Facebook - Fluch oder Segen?

TheCore

Moderator
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

Richtig, aber das weiß ja auch jeder, der sich da einklinkt - oder zumindest die allermeisten wissen es. Und erzähle mir nicht, dass selbst Kiddies bzw. Jugendlichen das nicht klar ist, die gehen zum Teil erheblich gewiefter mit ihrer Privatsphäre um als Erwachsene, die erst später dazugestoßen sind und sich aus diesen oder jenen Gründen häufiger schwertun mit digitalen Welten.

Ich habe mal einer Diskussionsrude mit Leuten, die alle von sich sagen würden, besonders bewusst mit facebook umzugehen, darauf hingewiesen, dass einer der frühesten Investoren in facebook Greylock Partners war, ein Unternehmen, das personell und finanziell eng verwoben ist mit In-Q-Tel. In-Q-Tel ist eine staatliche non-profit Investmentfirma, die für amerikanische Geheimdienste etwa die Funktion erfüllt, wie die DARPA für das Pentagon. Da wurde ich angesehen, als hätte ich eine Verschwörungstheorie geäußert, obwohl das alles transparent nachvollziehbar ist. Es mag ja sein, dass sich die Idee von Mark Zuckerberg auf ein nützliches Tool und ein Geschäftsmodell beschränkt. Aber andere haben eben auch Ideen. Eine davon ist, möglichst viele Daten aus der Welt in die USA zu importieren.

Die Bereitschaft zur Preisgabe von Daten steht aus meiner Sicht bei jungen Leuten in keinem Verhältnis zum Risiko. Einem 50-Jährigen ist, auch wenn er mit der Technik vielleicht nicht so vertraut ist, eher suspekt, warum nun auf einmal sein Beziehungsgeflecht (beinahe) öffentlich nachvollziehbar sein soll. Jugendliche wachsen mit der Vorstellung auf, dass das heute so ist. Aber viel wichtiger: Der durchschnittliche 50-Jährige kann, wenn er nicht in gesellschaftlich besonders herausgehobener Position steht, viel mehr von sich preisgeben, ohne damit ein Risiko einzugehen. Er weiß in der Regel, auf welchem Parkett er sich in den nächsten Jahren bewegt. Seine Meinungsäußerungen und sein Verhalten können ihm noch deutlich weniger Nachteile bereiten. Ein Student weiß hingegen noch nicht, wo er in zehn Jahren arbeitet. Schon wenn er nach dem Studium in die USA geht und sich um ein Arbeitsvisum bemüht, kann es sein, dass die Einwanderungsbehörde Daten von facebook abfragt.

Ich bezweifle außerdem, dass jemand immer weiß, was er gerade von sich preisgibt. Das lässt die Technik immer weniger zu, z.B. hinsichtlich der Handy-Uploads. Die von facebook abrufbaren Bilder enthalten keine Metadaten mehr, erwecken also einen datenschutzfreundlichen Eindruck. Allerdings extrahiert facebook die Metadaten von Uploads und speichert sie zuordnungsfähig ab. Wer mit einer mobilen App etwas zu facebook überträgt, kann aber kaum wissen, welche Tags da noch dran hängen. Vermutlich das exakte Aufnahmedatum - wenn eine Einstellung ungünstig gesetzt ist, vielleicht sein Aufenthaltsort.
 

Strassenhund

Well-Known Member
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

Ich habe mal einer Diskussionsrude mit Leuten, die alle von sich sagen würden, besonders bewusst mit facebook umzugehen, darauf hingewiesen, dass einer der frühesten Investoren in facebook Greylock Partners war, ein Unternehmen, das personell und finanziell eng verwoben ist mit In-Q-Tel. In-Q-Tel ist eine staatliche non-profit Investmentfirma, die für amerikanische Geheimdienste etwa die Funktion erfüllt, wie die DARPA für das Pentagon. Da wurde ich angesehen, als hätte ich eine Verschwörungstheorie geäußert, obwohl das alles transparent nachvollziehbar ist. Es mag ja sein, dass sich die Idee von Mark Zuckerberg auf ein nützliches Tool und ein Geschäftsmodell beschränkt. Aber andere haben eben auch Ideen. Eine davon ist, möglichst viele Daten aus der Welt in die USA zu importieren.

