Land der Glücksseligen...

  • Ersteller des Themas schneidersitz
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CrazyWoman

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AW: Land der Glücksseligen...

Danke für den Link, schneidersitz.

Glücksseligkeit muss jeder für sich selbst definieren.

Dass man "nach 15 Uhr" faktisch im Feierabend ist, wird hier im Text betont. Vieles andere, woran Deutsche evtl. Kritik üben könnten, ist nur zwischen den Zeilen herauslesbar.

Beispiel:

9 von 10 Männern nehmen Elternzeit

Außerdem nehmen norwegische Väter deutlich häufiger einen Teil der Elternzeit in Anspruch. Schon seit vielen Jahren dürfen Eltern nur die volle Kinderauszeit nehmen, wenn der Vater mitmacht. Seit vergangenem Jahr liegt der Anteil bei zwölf Wochen; neun von zehn Männern nehmen sie auch wahr. Der Chef der Sozialistischen Linkspartei und frühere Gleichstellungsminister, Audun Lysbakken, nahm sich vergangenes Jahr sogar auf dem Höhepunkt einer innerparteilichen Krise neun Wochen Elternzeit.

Die "volle Auszeit" beträgt 12 Wochen =3 Monate. Danach wird wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Die Kinder werden somit nach relativ kurzer Zeit wieder "fremdbetreut". Diese 12 Wochen kann man dann auch noch aufteilen. (6 Wochen pro Elternteil?) 3 Monate zu Hause, dann wieder arbeiten? Das sind amerikanische Verhältnisse und auch in vielen anderen Ländern üblich. Wer von uns Müttern will das? Ich wäre nicht gerne nach 6 Wochen wieder arbeiten gegangen. Und wegen der unflexiblen Betreuungszeiten in der KiTa hätte ich es auch nicht gekonnt. Und mit meinem Gehalt kann ich mir auch keine Tagesmutter leisten. Abgesehen davon, dass ich das gar nicht wollte.


Und um wen geht es in den Artikeln um glückliche deutsche Auswanderer immer? Werfen wir mal einen Blick darauf:

Jeden Nach*mittag um fünf, wenn alle zusammen am Tisch sitzen und essen, dann wissen die Krumbachers, dass sie es richtig gemacht haben. Dass es gut war, nach Oslo zu ziehen und dafür seinen Job als Top-Jurist in einer Anwaltskanzlei und ihre Boutique für Kindermode aufzugeben. Denn nun haben sie etwas Kostbares gewonnen, das ihnen vorher fehlte: Zeit.

und später heißt es:

Fast fünf Jahre sind seit ihrer Entscheidung vergangen, und der Umzug hat sich gelohnt. Ihr Haus am Ammersee haben sie eingetauscht gegen eine gediegene Stadtwohnung in Oslo, ganz in der Nähe der deutschen Schule. Florian Krumbacher, 46, arbeitet seitdem bei einem Solarunternehmen. Lillian ist Managerin bei der größten norwegischen Bank DNB. Dort betreut die studierte Ökonomin, die an der London School of Economics ihren MBA-Abschluss machte, das Auslandsgeschäft.

Im ersten Abschnitt lese ich:
Top-Jurist, dessen Gehalt allein auch für seine Familie mit 2 Kindern gereicht hätte, mit...
Ehefrau, die zwar (siehe zweiter Abschnitt) studierte Betriebsökonomin ist, aber in Deutschland damit keinen Job bekam und stattdessen eine Boutique für Kinderklamotten eröffnete...
beklagen sich über zu wenig Zeit. Beim Top-Juristen leuchtet mir das ein. Warum sie eine Boutique geführt hat, obwohl sie es sich wahrscheinlich hätte leisten können, zu Hause zu bleiben, bleibt mir schleierhaft. Als Betriebsökonomin hätte sie im übrigen auch vom Home Office aus arbeiten können.

Jetzt ist sie Bankmanagerin. Wieviele von uns hier können das? Wollen das? Im übrigen ist sie Norwegerin. Die Kinder gehen auf eine "deutsche Schule", sprich Privatschule.

