Gewissenskonflikte...

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Filiz, weißt Du, ich bin katholisch aufgewachsen. Da läuft es ähnlich wie im Islam. Es gibt eine Vielzahl an Regeln und Gebote, die man einhalten soll, weil man sonst nicht im Paradies, sondern im Fegefeuer oder direkt in der Hölle landet. (Wäre dem so, müsste ich zwangsläufig in der Hölle landen, weil ich der Kirche den Rücken gekehrt habe.;-)) Religionen brauchen solche Schuldgefühl erzeugenden Konstrukte, weil sie sonst ihre Macht einbüßen würden. Wer auch immer Dir einreden will, Du seiest kein guter Mensch, wenn Du Dich nicht an dies, das und jenes hältst, will mithilfe von Religion einfach Kontrolle ausüben. Darum geht's, nichts weiter sonst.

Wenn Du selbst bisher glücklich und zufrieden mit Deiner Lebensführung warst und Dich so verhältst, dass Du niemanden anderen (bewusst) schädigst, ist alles in Ordnung. An ein höheres Wesen kann man doch trotzdem glauben, wenn man will; das ist eine höchstpersönliche Entscheidung und bleibt jedem selbst überlassen.
 
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Freiheiten, denke ich, fangen da an, wo sie Dir Dein Leben bereichern und hören da auf, wo sie Dritte körperlich und auch seelisch verletzen, wenn Du unmittelbar dafür verantwortlich bist. Der Pegel, wann etwas als Verletzung gilt, wird neben den Gesetzen auch durch das Umfeld in einer kulturell gelebten Norm justiert.
Zeitgemäß mögen einem dabei nicht alle Dinge erscheinen, aber "Zeitgemäß" ist auch ein Wort, wo ich an MTV denke und mir bei all der Fleischesanbiederung und dem Dummgeschwätze nur noch die Kotze hochkommt.
Verleitungen des Kulturkreises, in der wir aufwachsen, sind Herausforderungen, wo die christliche Kultur selbst damit zu kämpfen hat. Verrohung, Veroberflächlichung, trügerische Leitbilder. Damit muss man in allen Kulturen klarkommen und es ist schon eine gewisse Verantwortung, die man nicht an einem "veralteten Islam" abstreifen kann. Ich möchte sogar soweit gehen mich von der Religionsbrille zu trennen, um festzuhalten: Du musst erwachsen werden und für die eigenen Handlungen die Verantwortung übernehmen, besonders in Zeiten solch reichhaltiger Möglichkeiten, wo verkrustet wirkende Religion einfach nicht mehr zu funktionieren scheint.

Sex ist ein heikles Thema, wenn es um Frauen vor einer Ehe verbunden mit dem Islam geht. Sicherlich am problematischsten für Frauen, die sehr gerne in einer freizügigeren Kultur aufwachsen, die diese Freiheiten lieben und schätzen lernten. Aus der Nummer kommt man in der Tat mehr oder weniger nur durch Heirat raus, wenn die religiöse Familie einem wichtig genug ist. Da ist Abwägen angesagt, aber, wenn Du schon soweit verunsichert und beeinflusst bist, zu überlegen, dass bestimmte Handlungen u.U. Strafen von höherer Macht nach sich ziehen könnten, wird es wohl eher klar in Richtung Familienvorgaben gehen.

Ein denkbarer Weg wäre in dem Fall wohl, einen potenziellen Partner so gut es geht kennenzulernen, einer, der vielleicht so ähnlich tickt wie Du, wo also Berührungen - mit Ausnahme des zur Fortpflanzung getätigten Geschlechtsaktes - nicht gleich Tod und Sünde für ihn bedeuten. Wenn es am Ende nicht passt, die hohe Kunst des Schlussmachens beachten, um da sauber wieder rauszukommen und wenn es doch passt, bingo. Es läuft dann bis auf den Fortpflanzungsakt wie in europäischen, meist erfolglosen Roulette-Beziehung. Jacke wie Hose also. :)
 
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[...] Regeln und Gebote, die man einhalten soll, weil man sonst nicht im Paradies, sondern im Fegefeuer oder direkt in der Hölle landet. (Wäre dem so, müsste ich zwangsläufig in der Hölle landen, weil ich der Kirche den Rücken gekehrt habe.;-)) [...]

Wegen dem Fegefeuer, keine Sorge: Vatikan schafft Vorhölle ab. Es geht vorwärts! :lol:

Nachtrag:
Hoppla, doch nicht. Nur die ungetauften sterbenden Kinder sollen nicht mehr in die Vorhölle, was nicht das Fegefeuer sei, sondern müssen jetzt doch direkt ins Paradies.
 
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Es geht darum, dass ich mir in letzter Zeit sehr viele Gedanken über die Entstehung der Welt und allem drum und dran gemacht habe

Das ist der Preis dafür, nicht alles als gottgegeben hinzunehmen. Innerhalb der Machtstrukturen in der Menschheitsgeschichte wurde es schon immer lieber gesehen, dass die Menschen "da unten"/die Bürger "tun" und "machen" und nicht darüber nachdenken.

