolle durch Familie oder Umfeld noch funktionieren, dort spielt die "Ehre" noch eine erhebliche Rolle. Oft übrigens einhergehend mit einer gewissen "Verehrung" für Statussymbole.
Wenn die obigen Ausführungen stimmen, handelt es sich bei "Ehre" also um eine Angelegenheit des "Scheins" und nicht des "Seins". Was man wirklich ist, läßt sich vielleicht eher mit den Begriffen benennen, die uns die deutsche Sprache an diesbezüglichen Adjektiven noch so bietet, "moralisch", "freundlich", "großzügig", "aufrichtig". Mein persönlicher Favorit ist aber "wahrhaftig".
Dazu übrigens ein Zitat, welches wohl auch zu diesem Thema passt:
„Ehebruch, Tötung eines ungeborenen Kindes, Lüge, Betrug, Übervorteilung anderer oder schwerer Diebstahl sind Anzeichen dafür, daß Treue, Lebensrecht, Wahrhaftigkeit, Achtung der Person und des Eigentums anderer aus dem Blick geschwunden sind.“
– Katholischer Erwachsenenkatechismus
Gute Frage.
Ich hab mal drüber nachgedacht, ein bisschen gegoogelt und wieder nachgedacht und bin dabei auf folgende Erklärung gestossen:
Das Wort "Ehre" hat seinen Wortstamm im althochdeutschen "Era".
"Era" bedeutet so viel wie "Ansehen", "Wertschätzung" oder "Berühmtheit".
All dieses Begriffe setzen aber die Sicht von aussen in den Mittelpunkt. Es scheint hier also tatsächlich darum zu gehen, "was andere von einem denken". Es geht um Image und meine diesbezügliche persönliche Einschätzung deckt sich mit der von Pit - es handelt sich um eine "nachrangige Tugend".
Wenn man es also auch kulturell und historisch betrachtet, muss per Definition der Ehrbegriff in einer individualisierten (freiheitlichen) Gesellschaft praktisch überkommen sein. Denn in einer solchen Gesellschaft spielt es einfach keine so große Rolle mehr, was die bösen Nachbarn auf dem Dorf denken. Die soziale Kontrolle geht zugunsten der persönlichen Freiheit flöten und der Ehrbegriff verliert an Bedeutung.
Der Ehrbegriff in Deutschland dürfte - leider? - seit dem Zweiten Weltkrieg - vielleicht auch wegen des Krieges? - immer weiter an Bedeutung verloren haben. Auch in anderen, ähnlichen Gesellschaften spielt die Ehre im Alltag der Menschen keine große Rolle - siehe USA.
Übrigens findet man dieses alte Verständnis von Ehre schon noch in Nischen der Gesellschaft. Insbesondere solche, die gemeinhin als konservativ und altbacken gelten, etwa den schlagenden Verbindungen. Dort ist man eben noch bereit, sich bei einer PC den Schädel aufschlitzen zu lassen.
Da wo die Aufklärung wenig oder keine Spuren hinterlassen hat, wo soziale Kontrolle durch Familie oder Umfeld noch funktionieren, dort spielt die "Ehre" noch eine erhebliche Rolle. Oft übrigens einhergehend mit einer gewissen "Verehrung" für Statussymbole.
Wenn die obigen Ausführungen stimmen, handelt es sich bei "Ehre" also um eine Angelegenheit des "Scheins" und nicht des "Seins". Was man wirklich ist, läßt sich vielleicht eher mit den Begriffen benennen, die uns die deutsche Sprache an diesbezüglichen Adjektiven noch so bietet, "moralisch", "freundlich", "großzügig", "aufrichtig". Mein persönlicher Favorit ist aber "wahrhaftig".
Dazu übrigens ein Zitat, welches wohl auch zu diesem Thema passt:
„Ehebruch, Tötung eines ungeborenen Kindes, Lüge, Betrug, Übervorteilung anderer oder schwerer Diebstahl sind Anzeichen dafür, daß Treue, Lebensrecht, Wahrhaftigkeit, Achtung der Person und des Eigentums anderer aus dem Blick geschwunden sind.“
– Katholischer Erwachsenenkatechismus