Mal Singh, ein Student aus Deorala im nordindischen Bundesstaat Radschasthan, starb am 4. September 1987 an einer Magen-Darm-Erkrankung. Er war 24 Jahre alt und seit acht Monaten verheiratet. Wie am gleichen Tag seine Frau Rup Kanwar, 18, zu Tode kam, wird in Deorala in zwei unterschiedlichen Versionen erzählt.
Nach der einen, der offiziellen, die von den meisten Dorfbewohnern voller Stolz weitergegeben wird, tötete sich Rup Kanwar aus eigenem Antrieb. Nachdem ihr Schwiegervater den Leichnam ihres Mannes aus dem Krankenhaus geholt hatte, legte die junge Frau ihr Brautgewand an und verkündete ihren Entschluß, "Sati" zu werden - eine Heilige, die mit ihrem toten Ehemann in den Flammen verbrennt.
Vergebens hätten die Verwandten versucht, so heißt es im Dorf, Rup Kanwar aufzuhalten. Ruhig sei sie auf den Scheiterhaufen gestiegen und habe den Kopf ihres Mannes in ihren Schoß gelegt. Die Flammen hätten sich sodann von selber entzündet. Sie starb nach Sati-Art mit einem seligen Lächeln.
Doch die Haridschan, die Unberührbaren im Ort, flüsterten einem indischen Reporter eine ganz andere Story zu. Danach sei am Todestag Schreien und Schimpfen aus dem Hause Singhs zu vernehmen gewesen - wie nach der Tradition üblich, wurde die junge Ehefrau für den frühen Tod ihres Mannes verantwortlich gemacht.
Später hätten die Angehörigen eine offensichtlich mit schweren Rauschmitteln halb betäubte Rup Kanwar aus dem Haus gezerrt. Sie sei auf den Scheiterhaufen gelegt und mit Feuerholz bedeckt worden. Ein Schwager des Mädchens habe das Feuer dann entzündet.
Etwa 5000 Menschen aus Deorala und Umgebung waren bereits herbeigeeilt
_(1972 im Bundesstaat Uttar Pradesch; ) _(einziges bekanntes Photo einer ) _(Witwenverbrennung. )
und verfolgten das schaurige Ritual. Die Polizei griff nicht ein.
Einmal gelang es der jungen Frau noch, sich zu befreien. Schreiend und um Gnade flehend sei sie davongelaufen. Doch sie sei wieder eingefangen und wiederholt mit Holzscheiten auf den Kopf geschlagen worden. Schreiend sei sie dann verbrannt.
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