Geht es hier um die Durchschnittsfamilie, die nach norwegischem Rezept auch in Deutschland mehr Lebensqualität haben könnte? Mitnichten.

Fazit:
Es geht hier um eine ohnehin "reiche" Familie (schau mal, was es kostet, eine Stadtwohnung in Oslo zu kaufen, wenn du als regulärer Auswanderer keinen Kredit bekommst und nicht gerade ein Haus am Ammersee zu verkaufen hast), die ihren Lebensstandard sowohl hier als auch dort hoch halten können.
 

alteglucke

Moderator
AW: Land der Glücksseligen...

Die "volle Auszeit" beträgt 12 Wochen =3 Monate. Danach wird wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Nicht die volle Auszeit beträgt drei Monate, sondern der Teil, den jeder nehmen muss, damit die Familie die volle Auszeit bekommt. Das gibt´s in Deutschland auch, sind hier zwei Monate, die "Papa-Monate", wobei mir die Bezeichnung schon zeigt, dass das Ziel einer vernünftigen Aufteilung der Elternzeit nicht erreicht wurde.
 
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CrazyWoman

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AW: Land der Glücksseligen...

Nicht die volle Auszeit beträgt drei Monate, sondern der Teil, den jeder nehmen muss, damit die Familie die volle Auszeit bekommt. Das gibt´s in Deutschland auch, sind hier zwei Monate, die "Papa-Monate", wobei mir die Bezeichnung schon zeigt, dass das Ziel einer vernünftigen Aufteilung der Elternzeit nicht erreicht wurde.

Natürlich, Du hast recht, hab ich falsch gelesen. Hier wird's ja nochmal klar:

Außerdem nehmen norwegische Väter deutlich häufiger einen Teil der Elternzeit in Anspruch. Schon seit vielen Jahren dürfen Eltern nur die volle Kinderauszeit nehmen, wenn der Vater mitmacht. Seit vergangenem Jahr liegt der Anteil bei zwölf Wochen; neun von zehn Männern nehmen sie auch wahr. Der Chef der Sozialistischen Linkspartei und frühere Gleichstellungsminister, Audun Lysbakken, nahm sich vergangenes Jahr sogar auf dem Höhepunkt einer innerparteilichen Krise neun Wochen Elternzeit.

Der Umfang der gesamt-möglichen Elternzeit wird in diesem Text gar nicht genannt. Hab's aber gegoogelt:

Wussten Sie, dass Eltern in Norwegen im ersten Lebensjahr ihres Kindes Anspruch auf bezahlten Urlaub haben? Zehn Wochen dieser Elternzeit sind dem Vater vorbehalten, damit sich auch die Väter an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen.
(...)
Die Elternzeit dauert in Norwegen 46 Wochen bei vollem Lohnausgleich (100 % Elterngeld) bzw. 56 Wochen bei 80 Prozent Elterngeld.

Quelle: norwegen.no "Elterngeld und Vaterschaftsurlaub"

Aber der Hinweis im Original-Text von schneidersitz, dass norwegische Arbeitgeber ja nun auch damit rechnen können, dass ein männlicher Arbeitnehmer in Zukunft "längere Zeit ausfällt", dann ist meine Definition von "lang" trotzdem anders...
 

alteglucke

Moderator
AW: Land der Glücksseligen...

Na ja, es íst, wie aus meiner Sicht vom Spiegel nicht anders zu erwarten, mehr soap als Politik.

Auf jeden Fall unterscheidet sich die norwegische Elternzeit offenbar nur marginal von der deutschen. Interessant hätte ich jetzt noch gefunden, wer da was in welcher Länge in Anspruch nimmt und ob es Unterstützung und Rückendeckung von den Arbeitgebern gibt, aber auch dazu steht da natürlich nichts. Interessant fand ich eigentlich nur die Info, dass es nach drei keine Meetings mehr gibt. Aber warum z.B. eine 40-Stunden-Woche plötzlich stressfrei sein soll, nur weil der Arbeitstag früher anfängt und früher aufhört, verstehe ich nicht.
 
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CrazyWoman

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AW: Land der Glücksseligen...