Die Bereitschaft zur Preisgabe von Daten steht aus meiner Sicht bei jungen Leuten in keinem Verhältnis zum Risiko. Einem 50-Jährigen ist, auch wenn er mit der Technik vielleicht nicht so vertraut ist, eher suspekt, warum nun auf einmal sein Beziehungsgeflecht (beinahe) öffentlich nachvollziehbar sein soll. Jugendliche wachsen mit der Vorstellung auf, dass das heute so ist. Aber viel wichtiger: Der durchschnittliche 50-Jährige kann, wenn er nicht in gesellschaftlich besonders herausgehobener Position steht, viel mehr von sich preisgeben, ohne damit ein Risiko einzugehen. Er weiß in der Regel, auf welchem Parkett er sich in den nächsten Jahren bewegt. Seine Meinungsäußerungen und sein Verhalten können ihm noch deutlich weniger Nachteile bereiten. Ein Student weiß hingegen noch nicht, wo er in zehn Jahren arbeitet. Schon wenn er nach dem Studium in die USA geht und sich um ein Arbeitsvisum bemüht, kann es sein, dass die Einwanderungsbehörde Daten von facebook abfragt.

Ich bezweifle außerdem, dass jemand immer weiß, was er gerade von sich preisgibt. Das lässt die Technik immer weniger zu, z.B. hinsichtlich der Handy-Uploads. Die von facebook abrufbaren Bilder enthalten keine Metadaten mehr, erwecken also einen datenschutzfreundlichen Eindruck. Allerdings extrahiert facebook die Metadaten von Uploads und speichert sie zuordnungsfähig ab. Wer mit einer mobilen App etwas zu facebook überträgt, kann aber kaum wissen, welche Tags da noch dran hängen. Vermutlich das exakte Aufnahmedatum - wenn eine Einstellung ungünstig gesetzt ist, vielleicht sein Aufenthaltsort.

Danke für das konstruktive Feedback.
 

melekchen

Well-Known Member
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

ich habe keine angst mehr vor facebook, seit ich mal in eine verehrskontrolle hier gekommen bin. anhand meiner führerscheindaten konnte sie aus einem handlesegeraet alle meine daten erfragen, wo ich wie lange hier gelebt habe, wann geheiratet, kinder......, vielleicht sogar mein letzter stuhlgang?:roll:
geh ins internet mal auf eine seite und sieh dir ein produkt nur mal an, anschl. wirst du mails erschlagen, mit aehnlichen oder gleichen produkten!
wer glaubt nicht irgendwo in der heutigen zeit des datenstroms weltweit erfasst zu sein, lebt hinterm mond!wir sind schon lange aus glas, einige wollen es nur noch nicht wahr haben!:lol:
 
P

pauline09

Guest
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

(..)Es mag ja sein, dass sich die Idee von Mark Zuckerberg auf ein nützliches Tool und ein Geschäftsmodell beschränkt. Aber andere haben eben auch Ideen. Eine davon ist, möglichst viele Daten aus der Welt in die USA zu importieren.

Sicher, das ist so. Und dann gehen ökonomische Ziele und Möglichkeiten, diese Daten als Kontrollinstrumente einzusetzen, schleichend ineinander über bzw. werden noch nicht mal groß verschleiert.

(..)Aber viel wichtiger: Der durchschnittliche 50-Jährige kann, wenn er nicht in gesellschaftlich besonders herausgehobener Position steht, viel mehr von sich preisgeben, ohne damit ein Risiko einzugehen. Er weiß in der Regel, auf welchem Parkett er sich in den nächsten Jahren bewegt. Seine Meinungsäußerungen und sein Verhalten können ihm noch deutlich weniger Nachteile bereiten. Ein Student weiß hingegen noch nicht, wo er in zehn Jahren arbeitet. Schon wenn er nach dem Studium in die USA geht und sich um ein Arbeitsvisum bemüht, kann es sein, dass die Einwanderungsbehörde Daten von facebook abfragt.