Dann kommen mir aber ständig Gedanken in den Kopf wie was denn passieren würde, wenn doch das alles, was im Koran vorgeschrieben wird, von göttlichen Ursprung ist und ich beim Verstoß gegen diese Regeln früher oder später bestraft werde.

Das Angstprinzip haben sich viele bis jetzt zu Nutze gemacht. Von Religionen und Staaten bis hin zur Industrie. Immer mit dem Ziel einer Verhaltenssteuerung u. -kontrolle im Eigeninteresse.

"Der Geist eines Menschen und nicht sein Herr machen ihn zum Sklaven."
 
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Wenn alle, die nicht nach den Regeln des Koran oder der Bibel leben, krank werden würden oder vom Unglück verfolgt, dann müßte es sehr sehr viele kranke Menschen auf der Welt geben.

Bleibe bei dem was Du für Dich als richtig erkannt hast und lebe so wie Du es bisher schon getan hast. Dein Gefühl wird Dir meistens das Richtige eingeben.
 
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Da man ja nie genau wissen kann, was alles als Sünde gilt und man sich ja auch nie sicher sein kann, welcher Gott der WAHRE ist, empfehle ich dir DRINGENDST

Verzichte auf Alkohol, Nikotin, Tabletten, Impfungen, Drogen allgemein, Schweinefleisch, Rindfleisch, generell auf Fleisch, töte kein Tier und auch keine Pflanze (irgendwo sind sie bestimmt heilig), Sex und Masturbation sind in fast jeder Religion verboten (ein genereller Verzicht zur absoluten Sicherheit ist zu empfehlen), zur Sicherheit sollte man anderen Menschen aus dem Weg gehen und wenn du dann ein glückloses aber religios-sicheres Leben geführt hast, dann kannst du selbst entscheiden, ob es sich gelohnt hat.
 
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Liebe Filiz,

lass dich nicht so von Anderen beeinflussen und missionieren, den auch das ist ein Teil mancher Religionen weitere Ungläubige zu bekehren. Wenn es dir zuviel ist, halte Abstand von solchen Diskussionen oder auch Leuten.

Das mit dem Alkohol kommt es eben auf das Ausmaß an, wie weit man es treibt und eben mit den Auswirkungen leben muss. Wenn ich mein mich regelmäßig so voll laufen lassen zu müssen, dass ich igrendwann mal krank dadurch bin hat sicherlich nichts mit Religion zu tun, sondern wohl eher mit eigenem fehlenden Verstand. Gleiches gilt für andere Bereiche auch.

Was den Sex vor der Ehe betrifft möchte ich auch ungern eine Katze im Sack kaufen, dafür kenne ich einige solche Ehen, in denen man dann wie Hund und Katz zusammen lebt und sich nicht scheiden lässt, weils Religion verbietet. Man muss aber auch nicht gleich nach 2 Tagen einen austesten, aber das muss jeder eben für sich selbst ausmachen was für einen Richtig ist. Vertrau auf dein Herz, Verstand und Bauchgefühl.

Dass du Angst vor schlimmen Krankheiten hast kann ich nicht verstehen, warum haben dann manche Säuglinge schwere Erkrankungen obwohl diese in dem Alter noch gar keine Sünden begangen haben könnten? Und warum treffen streng Gläubige auch schwere Krankheiten?

Nach meinem schweren Unfall hatte ich auch längere Zeit mit mir gehadert, ob es wohl meine Bestrafung war nicht in meiner familiären strengen christlichen Gemeinde zu bleiben und für mich einen anderen Weg zu wählen. Aber auch da gibt es genügend Gemeindeangehörige, die trotz Gläubigkeit kinderlos sind (trotz Jungfrauenehe in jungen Jahren), an Krebs und anderen Krankheiten leiden, jung sterben müssen, das alles gehört zum Leben dazu und kann jeden treffen und hat nichts mit Gott zu tun, dann wäre er verdammt grausam.

Aber für mich hatte der Glaube eben nichts damit zu tun, was ich anziehe, ob ich mich schminke oder mit Schmuck behänge, ob ich 5 oder 10 mal am Tag und laut genug vor Anderen bete und ob es dazu ein Gotteshaus immer bedarf. Glaube kommt für mich von Innen, wenn ich Bedarf habe zu beten, dann kann ich das überall und jederzeit tun. Und ich stimme den Anderen zu, dass nicht alle streng Gläubige bessere Menschen sind.

Liebe Filiz, genieße dein junges Leben, obs in Massen oder in Maßen bleibt dir überlassen, versuche DEINEN Weg zu gehen und nicht den der Anderen. Die sollten erstmal vor der eigenen Tür kehren, oft sieht es da auch nicht so tolle aus.

Lg, Russini
 
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Eigentlich war ich immer davon überzeugt, dass es reicht, anderen Menschen keine Schäden zuzufügen und so gut es geht zu helfen, um als guter Mensch zu gelten.

Bleib dabei:wink:
Das Problem ist halt nur, dass wir uns auch dann noch für die Guten halten, wenn wir schon längst böse sind.

Es gibt da ein sehr intressantes Video mit Richard David Precht auf der Frankfurter Buchmesse.Die 30 Minuten sollte man sich nehmen...
 
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