mehr oststories pleaz

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Junimond

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AW: mehr oststories pleaz

Jetzt wundert's mich auch nicht mehr, dass in der ersten Zeit nach der Wende die ostdeutschen Damen an der Supermarktkasse sich benahmen, als müsste man froh sein, was kaufen zu dürfen! So was gab es vorher nicht.
Die kamen mir vor, wie die Beamten oder Angestellten hier in der Türkei, die in aller Seelenruhe ihr Privattelefonat beenden, bevor sie sich widerwillig dem Kunden zuwenden.

wie meinst du das ege? warst du im supermarkt an der kasse und eine verkäuferin (aus dem osten) hat erstmal stundenlang telefoniert?:biggrin:
 
J

Junimond

Guest
AW: mehr oststories pleaz

Ne, du hast mich sicher richtig verstanden. Die ostdeutschen Damen saßen an der Kasse, und ich musste glücklich sein, bezahlen zu dürfen!

achsooooooooo, wahrscheinlich waren sie noch an alte zeiten gewöhnt, denn da waren sie ja die königinnen, wenn man nicht "ham wa nich" hören wollte!:biggrin:

eins kann ich heute noch bewundern, wie die angestellten im handel in west-berlin gerade in den ersten wochen diese flut von ostdeutschen gemeistert haben. da gab es sonderschichten ohne ende, denn die stadt wurde ja geradezu überrollt!!!
 
S

sommersonne

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Ich war auch so eine die aus Bettwäsche Kindersachen genäht und auf der Strasse verkauft hat. Ausserdem haben wir noch aus Ungarn selbstklebende Tapete mit Disneyfiguren mitgebracht und als Aufkleber verkauft. Habe auch noch Babylätzchen aus durchsichtiger Folie genäht und mit den "Aufklebern" verziert und Taschen aus durchsichtiger Plaste mit eingenähten Seiten aus polnischen Modemagazinen genäht. Ging alles weg wie warme Semmeln. Ich habe Gartenzwerge aus Gips gegossen und angemalt.
Einmal hat man mich mit auf die Polizeiwache genommen weil ich keine Genehmigung hätte, lach. Passiert ist mir nix. Das Geld hatte ich in die Schuhe gesteckt. Genehmigungen gab es dann später doch.
Ich habe den ersten Flohmarkt in Leipzig/Taucha im und um das Kulturhaus was ich geleitet habe organisiert. Das ganze Städtchen war von Autos blockiert und die Herren in den ordentlichen Anzügen und der Bürgermeister liessen sich blicken. Aber mir ist auch nix passiert.
Ich bin vor jedem Weihnachten und Ostern in die damalige CSSR gefahren und habe eingekauft. Dinge die es bei uns nicht gab und die mal etwas "anderes" waren.
Dafür musste man natürlich ständig Leute suchen die von ihren Urlauben noch Kronen übrig hatten und diese mir überliessen. Will garnicht erzählen wo ich die dann überall vor dem Zoll und den Grenzbeamten versteckt habe.
Ungarische Forint gab es auch nur begrenzt.
Man musste in Budapest bei der Bank eine Zollerklärung abgeben und bekam dann, ich glaube für 100 DDR-Mark Forint. Ich brauchte aber mehr. So habe ich die Zollerklärungen kopiert (in manchen Einrichtungen gab es die schon, musste man einen Bekannten dort haben). Die Kopien habe ich dann so lange vorsichtig gebügelt bis sie die leicht gelbliche Farbe der Originale angenommen hatten. Hat immer geklappt und ich hatte genug Forint.
Fast jeden Tag bin ich mit den berühmten Einkaufsbeuteln in der Handtasche quer durch die Innenstadt und die lange Einkaufsstrasse entlang nach Hause gelaufen um zu gucken ob es irgendwo etwas gab. Das hielt schlank.