Richtig, und ich würde das noch zuspitzen: Davon ist auszugehen. Aber heißt das Problem dann wirklich Facebook? Oder ist Facebook nicht vielmehr die technisch-logische Weiterentwicklung von Überwachungsoptionen, die es im Rahmen seinerzeit probater Instrumente auch bereits in der McCarthy-Ära oder in den 1970'ern zu Hoch-Zeiten der RAF gegeben hat?

Auch damals sind Leute fröhlich demonstrieren gegangen (für Frieden & Abrüstung, gegen AKWs, den Nato-Doppelbeschluss etc. pp.) und durften sich hernach bei anstehenden Verbeamtungen peinlichen Fragen unterziehen. Wenn sie Pech hatten, lebten sie in einem hochgradig spießigen Umfeld und wurden von irgendwelchen denunziatorisch begabten Kaffeetanten in der Nachbarschaft allein schon deshalb als potenzielle Bombenleger angeschwärzt, weil sie lange Haare hatten, kifften, bis mittags schliefen, freie Liebe predigten und wussten, dass man Marx mit x schreibt. Und ob jemand wie Andrej Holm vor seiner Verhaftung ausgiebig bei Facebook unterwegs war oder dort einen Account unterhielt, wage ich auch zu bezweifeln - vor staatlichem Ermittlungseifer dürfte ihn die vermutete Abstinenz nicht geschützt haben, auch wenn das jahrelange Verfahren gegen ihn schließlich eingestellt wurde.

Ich bezweifle außerdem, dass jemand immer weiß, was er gerade von sich preisgibt. Das lässt die Technik immer weniger zu, z.B. hinsichtlich der Handy-Uploads. (..)

Nein, sicher nicht; jeder hinterlässt je nach technischem Geschick und Kenne mehr oder minder breite Ölspuren im Netz. Aber das gilt ja nicht nur für Facebook und Smartphones mit Handy-Uploads. Bewegungsprofile können auch ohne FB und Smartphones schon seit langem für jeden Handy-Besitzer anhand von Providerdaten erstellt werden, indem Ermittlungsbehörden nachvollziehen, an welchem Funkmast das Teil wann wie wo eingeloggt war. Das bekommt der davon Betroffene im Zweifel gar nicht mit, und Dienste haben ohnehin noch ganz andere Möglichkeiten. In Zeiten von Echelon (Transparenz bzw Intransparenz lässt grüßen) finde ich es jedenfalls zu kurz gesprungen, sich einseitig auf Phänomene wie Facebook zu kaprizieren, die immerhin davon leben, dass die User es freiwillig mitmachen, obgleich Einschränkungen und Nachteile für die Privatsphäre, spätere Berufslaufbahnen usw. allerorten im Fokus stehen. -

By the way, irgendwie interessiert mich mal, inwieweit notorische Facebook-Gegner ausschließlich via TOR surfen und auch ihre im Zuge dieser Debatte gelegentlich als Alternative gepriesenen Mails standardmäßig verschlüsseln? Wenn ja: okay. Wenn nicht, geht es bei der ganzen nachvollziehbaren Kritik m.E. nur um den Reizbegriff des börsennotierten Unternehmens.
 

Lynx72

Gesperrt
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

By the way, irgendwie interessiert mich mal, inwieweit notorische Facebook-Gegner ausschließlich via TOR surfen und auch ihre im Zuge dieser Debatte gelegentlich als Alternative gepriesenen Mails standardmäßig verschlüsseln? Wenn ja: okay.
Das kann zuweilen ratsam und geboten sein.
Wenn nicht, geht es bei der ganzen nachvollziehbaren Kritik m.E. nur um den Reizbegriff des börsennotierten Unternehmens.
Auch, aber keineswegs nur. Es geht auch darum, welche persönlichen Informationen ich öffentlich mache und wie einfach ich es Hinz und Kunz mache, diese Informationen zu benutzen. Es macht einen Unterschied, ob ich meinen echten Namen nebst echtem Geburtsdatum und echtem Foto veröffentliche oder nicht.
 

