AW: "Ich: hier - Er: dort" - Der Trennungsschmerz-tröste-Mut-mach-Thread
Liebe Lady Yumus,
nachdem ich grad wunderbar nachvollziehen kann, wie es Dir so geht und einfach nur mit Dir fühle, möcht ich zu diesem Thema auch mal etwas schreiben.
Woher nehmt ihr z.B. die Kraft stark und zuversichtlich zu sein und vor allem zu bleiben?
Tja, manchmal lässt die Kraft extrem nach und dann kommen wieder die Gedanken, warum ich mir das alles antue, dieses ständige Vermissen, dieses viele allein sein, diese Sehnsucht - und dann stell ich mir die Frage, wofür das Ganze? Hat unsere Beziehung eine Zukunft? Werden wir einen gemeinsamen Weg finden? Oder wird es die nächsten Jahre eine Fernbeziehung bleiben und man wird sich irgendwann doch trennen, weil man keine gemeinsame Zukunft findet? Aber nach all den Gedanken nehm ich mich zusammen, denke ganz fest an meinen Schatz, schau mir unsere Fotos an, krame alle Erinnerungen zusammen und dann weiß ich wieder, warum ich das alles tue! Ja, weil ich ihn liebe, weil ich ihn sehr liebe und weil ich glücklich mit ihm bin. Und weil ich mir sicher bin, wenn wir es beide möchten und beide stark sind, dann werden wir auch einen gemeinsamen Weg finden, einen Weg, der uns irgendwann ein gemeinsames glückliches Leben schenken wird. Irgendwann... man muss nur Geduld haben!
Was unternehmt ihr gegen die unendliche Sehnsucht nach dem anderen?
Ganz einfach - den nächsten Flug buchen! Naja, stimmt, das klingt jetzt einfacher als es ist, aber das macht mir immer wieder Mut. Sobald der nächste Flug gebucht ist, geht es mir schon wieder etwas besser. Dann können wir die Tage zählen, dann haben wir wieder ein Ziel vor Augen, ein Ziel, an dem wir uns wieder in die Arme nehmen können uns in die Augen schauen können und uns ganz nah sein. Auch wenn es oft nur für kurze Zeit ist, immerhin - ein Hoffnungsschimmer. Und schließlich auch immer mit dem Hintergedanken, dass irgendwann die Zeit kommen wird, wo wir nicht mehr ByeBye sagen werden. Eine Zeit, in der wir jeden Tag abends gemeinsam ins Bett gehen und jeden Morgen nebeneinander aufwachen werden. Eine Zeit, in der wir keinen blöden Computer und kein Telefon mehr brauchen um zusammen zu sein!
Wie ertragt ihr das Warten aufs Wiedersehen am besten?
Tja, ertragen ist hier wohl das richtige Wort. Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich in dieser Zeit oftmals nur funktioniere. Ich arbeite, arbeite, gehe weg, auch wenn es mich oft gar nicht freut, aber Ablenkung tut ja auch gut. Man kann ja nicht nur warten, bis das Wiedersehen kommt. Da vergeht die Zeit ja gar nicht. Ich versuche immer, mein Leben ganz fest zu verplanen in der Zeit, wo ich allein in Deutschland bin und warte, um wieder bei Askim zu sein.
Und dann natürlich jeden Tag telefonieren. Wir telefonieren kurz morgens, wünschen uns einen schönen Tag. Tagsüber werden SMS geschrieben, denn telefonieren in der Arbeit geht halt mal nicht. Und wenn ich abends von der Arbeit komme reden wir miteinander und dann mindestens noch einmal bevor wir schlafen gehen. So weiß jeder von dem anderen immer Bescheid, was er macht, wo er grad ist und wie es ihm geht.
Und dann halt überall die Fotos von Askim... im Geldbeutel, in der Handtasche, im Handy, neben dem Bett, auf dem PC... er ist immer und überall. Wobei ich manchmal das Gefühl hab, dass das die Sehnsucht oft noch stärker macht. Wenn ich ihm dann auf dem Foto wieder tief in die Augen schau... und er halt doch nicht da ist, ja, in meinem Herzen, aber nicht bei mir um mich in die Arme zu nehmen, um mit mir zu lachen, ... und und und...
Wie überwindet ihr Phasen der schieren Verzweiflung und des schon Aufgebenwollens?
Diese Phasen hasse ich, aber leider gibt es sie immer wieder. Schlimm finde ich dann oft, dass man mit wenig Leuten darüber reden kann. Klar, mit den besten Freunden und so, aber ja auch nicht immer. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ihn meine Eltern nicht so recht akzeptieren wollen. Ich würde gern mal mit meiner Mum über Askim reden, aber zu Hause ist es besser, wenn das Thema Türkei überhaupt nicht angeschnitten wird, denn sonst ist die Stimmung am Boden.
Gut, also nicht darüber reden. Also entweder beste Freundin anrufen oder alleine kämpfen. Oft hilft es mir auch, mich einfach mal in eine Ecke zu setzen und den Tränen freien Lauf lassen. Danach schaut die Welt dann auch oft viel freundlicher aus. Und dann ist es ja auch so, wenn ich grad mal wieder so eine Tief-Phase hab und überhaupt keine Ahnung, wie es weitergehen soll bzw. kann, dann ruft mich mein Schatz an. Und dann muss ich gar nix sagen, denn dann merkt er sofort, dass ich grad mal wieder meinen Tiefpunkt erreicht habe und er versucht immer wieder mich aufzubauen. Obwohl ich weiß, wie schwer es ihm selbst fällt. Anfangs dachte ich immer, dass ich ihm besser nicht sage, wie besch... ich mich grad fühle, denn ich wollte ihn nicht damit belasten. Aber heute weiß ich, dass es wichtig ist, gemeinsam zu reden. Auch darüber, wenn ich grad mal wieder keinen Ausweg sehe und an unserer Zukunft zweifle. Aber gemeinsam schaffen wir es immer, dass wir am Ende des Gesprächs wieder lachen können :lol:
Naja, und jetzt werden wir einfach sehen was die Zeit so bringt. Momentan zähl ich grad mal wieder die Tage... Auch wenn ich weiß, dass es danach erstmal wieder ganz schlimm wird. Die ersten Tage zurück in Deutschland... Ich kann Dich verstehen - man fühlt sich absolut fehl am Platz und möchte einfach wieder zurück! Aber wer weiß - vielleicht gibt es irgendwann das One-Way-Ticket?? Ich glaub ganz fest daran... Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!
Kopf hoch liebe Lady Yumus - es kommen auch wieder glückliche Tage mit Deinem Askim! Und bis dahin bleibt uns die Erinnerung! Die Erinnerung an eine wunderschöne Zeit und mit der Gewissheit, dass diese Zeit wiederkommen wird. Und das ist doch eigentlich ein Grund zum glücklich sein - und nicht um zu trauern! (Ich weiß - ist manchmal leichter gesagt als getan, aber mir helfen diese Gedanken oft!)
Liebe Grüße
Sunschein