Geh bitte Sterben

Ottoman

Well-Known Member
In meinem Bekanntenkreis hat vor wenigen Wochen jemand einen Suizidversuch begangen. Sein Zustand war kritisch. Er lag vier Tage im Koma. Wir haben mit bleibenden Schäde gerechnet, da man das für rel. wahrscheinlich gehalten hat.
Am vierten Tag ist er zu sich gekommen und am fünften Tag ist er bereits rungelaufen. Zwei Tage später hat man ihn an eine Nervenklinik überwiesen.

Ich habe vor einigen Tagen erfahren, dass man die lebenserhaltende Maßnahmen einstellen wollte, wenn sich sein Zustand nach dem vierten Tag nicht verbessern sollte. Das kann doch nicht wahr sein, oder ist das etwa die Regel?

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Der Schwiegervater meines Schwagers liegt derzeit im Krankenhaus. Er hat eine Bluterkrankung. Sein Zustand hat sich in den Jahren immer weiter verschlechtert. Nun hat man ihm angeraten zum Sterben nach Hause zu gehen. Hintergrund: Man muß ihm alle zwei Tage sein Blut komplett ersetzen. Heißt für mich, der Aufwand lohnt sich nicht. So wird er innerhalb weniger Tage sterben.

Sag mir doch bitte jemand, dass das nicht sein kann.
 

YaseminS

Active Member
AW: Geh bitte Sterben

Sein Zustand war kritisch. Er lag vier Tage im Koma. Wir haben mit bleibenden Schäde gerechnet, da man das für rel. wahrscheinlich gehalten hat.

Deiner Beschreibung nach wird man vielleicht den Hirntod vermutet haben. Vor dem Abschalten der lebenserhaltenden Maßnahmen wären dann auf jeden Fall noch einige Untersuchungen im Abstand einiger Stunden gemacht worden, um den Hirntod definitiv zu bestätigen oder auszuschließen.
 

Ottoman

Well-Known Member
AW: Geh bitte Sterben

Deiner Beschreibung nach wird man vielleicht den Hirntod vermutet haben. Vor dem Abschalten der lebenserhaltenden Maßnahmen wären dann auf jeden Fall noch einige Untersuchungen im Abstand einiger Stunden gemacht worden, um den Hirntod definitiv zu bestätigen oder auszuschließen.

Das läßt sich ja relativ schnell feststellen. Und erst dann sollte man solche Aussagen machen. Für mich klingt das so, als möchte man keine Gelder investieren. Ich verstehe beide Fälle nicht. Da muß man Angst haben, dass man nicht in solch eine Situation kommt. Der Gute hat keinerlei Familie; Vielleicht geht das Abschalten dann schneller.
 

therengarenk

Gesperrt
AW: Geh bitte Sterben

ich musste sehr lange mit mir ringen, ob ich jetzt einen Organspendeausweis beantrage oder nicht. Letztendlich habe ich es gelassen, da mir auch aus Bekannten aus dem Medizinischen Bereich davon abgeraten wurde, da viele Ärzte, dann erst recht weniger fürs Überleben tun....
 
P

pauline09

Guest
AW: Geh bitte Sterben

In meinem Bekanntenkreis hat vor wenigen Wochen jemand einen Suizidversuch begangen. Sein Zustand war kritisch. Er lag vier Tage im Koma. Wir haben mit bleibenden Schäde gerechnet, da man das für rel. wahrscheinlich gehalten hat.
Am vierten Tag ist er zu sich gekommen und am fünften Tag ist er bereits rungelaufen. Zwei Tage später hat man ihn an eine Nervenklinik überwiesen.

Ich habe vor einigen Tagen erfahren, dass man die lebenserhaltende Maßnahmen einstellen wollte, wenn sich sein Zustand nach dem vierten Tag nicht verbessern sollte. Das kann doch nicht wahr sein, oder ist das etwa die Regel?

Ob das die Regel ist, kann ich nicht sagen, aber Yasemins Überlegung ist vollkommen richtig - der Hirntod müsste (auch als zwingende Voraussetzung bei Organspendern) zweifelsfrei bestätigt sein. Nebenbei kommt dazu, dass der Mann sich das Leben nehmen wollte.. aus welchen Gründen auch immer.

Der Schwiegervater meines Schwagers liegt derzeit im Krankenhaus. Er hat eine Bluterkrankung. Sein Zustand hat sich in den Jahren immer weiter verschlechtert. Nun hat man ihm angeraten zum Sterben nach Hause zu gehen. Hintergrund: Man muß ihm alle zwei Tage sein Blut komplett ersetzen. Heißt für mich, der Aufwand lohnt sich nicht. So wird er innerhalb weniger Tage sterben.