Ottoman

Well-Known Member
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

Die jüngere Generation, die mit Facebook & Co. aufwächst hat einen ganz anderen Bezug dazu und daraus resultierend werden auch die Gefahren nicht als solche gesehen. In der Zukunft werden wir gläserne Menschen sein und man wird über die damaligen "Facebook-Sorgen" lachen.

Big Brother is watching you.
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

Die jüngere Generation, die mit Facebook & Co. aufwächst hat einen ganz anderen Bezug dazu und daraus resultierend werden auch die Gefahren nicht als solche gesehen. In der Zukunft werden wir gläserne Menschen sein und man wird über die damaligen "Facebook-Sorgen" lachen.

Big Brother is watching you.


Oder man wird erkennen, wie berechtigt einige Sorgen waren. Die Möglichkeiten, die in einer freien Gesellschaft als opportun oder zeitgemäss erscheinen, können in einer Diktatur ganz andere Konsequenzen beinhalten. Wem das zu Schwarzmalerisch ist: In Sachsen wird gerade ein Vorschlag diskutiert in "Gefahrensituationen" das gesamte Mobilfunknetz abzuschalten. Vergleiche mit ähnlichen Massnahmen in Ländern des arabischen Frühlings liegen nahe, sind aber natürlich nicht Grundlage dieses Vorschlags. 8)
 
P

pauline09

Guest
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

Das kann zuweilen ratsam und geboten sein.

Das sehe ich genauso.

Auch, aber keineswegs nur. Es geht auch darum, welche persönlichen Informationen ich öffentlich mache und wie einfach ich es Hinz und Kunz mache, diese Informationen zu benutzen. Es macht einen Unterschied, ob ich meinen echten Namen nebst echtem Geburtsdatum und echtem Foto veröffentliche oder nicht.

Logo, nur geht es dabei wiederum um individuell verschiedene Nutzungszwecke. Du kannst das Prinzip ja auch zu Marketingzwecken einsetzen. Etliche Politiker wie andere Figuren des öffentlichen Lebens sehen Facebook unter echtem Namen und Foto als Imagepflege, mit anderen Worten: sie gewichten die Vorteile höher als die (potenziellen) Nachteile. Und Leute wie Jan Delay treten da eh nicht unter ihrem echten, sondern vorwiegend unter Künstlernamen in Erscheinung. Wenn Facebook es wirklich ernst meint mit Klarnamenzwang, müsste es streng genommen damit vorbei sein. Letztlich wirkt das alles wie eine Phantomdebatte, denn wie, bitte sehr, will Facebook kontrollieren, ob jemand sich unter seinem echten oder unter Phantasie-Alias da anmeldet?
 

Lynx72

Gesperrt
AW: Facebook - Fluch oder Segen?

Das sehe ich genauso.



Logo, nur geht es dabei wiederum um individuell verschiedene Nutzungszwecke. Du kannst das Prinzip ja auch zu Marketingzwecken einsetzen. Etliche Politiker wie andere Figuren des öffentlichen Lebens sehen Facebook unter echtem Namen und Foto als Imagepflege, mit anderen Worten: sie gewichten die Vorteile höher als die (potenziellen) Nachteile. Und Leute wie Jan Delay treten da eh nicht unter ihrem echten, sondern vorwiegend unter Künstlernamen in Erscheinung. Wenn Facebook es wirklich ernst meint mit Klarnamenzwang, müsste es streng genommen damit vorbei sein. Letztlich wirkt das alles wie eine Phantomdebatte, denn wie, bitte sehr, will Facebook kontrollieren, ob jemand sich unter seinem echten oder unter Phantasie-Alias da anmeldet?

Facebook gleicht mit anderen Datenbanken ab oder stützt sich auf Petzen, um Fakenamen auf die Spur zu kommen. Ich finde, wenn sie schon kontrollwütig sind, dann sollten sie auch die Accounts von unter 13jährigen löschen. Derzeit sind ganze Grundschulklassen bei FB.
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Natürlich kann FB nützlich sein, und wenn ich eine Streunköter-Charity betriebe, wäre ich auch bei FB. Allerdings nicht als Privatperson.
 
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