Frühlingsgefühle - Liebesgrüsse aus Istanbul (ikinci bölüm)

nAn-coeur Kenan

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25 Januar 2006
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Was bisher geschah:
Das Klima katastophierte.
Die Azeris hatten Biomilch und verkauften auch an Rambo - allerdings Kölsch.
Männer zeigten Eier und liessen sich von Frauen verprügeln.
In Istanbul reisten Vollbärte in französischen Autos.
Das Londoner Hotel war allerdings ausgebucht....


(Ikinci Bölüm)

....man lässt uns für mitfühlende sechzig Euro in einer muffigen fensterlosen Besenkammer übernachten. Dazu passend droht uns am nächsten Morgen ein schlechtgelaunter Kakadu an der Treppe zum Frühstücksraum im Untergeschoss.
Unangreifbar ist jedoch die Lage des Hotels - nur kurz um die Ecke und schon ist man auf der Istiklal Caddesi.
Nach ein paar Schritten begegnen wir zufällig alten Bekannten aus Köln, die jetzt in Istanbul für den WDR arbeiten. Später besuchen wir eine enge Freundin aus Wuppertal, die seit sechs Jahren für das Alman Kültür Merkezi (Goethe war gut) Deutschkurse gibt. Ihre Schwester bereist für das ZDF den Osten der Türkei.
An der Füruzan Cami in Cihangir sitzen wir in einer cay bahcesi und sehen deutsch-türkische Nachwuchsschauspieler und Filmemacher Apfeltee trinken. Später begegnen wir in einer zum Dauertrödelmarkt umfunktionierten alten Gürtelfirma noch Mitgliedern der Band Baba Zula, die wir im Kölner Stadtgarten kennengelernt hatten - die sind aber echter Istanbuler Geldadel und nicht aus Köln-Kalk.

Noch mehr Heimatgefühle stellen sich beim Anblick der Oster - Pilger ein. Sie besuchen die Kirchen auf der Istiklal Caddesi. Die älteren griechischen Paare sehen von weitem wie Türken aus. Dann entdecke ich, dass die Frauen ihre Oberlippenbärte nicht rasiert haben. Doch keine Türken...
Das erste Mal verbringe ich einen christlichen Feiertag in einer Kirche (ich wohne übrigens in Köln) und sehe Türken nach türkischem Vaterunser das Kreuz schlagen.

Um vom Trubel auf der Istiklal Caddesi etwas Abstand zu gewinnen erkunden wir die Seitenstrassen abwärts zum Meer. Wir verlieren schnell den Überblick und gleiten nach Tophane ab. Auf der Talsohle müssen wir dann lange eine Strasse entlang gehen, bis wir endlich den Zugang zu einer kopfsteingepflasterten hinaufführenden Gasse erreichen.
Erleichtert beginnen wir den Wiederaufstieg. Nach ein paar Schritten bemerke ich die argwöhnischen Blicke der Männer. Männer, die in kleinen Gruppen vor Männercafés stehen, Männer, die vor Aufgängen zu "Lüks Oda" Pensionen stehen, Männer, die zigarretterauchend in zur Strasse offenen Pissoirs urinieren.
Einer tritt halbherzig auf mich zu und hebt das Kinn fragend in Richtung meiner weiblichen Begleiterinnen. Ich ignoriere ihn, doch dann springt uns mit den Armen rudernd ein Mann im seidigglänzenden Dreiteiler in den Weg. "No No No!" ruft er aufgeregt. "Please no, go go go!" deutet er strassenabwärts. "Kardesim sorun ne?" frage ich. Erleichtert, aber gleichzeitig auch verwundert antwortet er "Ayip sokak, burasi Karaköy. Yukarda Genel Evi var...ablalara yazik!" mit einem Seitenblick auf unsere Freundinnen. Ich wiederum zeige auf die mit hängenden Köpfen den Berg erklimmenden Männer: "Bunlara yazik degil mi?"

Wieder sind die Tage absurd schnell vorbei. Wir müssen zurück. Istanbul verwirrt mich derart, dass ich nicht weiss, wo Bonn ist und wo Bosporus. Noch in der Schlange vor der Passkontrolle am Kölner Flughafen fühle ich mich für Identitätsfragen nicht zuständig. Dann ertönt aus den Lautsprechern der vom Synchronsprecher des vorletzten James-Bond-Darstellers gesprochene Text: "Willkommen in Bonn - Köln Bonn." Der unverwüstliche rheinische Humor zerstört meine Illusion gelöster Individualität. Um mich wieder aufzuheitern stelle ich mir vor, dass der Passkontrolleur in der Plexiglasbox ein Nazi ist, dem alle Schwarzköpfe ihre deutschen Ausweise vorlegen....

Kenan Kamus
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PS: Köln ist weniger die nördlichste Stadt Italiens als die türkischste Stadt Nordrheinwestfalens - hier gibt es fünf türkische Friseure, drei Mietwagenzentralen, zwei Fotostudios und unzählige Firins auf ca. 200 Meter.
Und heute abend zum einen den Balkan Express im Gebäude 9 www.gebaeude9.de/details/nov/balkan0507.html und die Kompott-Party im Stadtgarten www.stadtgarten.de/Konzertsaal.htm Immerhin das eine rechtsrheinisch und das andere auf der europäischen Seite.

PPS: Morgen feiert uns Funkhaus Europa im Mülheimer Ringlokschuppen nett Geburtstag. www.funkhauseuropa.de/veranstaltungen/2007/070505_die_party_2007.phtml Interessant sind neben vielen anderen Dolapdere Big Gang aus Istanbul, die Pop-Hits "orientalisieren". Z.B. REMs "losing my religion" - ein Schelm, wer Politisches dabei denkt.

PPPS: Enter the house of halay - auch nach 10 Jahren noch eine bemerkenswerte Feiererfahrung; am 26.5.2007 Gayhane im Berliner SO36. www.so36.de/dates2.html#gayhane

PPPPS: Am 1.6.2007 spielt der Ronaldinho des selpe Saz Erdal Erzincan im Essener Katakomben Theater. www.slehner.de/aktuellframeset.htm

PPPPPS: Auch am 1.6. tritt im Partnertheater der Katakomben Sultan Tunc auf. www.arkadastheater.de Loooooy loooy Deliloy loy loy looooy loy!
DJ Eastenders bildet Nach- und Vorhut.
 
C

cild1

Guest
AW: Frühlingsgefühle - Liebesgrüsse aus Istanbul (ikinci bölüm)

n Bonn." Der unverwüstliche rheinische Humor zerstört meine Illusion gelöster Individualität. .

DJ Eastenders bildet Nach- und Vorhut.

Da sagst Du was Kenan, der gemeine Rheinländer mit seinem selbstbewusten Frohsinn an sich zerstört jede Form von Nihilismus und Individualismus in einem und dennoch sind sie sehr sympathisch:grin:

grüße