Schwierig einzuschätzen, solange man nicht den genauen Hintergrund kennt. Je nachdem, wie es ihm geht, wie belastend eine weitere Behandlung für ihn wäre und was sie "brächte" - mit anderen Worten: ob seine Lebenserwartung sowieso wegen der Krankheit sehr limitiert wäre - kann es meiner Meinung nach auch ein Akt der Humanität sein, einem sterbenskranken Menschen zu ermöglichen, nach Hause zu gehen und sich vorzubereiten, statt weiterhin in unpersönlicher Klinikatmosphäre die Belastungen einer unterm Strich ohnehin aussichtslosen Therapie zu tragen. Ich weiß, dass es Ärzte gibt, die sich gerade in solchen Situationen ganz unabhängig von finanziellen Geschichten sehr viele Gedanken machen, sorgsam überlegen, was einem Patienten zumutbar ist, was er verkraften kann, ob (und wenn ja: ab wann) es Sinn hat, ihm oder ihr reinen Wein einzuschenken.

Und ich kenne (vielmehr: kannte) Menschen, die im Wissen und Bewusstsein einer unweigerlich tödlich verlaufenden Erkrankung ab einem bestimmten Punkt keine weiteren Therapien mehr wollten und heimgegangen sind, um die letzte Strecke des Weges mit ihren Lieben zu verbringen. Wovor ich ganz tief den Hut ziehe, weil dazu auch viel Stärke gehört, bei allen Beteiligten.

Anders wäre es, wenn medizinisch Zweifel bestehen. Dann aber kann und sollte man besser eine Zweitmeinung einholen.

ich musste sehr lange mit mir ringen, ob ich jetzt einen Organspendeausweis beantrage oder nicht. Letztendlich habe ich es gelassen, da mir auch aus Bekannten aus dem Medizinischen Bereich davon abgeraten wurde, da viele Ärzte, dann erst recht weniger fürs Überleben tun....

Das kann ich aus eigener Erfahrung zum Glück überhaupt nicht bestätigen. Sie haben sich über Wochen ein Bein ausgerissen. Und genau das hat mich trotz bekannt gewordener Skandale in meiner schon zuvor getroffenen und per Ausweis dokumentierten Entscheidung fürs Organspenden noch mal bestärkt. By the way, ich bin ganz stinknormal bei der Gesetzlichen. :wink:
 

blackcyclist

Gesperrt
AW: Geh bitte Sterben

Das läßt sich ja relativ schnell feststellen. Und erst dann sollte man solche Aussagen machen. Für mich klingt das so, als möchte man keine Gelder investieren. Ich verstehe beide Fälle nicht. Da muß man Angst haben, dass man nicht in solch eine Situation kommt. Der Gute hat keinerlei Familie; Vielleicht geht das Abschalten dann schneller.

Da ist mein Eindruck ein ganz anderer, bei meinem Vater wurde alles getan, was medizinisch möglich war, um sein Leben zu verlängern und auch erträglich zu machen.

Und wir haben keine Mediziner in der Familie oder irgendwelche besonderen Kontakte. Auch die Unterstützung durch die Krankenkassen war immer schnell und ohne Probleme.
 

Ottoman

Well-Known Member
AW: Geh bitte Sterben

Ob das die Regel ist, kann ich nicht sagen, aber Yasemins Überlegung ist vollkommen richtig - der Hirntod müsste (auch als zwingende Voraussetzung bei Organspendern) zweifelsfrei bestätigt sein. Nebenbei kommt dazu, dass der Mann sich das Leben nehmen wollte.. aus welchen Gründen auch immer.

Schwierig einzuschätzen, solange man nicht den genauen Hintergrund kennt. Je nachdem, wie es ihm geht, wie belastend eine weitere Behandlung für ihn wäre und was sie "brächte" - mit anderen Worten: ob seine Lebenserwartung sowieso wegen der Krankheit sehr limitiert wäre - kann es meiner Meinung nach auch ein Akt der Humanität sein, einem sterbenskranken Menschen zu ermöglichen, nach Hause zu gehen und sich vorzubereiten, statt weiterhin in unpersönlicher Klinikatmosphäre die Belastungen einer unterm Strich ohnehin aussichtslosen Therapie zu tragen. Ich weiß, dass es Ärzte gibt, die sich gerade in solchen Situationen ganz unabhängig von finanziellen Geschichten sehr viele Gedanken machen, sorgsam überlegen, was einem Patienten zumutbar ist, was er verkraften kann, ob (und wenn ja: ab wann) es Sinn hat, ihm oder ihr reinen Wein einzuschenken.

