AW: Lügen und Betrügen
Zitat von -Rojin-:
Lieber Anouk!
Ein "Einmaliger" ausrutscher ist für Dich verzeihlich ?
Wer gibt Dir die Garantie, das es nur beim einen mal bleibt ?
Ich denke mir "Wer vom ganzen Herzen Liebt, der würde nie Fremd gehen" oder das bedürfnes dazu haben.
Hi Rojin,
erstens bin ich eine "liebe" Anouk (sprich: Frau - aber keineswegs immer lieb), und zwotens - das zeigt die allgemeine Lebenspraxis - gibt es nicht ganz so wenige Menschen, die aus welchen Gründen auch immer glauben, sich einen Seitensprung genehmigen zu müssen - ob mit oder ohne Wissen des Partners. Ich persönlich halte von beiden Varianten überhaupt nichts, hielte es aber andererseits auch für ausgesprochen töricht, eine u.U. langjährige Beziehung, Ehe oder was auch immer allein aus diesem Grund zu beenden. Überdenken ja, aber beenden?
Falls der Andere wirklich gehen will: okay, das steht ihm doch sowieso jederzeit frei! Denn Liebe ist kein Besitz (obwohl das häufig verwechselt wird), und festhalten kann man sie auch nicht. Aber häufig ist ein Seitensprung - so schmerzlich und scheußlich das ist - halt auch ein Alarmzeichen dafür, dass irgendwas in der Beziehung nicht stimmig ist, sich unmerklich auseinanderentwickelt hat. Und wenn der Mensch, dem man bis dahin vertraut hat, wirklich Größe besitzt: darf man erwarten, dass man sich beizeiten mal ausspricht. Benennt, wo der Hase im Pfeffer liegt und was man ändern sollte oder müsste, damit es künftig wieder besser läuft. Denn Liebe ist ja mehr als Sex, Leidenschaft, erotische Verzauberung oder was auch immer: zumindest für mich beinhaltet sie immer auch Freundschaft. Und wenn man einander genügend Luft zum Atmen lässt, sollte es eigentlich möglich sein, auch in der Krise miteinander zu reden und, ganz behutsam, wieder aufeinander zuzugehen. Und vielleicht entdeckt man ja auch neue Seiten aneinander, mag sein. Liebe ist ja auch nichts Statisches, sie wandelt sich mit der Zeit. Es ist wie mit Ebbe und Flut. Mal gibt es gute Zeiten, mal schlechtere. Gewiss ist nur, dass sich das Hochgefühl des Anfangs nicht konservieren lässt. Wollte man sich dann in Zeiten der Ebbe selbstherrlich zum Scharfrichter über den Anderen aufschwingen, weil er in einem einzigen unbedachten Moment einen Fehler gemacht hat, hieße das: nicht mehr zu lieben. Dann allerdings sollte man auch die Konsequenzen ziehen - und gehen.
anouk