Geld

Skeptiker

Well-Known Member
AW: Geld


Die eigentliche Funktion des Geldes als Tauschmittel ist eine tolle Sache.

Leider richtet die davon abgeleitete Zweitfunktion des Geldes, die Mehrwertfunktion (Zinsen, Kapitalrendite und vor allem der progressive Zins-Zinseszins-Effekt) gesellschaftlich enormen Schaden an. Geld ist in unserer Gesellschaft sog. Schuldgeld. Das heisst, Geld entsteht durch Schulden, die verzinst zurückgezahlt werden müssen.

Die schuldbasierte Mehrwertfunktion des Geldes ist mE nach verantwortlich für seinen schlechten Ruf. Die Mehrwertfunktion führt auf gesellschaftlicher Ebene dazu, dass alles Geld zwangsläufig in immer weniger Hände wandert. In der Geschichte kam es demzufolge in regelmässigen Abständen zu gesellschaftlichen Niedergängen, die mit der völligen Verarmung der Bevölkerungsmehrheiten einherging, während kleine Oberschichten nach und nach sämtliche gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtümer angehäuft hatten.

Als Rom Ende des 4. Jahrhunderts von den Goten überrannt wurde, befand sich der gesamte vermögenswerte Besitz dieses Weltreiches in den Händen von 200 Grossfamilien, während das Volk vollständig verarmt war und es schuldenbedingt bereits viele römischstämmige Sklaven gab.

Ich weiß ja schon des längeren, Aufgrund deiner Elaborationen, wessen Geistes Kind du bist^^

NUR, es gibt ohne Zins keinen Anreiz Geld zu investieren und somit bricht, ohne Zins, die gesamte Geldwirtschaft zusammen.
 

Gizelle

Well-Known Member
AW: Geld

Fini, in meinem Nachbarkaff leben ehemalige Hausbesetzer aus der Hamburger Hafenstrasse. Die laufen im Sommer nur nackt rum (k.A. sind Klamotten auch kapitalistisch?) und schlafen im Indianerzelt. Die sind auch Selbstversorger. Vielleicht wär das ja was für Dich?
 

Skeptiker

Well-Known Member
AW: Geld

Trotzdem, schaff es ab. Wie soll dann der Mensch an Nahrung kommen? So viel Land gibt es nicht das jeder seine Nahrung und Kleidung selbst erzeugen könnte. Von den künstlich erzeugten Bedürfnissen mal ganz abgesehen.
Damit meine ich noch nicht mal Handys oder Computer, sondern das jeder Mensch (zumindest in der westlichen Welt) der aktuellen Mode entsprechend neue Kleidung "benötigt" und und und. Die Liste kann man unendlich fortsetzen.

Wieso sollte dies unmöglich sein?


Bin gespannt was dabei heraus kommt.
Abschaffung von Zahlungsmitteln würde ja fast Kommunismus bedeuten. Dem steht aber entgegen, das "es immer einen gibt, der mehr haben will als man selbst".
Liegt in der menschlichen Natur und hat den Fortschritt erst ermöglicht. Die Schlange scheint sich in den Schwanz zu beißen.

Da hast du einen ideologischen "Schwachpunkt"^^ Im Kommunismus, oder Syndicalanarchismus oder etc. pp.^^ projeziert man nicht die eigene Erwartung auf sich selber sondern auf die Gemeinschaft! Soll heißen: Ich mache das beste mir mögliche, damit es der Gemeinschaft besser geht und damit wiederum mir. Es ist eine Ideologie die durchaus funktionieren könnte, wäre der Mensch nur mehr Mensch und nicht so viel Tier^^

Seit die Menschheit in der Lage ist, mehr zu schaffen als man verbrauchen kann, wurde das "mehr haben wollen" Gefühl einiger Menschen unverhältnismäßig groß.


Das ist nichts eigenes vom Menschen! Hast du schonmal etwas vom sogenannten "surplus-killing" gehört?
 

Msane

Well-Known Member
AW: Geld

...

NUR, es gibt ohne Zins keinen Anreiz Geld zu investieren und somit bricht, ohne Zins, die gesamte Geldwirtschaft zusammen.