Ich habe mit Mühe und Not einen zwanzig Jahre alten Skoda Oktavia für 3000 Mark (war damals viel Geld wenn man keine Nebenbeschäftigung hatte) kaufen können. Mein Vater war Kfz.-Schlosser und hat das Teil wieder in Schuss gebracht, viele Ersatzteile selbst gemacht, weil es kaum etwas gab. Wir haben ihn mit grünerLackfarbe gestrichen weil wir keinen Autolack bekommen konnten. Was ich mit der Möhre mitten auf der Kreuzung liegen geblieben bin, kann ich nicht zählen. Aber da der Verkehr nicht so üppig war wie jetzt, hat sich da keiner aufgeregt. Da kamen immer ein paar Männer und schoben die junge Frau mit dem Auto an den Strassenrand.

Ich könnte Seiten füllen, will Euch aber nicht langweilen.
 
M

Mein_Ingomann

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Um einen anderen Thread nicht zu weit ins OT zu treiben, schreibe ich es mal hier rein:

Als die Mauer fiel und Deutschland wiedervereinigt werden konnte, vereinte das auch meine Familie. Dieses System und seine widerliche Grenze untergehen zu sehen -damit hatten wir fast schon nicht mehr gerechnet. Einen grossen Teil unseres Jahresurlaubs verbrachten wir nicht an südlichen Stränden sondern fuhren zu unseren Verwandten in "die Zone".

Durch den Zwangsumtausch war das auch noch richtig teuer und je nach politischer Grosswetterlage wurden wir an der Grenze ein bischen, ziemlich oder heftigst schikaniert. Jedesmal mussten wir uns vorher eingehend informieren, was und wieviel man dieses Jahr mitbringen durfte und was besser nicht. Wegen einem Pfund Kaffee zuviel wurden wir mal einen halben Tag festgehalten. Ein Kinderwagen aus DDR Produktion (was wir nicht wussten), wurde beschlagnahmt und das Kind musste auf den Arm bis wir dann vor Ort einen neuen Kinderwagen kaufen konnten. Dieser Anlass genügte um unser Auto komplett auseinanderzunehmen und die ganze Familie wegen irgendwelcher Grenzverstösse zu registrieren und eine Akte anzulegen. Natürlich durften wir die ganze Prozedur auch noch bezahlen.

Ein Micky Maus Heft meiner kleinen Schwester führte zu einem Eklat und zu einem endlosen Verhör der Eltern, weil das zu dem Zeitpunkt nicht erwünschte Druckerzeugnisse des kapitalistischen Auslands waren.
Man musste dabei auf jedes Wort achten, weil man nicht nur selbst Repressalien zu fürchten hatte, sondern vor allem die Verwandten in der DDR. Nur zur Beerdigung der eigenen Mutter durfte ein Mitglied der Ostfamilie für ein paar Tage in den Westen reisen, die übrige Familie musste daheim bleiben.

Irgendwann werde ich mal einen Antrag auf Akteneinsicht stellen und mir anschauen, was die Behörden all' die jahre über uns gesammelt haben. Wir waren ja in ihren Augen "Wiederholungstäter" weil wir regelmässig einreisten. :roll:

Ich kenne die DDR von Innen und könnte hier Seiten mit solchen Geschichten füllen. Für mich selbst und für meine Familie in Ost wie Westdeutschland ist die Wiedervereinigung ein grosses Geschenk und die Freude darüber, dass dieses System verschwunden ist, hält bis Heute an.

Die Veränderungen die die Wende mit sich brachte sind auch an meiner Ostverwandtschaft und den Freunden dort nicht spurlos vorübergegangen. Einige Träume haben sich nicht erfüllt, andere sind wahr geworden. Sich heute ohne Einschränkungen jederzeit sehen und offen miteinander sprechen zu können ist immer noch unschätzbar wertvoll, auch wenn es inzwischen selbstverständlich geworden ist.

Wenn ich heute in den Gegenden unterwegs bin, die ich noch aus DDR Zeiten kenne erkenne ich vieles kaum wieder so sehr hat es sich verändert. Manches ist verschwunden worum es nicht schade war anderes kommt hoffentlich wieder, z.B. die Herzlichkeit der Leute untereinander und die Hilfsbereitschaft, die mir immer viel grösser erschien als im Westen.
 

