AW: Mal was nachdenkliches...
Danke für den Text, Aroza. :smile: Ich kannte ihn schon, finde ihn aber immer wieder lesens- und überdenkenswert.
@Shaffty:
Zitat von Shaffty:
Ausserdem finde ich es teilweise schwachsinnig, dass versucht wird mit Biegen&Brechen den Leuten den gleichen Lebensstandard wie bei uns zu geben.... wozu brauch ich ne Computerausbildung in der Wüste? Warum muss ich im Dschungel lesen lernen? Weshalb brauch ich eine Englisch Ausbildung wenn ich nicht den Bedarf dazu habe??!?
Es geht nicht um den gleichen Lebensstandard, Shaffty. Davon sind so genannte 3. Welt- wie auch Schwellenländer meilenweit entfernt, und es wäre vermessen zu glauben, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte. Ich wüsste jetzt gern mal konkrete Beispiel von Dir zu "Computerausbildung in der Wüste". Sehr viel häufiger geht es doch um ganz andere Dinge, Gesundheits- oder Alphabetisierungskampagnen, zum Beispiel. Hältst Du letzteres ernstlich für sinnlos?? Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht, auch wenn wir das in unseren saturierten Lebensverhältnissen oft vergessen; es ist zu selbstverständlich, anscheinend, und jetzt sing mir bitte nicht das Lied vom edlen Leben in der Wildnis, in der man auf solche Sekundärtugenden angeblich verzichten kann.
Dem ist nicht so.
Menschen in die Lage zu versetzen, über ihren eigenen, kleinen Tellerrand hinausschauen zu können, ihnen die gleichen (oder zumindest ähnliche) Kommunikationsmöglichkeiten zu eröffnen, die man im reichen Norden als selbstverständlich nimmt, kann u.a. auch bedeuten, demokratischeren Lebensverhältnissen den Weg zu ebnen. Es geht eben bei weitem nicht nur (ist ja 'ne beliebte Theorie..) um irgendwelche Konzerne, die neue Absatzmärkte wittern, nein, es geht auch um Teilhabe, die Möglichkeit zur Meinungsbildung, Austausch mit anderen. Und ich will hier gar nicht mit afrikanischen Regionen aufwarten, in denen die so genannte "Ein-Parteien-Demokratie" (sprich Diktatur), noch oft verbreitet ist - guck mal Iran an. Ein Land, das zu einem nicht unerheblichen Teil aus Wüste bzw. kaum besiedelten Landstrichen besteht. Deiner Logik zufolge dürfte es in solchen Gebieten keine technische Entwicklung und/oder Ausstattung geben, weil Du das als Luxus einstufst. Aber das, was das iranische Mullah-Regime am meisten von innen gefährdet, sind viele, viele Weblogs, die nur erscheinen, weil es genügend Leute gibt, die lesen, schreiben und einen Computer bedienen können. Ob ein PC nun in Timbuktu oder Ghom steht, ist unterm Strich wurscht - Fakt ist, dass solche Verbindungen (über-)lebenswichtig sein können. Jenseits aller reinen Katastrophenhilfe, die ich für ausgesprochen berechtigt halte, die aber tatsächlich, wenn überhaupt, allenfalls Primärbedürfnisse abdecken kann.
Mit anderen Worten: Dein Beitrag bzw. Teile daraus schienen mir ein wenig undurchdacht.
lg
anouk
ps Ansonsten hab ich's auch eher mit Grassroot-Projekten, aber Dein Statement fand ich eben echt überzogen.