Das Problem ist nicht der Zins ansich, sondern Zinswucher und die Lobby der Besserverdienenden welche verhindert das angehäuftes Geld nicht in erforderlichen Umfang an die Gesamtgesellschaft z.B. in Form von progressiven Steuern zurückgeführt wird.
 
C

cyrano

Guest
AW: Geld

Nicht zu vergessen:

"Thou common whore of mankind, that putt’st odds
Among the rout of nations"

(Aus "Timon of Athens" von Şekspir)

und

[vid]CtQhMCUbpps[/vid]
 
P

Pit 63

Guest
AW: Geld

Ich weiß ja schon des längeren, Aufgrund deiner Elaborationen, wessen Geistes Kind du bist^^

NUR, es gibt ohne Zins keinen Anreiz Geld zu investieren und somit bricht, ohne Zins, die gesamte Geldwirtschaft zusammen.

Du präsentierst gerade das fadenscheinigste aller vordergründigen Argumente für die schuldgeldbasierte Finanzwirtschaft.
Womöglich ist Dir nicht wirklich klar, wie der Prozess der Geldschöpfung funktioniert.
Ganz platt formuliert: Es braucht keinen Anreiz für Geldgeber.
Die Geldschöpfung und die Versorgung der Marktteilnehmer mit dem
Tauschmittel Geld ist primär eine Organisationsfrage.

Bislang läuft es so, dass die staatlichen Zentralbanken Geld drucken und verleihen. Geldschöpfung heisst praktisch, dass sie das Geld an die privaten Banken gegen Rückzahlung plus Verzinsung in Höhe des festgesetzten Leitzinses überlassen.
Die Banken fordern Geld von der Zentralbank für die Weitergabe an private Empfänger an, soviel sie können, weil sie an der Weitervergabe zu einem höheren Zinssatz als dem Leitzins verdienen, ohne dafür irgendeine weitere Leistung erbringen zu müssen, als die Organisation und Verwaltung der Weitergabe.

Stell Dir vor, jeder der Geld braucht muss zu Dir kommen, weil nur Du es vom Geldschöpfer bekommst. Denen, die Du für kreditwürdig erachtest, gibst Du das erhaltene Geld weiter und nimmst dafür mehr Zinsen, als Du dem Geldschöpfer dafür zahlen musst. Tolle Sache oder?

Die Zentralbank als staatliche Institution braucht an sich keinen Anreiz. Der Leitzins ist an sich überflüssig. Die Verteilung des Geldes an die Marktteilnehmer könnte genossenschaftlich organisiert werden, entweder völlig zinslos gegen Gebühren oder Beiträge oder geringverzinst, um die Genossenschaft damit zu finanzieren. Das ist auch schon alles.

Es gibt übrigens mehrere tragfähige Modelle für die Verhinderung der Schatzbildungsfunktion bzw. Stärkung der Tauschmittelfunktion des Geldes, z. B. die Umlaufsicherung des Geldes. Geld verliert mit der Zeit seinen Wert, d. h. es wird als Tauschmittel zeitlich begrenzt. Das führt dazu, dass Geld wieder in den Markt zurückfliesst. Bei diesem Modell gibt es auch die Variante, dass das Schuldgeld, Geldverzinsung und Kapitalrendite erhalten bleiben, da die Auswüchse des Zins-Zinseszinseffektes durch die Geldumlaufsicherung verhindert werden.

Es gibt weitere Modelle als Alternativen zum herkömmlichen kapitalistischen Finanzsystem. Aber das würde hier zu weit führen.

Fakt ist, das kapitalistische, also das schuldgeldbasierte Finanzsystem führte und führt immer wieder und unweigerlich zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das geht in Zyklen vor sich. Nach dem Zusammenbruch gibt es eine Erholungsphase, in dem das lineare Wirtschaftswachstum das progressive Schuldenwachstum ausgleichen kann, bis das Wachstum von der immer weitersteigenden Schuldenkurve überholt wird und das Geld auf der Guthabenseite bei stagnierender oder nachlassender Wirtschaftsleistung in immer weniger Hände wandert. (Prozess zunehmender Kapitalkonzentration). Das ist systemimanent. Das war immer so und das wird sich auch nicht ändern, solange dieses System besteht. Alles andere sind Märchen.