Leo_69

Well-Known Member
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.....Nur zur Beerdigung der eigenen Mutter durfte ein Mitglied der Ostfamilie für ein paar Tage in den Westen reisen, die übrige Familie musste daheim bleiben.....

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Ist das heute so viel anders? Ich darf nicht mal meine eigene Frau mitbringen nach Deutschland. Zumindestens nicht ohne vorher vom deutschen Konsulat schikaniert zu werden, einen Haufen Geld zu bezahlen...und dann auch nur befristet. Danach aber schnell wieder raus aus dem Ausländerfreundlichen Deutschland.
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: mehr oststories pleaz

Ist das heute so viel anders? Ich darf nicht mal meine eigene Frau mitbringen nach Deutschland. Zumindestens nicht ohne vorher vom deutschen Konsulat schikaniert zu werden, einen Haufen Geld zu bezahlen...und dann auch nur befristet. Danach aber schnell wieder raus aus dem Ausländerfreundlichen Deutschland.

Gehört hier zwar nicht her, aber ich finde diese Beschränkungen völlig absurd. Im Vorfeld des Erdogan Besuchs kamen ja auch wieder entsprechende Töne zur Visafreiheit etc. :roll:
 
L

Laledevri

Guest
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Was Ingomann gepostet hat, kann ich komplett unterschreiben. Mit ein paar Varianten: der erste Teil der Familie war schon damals bei der Aussiedlung aus Oberschlesien (1960) verlustig gegangen, ein Teil des mitgekommenen Restes blieb dann in der Nacht vorm Mauerbau in der DDR. Mein Großvater, der als Lokführer arbeitete, hatte die Arbeiten zum "Dichtmachen" mitbekommen, noch in der Nacht sind meine Großeltern mit einem Teil der Kinder und dem ersten Enkel an den Bahngleisen entlang in den Westen. Großtante, Großonkel, eine Tante mit Ehemann blieben- wohl konnten sie sich damals nicht vorstellen, dass es eine jahrzehntelange Trennung werden würde. Man hatte sich erst mühsam nach der Aussiedlung dort ein neues Leben aufgebaut.

Bis 1989 bedeutete das für uns, jedes Jahr nach Ostberlin zu fahren. Irgendwann kam mein Vater auf den Dreh, dass in gewisse Länder doch gereist werden darf zusammen. Also trafen wir uns zum Urlaub in Bulgarien, Rumänien, Polen und Co. Manchmal wars abenteuerlich, der Bulgarienurlaub zum Beispiel. Westberliner konnten über die bundesdeutschen Reiseveranstalter mit dem Charter auch ab Schönefeld fliegen, die Maschinen waren nicht angeschrieben- logo. Meine Mutter hat für Tante und Cousine einfach dieselbe Reise wie für uns nur eben ab Schönefeld gebucht- und die Tickets lässig mit der Post geschickt. Sie kamen sogar an. Meine Tante hat 1988 am Flughafen ein wahres Wunder fabriziert, um mit meiner Cousine in diesen Spezialflieger zu kommen- aber nun, sie kamen an und sassen in der Lobby und warteten dort auf uns.

Ich denke, es gibt nur wenige Familien in Deutschland, die überhaupt keine DDR-Bezüge oder weitere "Ostbezüge" haben, spätestens irgendwo in der weitläufigen oder angeheirateten Verwandtschaft. Deshalb kekst mich dieses ganze Ossi-Getue und Geschimpfe auch so an. Na ja, just my 2 cents...
 

Sithnoppe

Moderator
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Wir sollten damals Zahngold in die Zone zu unseren Verwandten schicken, damit sie sich ein Inlay (oder nen Goldzahn) machen lassen konnten.

Schön war immer, wenn vor Weihnachten die Christstollen aus der Zone kamen und wir zu hause das Räuchermännchen und diese Weihnachtspyramiden aufgestellt haben, die bei uns nie funktioniert haben. Die haben sich fast immer selbst abgefackelt.

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