Na ja, es íst, wie aus meiner Sicht vom Spiegel nicht anders zu erwarten, mehr soap als Politik.

Jepp! Symptomatisch auch: Männer beteiligen sich nun 6 Stunden mehr am Haushalt als früher.

6 Stunden pro Woche? Pro Monat? Wann war früher? :roll:

(...)Aber warum z.B. eine 40-Stunden-Woche plötzlich stressfrei sein soll, nur weil der Arbeitstag früher anfängt und früher aufhört, verstehe ich nicht.

Das frage ich mich auch!
 
S

schneidersitz

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AW: Land der Glücksseligen...

Mir ging es um die Prioritäten, die auf Familie liegen, in der Einstellung der Menschen und in den Möglichkeiten, die einem der Staat und die Gesellschaft bieten.

Doch wenn es etwas Vorbildliches gibt, das auch wissenschaftlicher Überprüfung bislang standgehalten hat, dann ist es das größere Maß an Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die relativ hohe Geburtenrate. Das eine bedingt das andere im modernen Wohlfahrtsstaat. Ein Blick in den Alltag norwegischer Familien zeigt auf, was anderswo fehlt, oder besser: verlorengegangen ist im Hochgeschwindigkeitstakt der modernen Arbeitswelt.

Die strikte Politik des No-conference-after-Three reduziert den Stress für berufstätige Frauen und Männer: Sie können nach Hause gehen zu den Kindern, ohne wichtige Entscheidungen in der Firma zu verpassen.

Familie, ist er überzeugt, hat hier einen ganz anderen Stellenwert, und er erklärt sich das schon allein durch das Gesetz der kritischen Masse: Es gibt kaum ein Paar ohne Kinder. Die meisten in ihrem Umfeld haben zwei oder drei, auch vier sind keine Seltenheit. Kinder sind keine Ausnahmeerscheinung, sondern eine Selbstverständlichkeit. "Vielleicht ist es eine Zwangsläufigkeit, dass niemand die Augen verdreht, wenn man mit dem kranken Kind zum Arzt geht", sagt Krumbacher.

Der hohe Stellenwert des Familienlebens ist in Norwegens Volksseele verankert, so wie der Sinn für die Natur. So glaubt der Sozialanthropologe Thomas Hylland Eriksen von der Universität in Oslo: "Das gute Leben wird in Norwegen weniger über die Karriere definiert." Dies mag Ausdruck einer noch immer sehr auf Gleichheit bedachten Gesellschaft sein.
 

alteglucke

Moderator
AW: Land der Glücksseligen...

Mir ging es um die Prioritäten, die auf Familie liegen, in der Einstellung der Menschen und in den Möglichkeiten, die einem der Staat und die Gesellschaft bieten.

Das Problem, das ich mit diesem Artikel habe, ist, dass das alles nicht wirklich belegt wird. Wenn ich dieses Epos lese, blinken in meinem Kopf 1000 Fragezeichen. Und bis auf diese Drei-Uhr-Regel gibt es nichts wirklich handfestes.
 
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CrazyWoman

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AW: Land der Glücksseligen...

Das Problem, das ich mit diesem Artikel habe, ist, dass das alles nicht wirklich belegt wird. Wenn ich dieses Epos lese, blinken in meinem Kopf 1000 Fragezeichen. Und bis auf diese Drei-Uhr-Regel gibt es nichts wirklich handfestes.

Was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass durch die Einführung der hier genannten Maßnahmen sich die Geburtenrate in Deutschland nicht erhöhen würde oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sich nicht zwangsläufig einstellen würde.

Was ich noch interessant fand, war die 100%-Lohnfortzahlung während der Elternzeit. Beschämt muss ich zugeben, dass ich nicht einmal weiß, wie hoch das Elterngeld in Deutschland ist, da es mich nicht mehr betraf zu der Zeit, als es eingeführt wurde.:oops:
 

Lynx72

Gesperrt
AW: Land der Glücksseligen...

Norwegen mag ja nette Arbeitsbedingungen für Eltern haben, aber es hat auch ein scheußliches Klima mit 7 Monaten Winter und 4 Monaten Dunkelheit.
 
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