Um die Ursachen zu ändern, muss das System geändert werden.
Um die Symptome zu bekämpfen, sind möglich:
-Währungsreform
-Superinflation
-Einseitige Schuldenerlasse
So kann man den zyklischen Prozess der Kapitalkonzentration verschleppen oder verlangsamen, ohne ihn dadurch zu stoppen.
 
P

Pit 63

Guest
AW: Geld

Ich bin der Meinung das hinter Geld auch immer ein Gegenwert in Form von Gütern stehen muss.
In der heutigen Finanzwirtschaft werden Geldmengen gehandelt die es überhaupt nicht gibt, dieses Geld gibt es nur im Computer es stehen keinerlei reale Werte dahinter.
Das ist auch einer der Ursachen für Finanzblasen und Finanzkrisen.

Das ist ein Folgeproblem des progressiven Geldmengenwachstums (des Zins- Zinseszins-Effekts), das zur unentwegten Zunahme der Guthaben (in immer weniger Händen) auf der einen und der staatlichen wie privaten Schulden auf der anderen Seite führt.

Die Gegenwerte, von denen Du sprichst, entsprechen der realen Wirtschaftsleistung (Sachgüter und Dienstleistungen sowie der Sonderfall der geldwerten Rechte). Die Entwicklungskurve der realen Wirtschaft verläuft linear, das Geldmengenwachstum verläuft exponentiell. Deckungsgleichheit kann es da nicht geben.
MaW: Nicht im Umlauf befindliches "reales" Geld ist nichts weiter als ein theoretischer Anspruch auf Geldzahlung.
Sobald das Vertrauen in den Markt schwindet und die Leute vermehrt ihre Ansprüche verwirklichen wollen (also bspw. zur Bank gehen, um es abzuheben) droht der Kollaps. Das Vertrauen ist aber nur begründet, solange das Wirtschaftswachstum mit dem Schuldenwachstum mithält und aufgrunddessen in den unteren und mittleren Gesellschaftsschichten noch etwas ankommt. Diese finanzwirtschaftliche "Ausgeglichenheit" in der Gesellschaft, die sog. Verteilungsgerechtigkeit gibt es schon lange nicht mehr. Die Entwicklung geht im Grunde schon seit den achtziger Jahren in eine andere Richtung. Die unteren und mittleren Einkommen stagnieren bzw. sind rückläufig und die oberen Einkommen und vor allem die grossen- und die Riesenvermögen wachsen (von selbst durch den Zins-Zinseszinseffekt bzw. das Prinzip der Kapitalrendite) weiter. Das ist nur lange relativ unbemerkt geblieben.
Der finanzwirtschaftliche Kollaps ist jedenfall zwangsläufig und nur eine Frage der Zeit. Verzögert werden kann er wie gesagt durch

einseitige Entschuldungen

Superinflation, die zum Vermögensverlust bis auf die vorhandenen Sachwerte und geldwerten Rechte (Aktien usw.) führt.

Währungsreform, die ähnliche Folgen hat, wie die Superinflation- auf die sie ggf. wahrscheinlich auch folgt.
 
S

sommersonne

Guest
AW: Geld

Wieso sollte dies unmöglich sein?



Das ist nichts eigenes vom Menschen! Hast du schonmal etwas vom sogenannten "surplus-killing" gehört?


Unmöglich finde ich es weil es nicht so viel Land gibt, welches jeder Einzelne/Familie benötigen würde um alles das selbst zu erzeugen was er benötigt zum Leben. Dann müßte auch noch ein Überschuß zum Tauschen übrig sein.


Surplus killing? Ach so, ist es das wo mehr gejagd und getötet wird als zum überleben benötigt wird?

Die Tiere, die das tun (ist ja bisher ungeklärt warum sie das tun, normalerweise töten Tiere nur soviel wie sie fressen können) horten dabei aber nicht ihre Jagdbeute, während der Mensch dann aber sein erbeutetes Geld hortet oder einsetzt um noch mehr zu gewinnen.

Auch wenn ich hier ja quasi zum Widerstand aufgerufen habe, finde ich das horten und vermehren von Geld oder sonstwas ersteinmal nicht schlimm. Es wird nur dann verwerflich wenn es ohne Rücksicht auf andere Menschen geschieht und rechts und links alles "niedergemäht" wird was beim sammeln im Wege ist.
 
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