Und ich kenne (vielmehr: kannte) Menschen, die im Wissen und Bewusstsein einer unweigerlich tödlich verlaufenden Erkrankung ab einem bestimmten Punkt keine weiteren Therapien mehr wollten und heimgegangen sind, um die letzte Strecke des Weges mit ihren Lieben zu verbringen. Wovor ich ganz tief den Hut ziehe, weil dazu auch viel Stärke gehört, bei allen Beteiligten.

Anders wäre es, wenn medizinisch Zweifel bestehen. Dann aber kann und sollte man besser eine Zweitmeinung einholen.

Die Nebenwirkung seiner Medikamente wurden dafür verantwortlich gemacht.
Starke Depressionen etc.

Im ersten Fall gibt es meiner Ansicht nach keinerlei vernünftige Erklärungen für das Verhalten. Da ich aber nicht dabei war, kann ich auch nicht ausschließen, dass evtl. wichtige Details dazu bei mir nicht angekommen sind.

Im Fall zwei sollte jeder selbst entscheiden dürfen. Jemanden vor solche vollendete Tatsache zu stellen, das geht gar nicht. Wenn man dann ein zurückhaltender Mensch ist, dann nimmt man das hin und geht sterben. Meine Frau hat der Familie gesagt, sie sollen das nicht so hinnehmen. Immerhin geht es um das Leben eines Menschen. Wir könnten es auch den Ärzten überlassen, was lebenwürdig und weniger lebenswürdig ist.

Versucht man einen Selbstmord - entscheidet sich gegen das Leben - dann landet man in der Geschlossenen, weil man vor sich selbst geschützt wird.
Und aktive Sterbehilfe ist vermutlich auch nicht so einach. Vor diesem Hintergrund fehlt mir das Verständnis für die Entscheidung der Ärzte. Das macht einem Angst.
 

hilal74

Well-Known Member
AW: Geh bitte Sterben

Der Schwiegervater meines Schwagers liegt derzeit im Krankenhaus. Er hat eine Bluterkrankung. Sein Zustand hat sich in den Jahren immer weiter verschlechtert. Nun hat man ihm angeraten zum Sterben nach Hause zu gehen. Hintergrund: Man muß ihm alle zwei Tage sein Blut komplett ersetzen. Heißt für mich, der Aufwand lohnt sich nicht. So wird er innerhalb weniger Tage sterben.

Sag mir doch bitte jemand, dass das nicht sein kann.

Hmmm,dann muss er ,wenn ich das richtig verstehe, alle 2 Tage an die Dialyse.Kann ich mir nicht vorstellen, dass man ihn wegen des Aufwandes nach Hause schickt.Vielleicht gibt es keine Hoffnung mehr ,dass sich der Zustand bessert...sprich, man kann nichts mehr für ihn tun.:roll:
 

hilal74

Well-Known Member
AW: Geh bitte Sterben

Das läßt sich ja relativ schnell feststellen. Und erst dann sollte man solche Aussagen machen. Für mich klingt das so, als möchte man keine Gelder investieren. Ich verstehe beide Fälle nicht. Da muß man Angst haben, dass man nicht in solch eine Situation kommt. Der Gute hat keinerlei Familie; Vielleicht geht das Abschalten dann schneller.

Hat er eine Patientenverfügung? Da kann man ja den eigenen Willen verfassen für den Fall der Fälle..Also was man möchte und was nicht.
 

Ottoman

Well-Known Member
AW: Geh bitte Sterben

Hmmm,dann muss er ,wenn ich das richtig verstehe, alle 2 Tage an die Dialyse.Kann ich mir nicht vorstellen, dass man ihn wegen des Aufwandes nach Hause schickt.Vielleicht gibt es keine Hoffnung mehr ,dass sich der Zustand bessert...sprich, man kann nichts mehr für ihn tun.:roll:

Es gibt keine Hoffnung auf Besserung. Allerdings kann seine Lebenserwartung dadurch wesentlich verlängert werden. Sonst könnten wir auch alte Menschen gleich um die Ecke bringen.

Hat er eine Patientenverfügung? Da kann man ja den eigenen Willen verfassen für den Fall der Fälle..Also was man möchte und was nicht.

Das weiß ich nicht.
 
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