Nach dem sich meine Verstörung wieder etwas geklärt hat, noch einmal ein paar Anmerkungen zu meinem Verdacht, die ihn ziemlich entschärfen.
Es gibt anscheinend das, was Samuel Widmer
ehrbaren Inzest nennt, wahrscheinlich nicht unumstritten:
Zusätzlich zu dem Begriff des vollzogenen
Inzestes, bei welchem der Vater die Tochter (oder der Therapeut die Klientin) tatsächlich für seine sexuellen Bedürfnisse missbraucht, hat Samuel Widmer den Begriff des „ehrbaren Inzestes“ geprägt. Beim sogenannten „ehrbaren Inzest“ nehme der Vater genauso wie beim vollzogenen Inzest die erwachende
Sexualität seiner Tochter wahr. Aber aus Angst, damit nicht adäquat umgehen zu können, weise er die Tochter zurück. Die Tochter erlebe einen Verrat an der Liebe und des Vertrauens. Dies sei eine
Traumatisierung, der so gut wie jede Frau unserer Gesellschaft unterworfen sei und welche in der Konsequenz genauso tief gehe, wie der tatsächlich erfolgte
Missbrauch. (Wikipedia)
Ich vermute nun, dass ich vielleicht in einer kindlichen Neugier an der erwachsenen Sexualität die diesbezügliche Abwehr meines Großvater als kränkende Abwertung meiner kindlichen sexuellen Unschuld erlebt habe, weil er, so wie ich meine Familie insgesamt einschätze und erlebe, mit Sicherheit nicht besonders selbstbewusst mit seiner Sexualität umgehen konnte, sondern sie nahezu komplett abgespalten hat.
Dass Kinder eine Neugierde an der erwachsenen Sexualität haben können, habe ich vor ein paar Monaten bei meiner 9jährigen Nichte erlebt, die mir spontan kurz an die Hose in den Schritt fasste, als ich entspannt auf dem Sofa bei meinen Eltern saß und mich dabei frech-verlegen angrinste.
Ich war etwas irritiert und habe protestiert: "Na, das geht aber jetzt zu weit!"
Meine Schwägerin ist übrigens auch sexuell traumatisiert. Das Thema zieht sich durch mein Umfeld -
Und dann gibt ja dieses gelegentlich von Orientalen kolportierte Klischee, dass es Kinderficker nur in der westlichen Welt gäbe.
Ich kenne allein drei Türkinnen, die Zeuge oder Opfer familiären Missbrauchs wurden...
Die eine ist, wie ich kürzlich von ihrer ebenfalls wie sie vom Vater missbrauchten Freundin erfahren habe, das langjährige Ziel meiner großen Orientsehnsucht. Nun wundert mich auch nicht mehr, dass es so schwer fällt, einander näher zu kommen. Zu viel frühe Verwundungen mit ähnlichen Themen verbunden - einerseits ganz nah, und doch immer wieder so fern.
Die Dritte im Bunde ist eine Türkin, die einen Erfahrungsbericht darüber veröffentlicht hat, wie sie sich durch die Scheidung von ihrem Mann kämpfen musste, nach dem sie mitbekommen hat, dass er ihre gemeinsame 2-3 jährige Tochter missbraucht hat. Das Buch ist leider vergriffen, aber ich habe es gelesen. Ich habe die Autorin bei meiner ersten Lesung in Berlin kennengelernt.
Sind übrigens alles
keine Kurden, um das bei dieser Gelegenheit mal klarzustellen. Nur die Buchautorin gehört irgendeiner Minderheit an...
Schließlich kenne ich noch eine Türkin, die auch irgendwas Missbräuchliches erlebt hat und aus einer ziemlich traumatisierten Familie kommt, aber da kenn ich die genauen Umstände nicht.