AW: Meine schöne Geschichte und eine böse Geschichte
TEIL 13:
Wir hatten beide nur 6 Wochen Arbeit vor uns, und dann ging es endlich wieder in unserem Lieblingsmonat September nach Antalya, endlich das ersehnte richtige Relaxen! Mein Mann half seiner Familie bei Bauarbeiten am Haus, wir besorgten einen neuen großen Wassertank für alle. Natürlich kam auch unsere Erholung nicht zu kurz, wir schwammen viel im Meer, gingen aus und natürlich auch zum Shoppen.
Aber nach 3 Wochen freuten wir uns auch auf zu Hause und auf unsere Kaninchen. Der große Schock kam, als wir wieder zurück waren: Unser über alles geliebter Moby war tot, unsere Maya in einem schlechten Zustand bei einer Ärztin. Ich erlitt einen Kreislaufzusammenbruch. Das wird nicht jeder verstehen, aber unsere Kaninchen sind wie unsere Kinder, da wir ja keine haben. Die Umstände, wie es dazu kam, waren äußerst kurios, denn sie waren extra von uns in einem Kleintierverein untergebracht, sie sollten auch einen tollen Urlaub haben. Das „Paradies“ war wohl die Hölle für sie. Wir bekamen keine Auskunft darüber, was passiert war, auch nicht über die Ärztin, bei der Maya offensichtlich war. Durch richtige Detektivarbeit kamen wir hinter ein paar Informationen, und so konnten wir nach 4 Tagen unsere Maya das erste Mal wieder sehen….mir treibt es jetzt wieder die Tränen in die Augen, sie war in einem lebensbedrohlichen Zustand. Von dem Tag an waren wir 6 Wochen jeden Tag beim Arzt mit ihr, auch am Wochenende oder an Feiertagen, sie hatte multiple böse Verletzungen, ein paar Mal dachte ich, sie stirbt in meinen Armen. Diese Zeit war eine sehr große Belastung für uns, da ich ja auch so oft beruflich für ein paar Tage weg bin.
Auch ein Anwalt und das Veterinäramt mussten wir einschalten, und so war jeder Tag ausgefüllt. Meine Nächte waren sehr kurz, manchmal schlief ich nur 5 stunden am Tag, weil ich das Bild von Moby immer vor Augen hatte und ich mir so viele Gedanken machte. Auch mein Mann trauerte sehr und bangte um das Leben von Maya. Ihr geht es heute besser, sie wird aber zeitlebens unter einer Behinderung leiden. Noch vor Weihnachten holten wir wieder ein männliches Kaninchen (Henry) aus dem Tierheim, ein ganz ein süßer Knopf und sehr geduldig. So führten wir sie langsam zusammen und sie leben sich gerade ein, auch Maya lebt wieder auf, trotz ihrem Gebrechen.
Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht viel, aber wenn ich mich in einer schlechten Situation befinde, werden bei mir gleichzeitig viele Kräfte geweckt. Und so begann ich mir ebenfalls, Gedanken um meine Zukunft zu machen.
Für viele ist es ja kein Geheimnis, ich bin Flugbegleiterin von Beruf, und das schon sehr lange. Ein toller Beruf, aber irgendwann überwiegen eben auch die Schattenseiten. Da ich schon mehrmals überlegt hatte, aus diesem Job auszusteigen, war die Zeit jetzt dafür gekommen. Ich hatte auch schon eine Vorstellung, was ich machen wollte. Also standen jetzt Bewerbungsunterlagen an. Nach mehreren Tests, die ich durchlaufen musste, erfüllte sich mein Wunsch, zu meinem 40. Geburtstag in meinem Berufsleben etwas zu ändern.
Ich werde jetzt noch 2 Monate fliegen, diese Zeit natürlich auch voll genießen, und dann beginnt im April eine neue Zeit für mich. Es wird schon seltsam werden, immer zu Hause zu sein- aber auch mein Mann freut sich jetzt darauf.
Der Bruder von meinem Mann hat das Visum für die Schweiz bekommen und beide, S. und A. sind überglücklich. Er macht einen Deutschkurs und hat schon Chancen auf einen Job, die beiden sind 26 und haben noch viel Zeit, ihr Leben zu meistern. Ich hoffe doch sehr, dass es nicht nur Switzerdütsch ist, was er lernt, sonst werden sich die beiden Brüder nie auf Deutsch unterhalten können ;-) . Aber es freut uns natürlich sehr. Wir wollten auch beide im Januar zu uns einladen, aber A. hat ja kein Schengenvisum in der Schweiz und so ist es genauso schwierig für ihn, nach Deutschland zu kommen, wie aus der Türkei. Die Zeit für die Visumsbeantragung war zu kurz. Aber wir werden es schon schaffen irgendwann, ansonsten fahren wir wieder in die Schweiz.
So nun bin ich im Januar 2008 angekommen und irgendwann wird es sicher eine Fortsetzung unseres deutsch- türkischen Familienlebens geben.
Für das Jahr 2008 wünschen wir uns weniger Stress und Trauer. Aber das wahre Leben hat Höhen und Tiefen, aus denen man ja auch lernt.