Jeder Mensch ist auf der Suche. Er formuliert Ziele in Gedanken, in Wünschen. Er will dies oder jenes, je nach persönlicher Prägung und sozialer Konditionierung. Er glaubt, er braucht dafür Zeit oder er glaubt, es ist unerreichbar oder vielleicht nach dem Leben, wenn er anständig war- im Paradies eben. In diesem Sinne könnte man sagen, das Paradies ist die Projektion unerfüllter Sehnsüchte und Wünsche.
Bewegung, wechselnde Zustände machen das Leben der Menschen aus.
Das Denken des Menschen verläuft aber stets zeitlich linear.
Er sieht sich und die Welt immer irgendwie auf einem Weg von einem in enen anderen Zustand und ist in Gedanken bestrebt, die Lebenssituation stets zu verbessern, um einen seiner Vorstellung nach vollkommenen Zustand zu erreichen. Natürlich erreicht er ihn nie, vielleicht gibt es hier und dort ein paar Momente, in denen alles perfekt zu sein scheint, doch die sind, wie alles vergänglich.
Das Paradies ist mE nach das, was wir verloren haben, weswegen wir hier alle etwas suchen, um es zu finden? Darin sehe ich auch die grundlegende Bedeutung der Worte Versuchung und Sucht.
Was suchen wir? Im Grunde uns selbst, unsere wahre Natur, das, was wir im Grunde selbst s i n d. Und das ist nichts Seiendes, nichts Gegenständliches- das ist nur je und je die Manifestation, die Verkörperung des Seins.
Nun könnte man fragen, was ist das wahre Selbst, das Sein?
Heidegger hat versucht, sich dem Sein auf philosophische Weise zu nähern.
Er sprach vom Seienden als zeitliche Existenz (lat. existere= herausstehen), dem was aus dem Sein heraussteht, je und je als schon sein, als so sein oder als vorweg sein.
Persönlich sehe ich die Wirklichkeit im nicht polaren, unbegrenzten (göttlichen?) Sein, im Leben selbst bzw. im "Selbst" des Lebens (Gott?).
Wir sind im Universum ein scheinbarer getrennter Teil des Ganzen, wir sind aber nicht nur Seiendes sondern auch Teil des Lebens selbst, wir sind S e i n.
Ist das real? Was davon ist realer? Das Seiende oder das Sein?
Wie stehen wir damit in Beziehung?
Wie erfassen wir das Sein?
Mit Sicherheit nicht, indem wir darüber n a c h-denken, es quasi im Nachhinein bedenken, vorstellen usw. Im Gegenteil, so stellen wir uns gewissermassen in eine Position ausserhalb dessen, was ist, das ist die gedankliche Position, mit der wir uns identifizieren.
Damit lässt sich in der Welt des Seienden viel bewegen, berechnen usw. aber mit dem Sein selbst hat das noch nichts zu tun.
Landläufig sagt man, Du hast ein Leben, Fakt ist aber, Du bist es, Du bist das Leben und hier liegt der Schlüssel zum Paradies.
Meister Eckhart nannte es das überseiende Nichts-sein und sagte: Erst, da der Mensch aus der Gottheit heraustrat, kündete alles von Gott.
Tolle würde sagen, die Antwort liegt im Jetzt, jenseits der Zeit und jenseits des Denkens, in diesem Augenblick.
Das Problem ist, das es der Verstand nicht fassen kann. Es ist jenseits der Worte. Am Anfang war das Wort steht in der Bibel, gemeint ist der Anfang der Welt. Welt ist Seiendes, ist relativ aber Sein ist absolut. Sein birgt sowohl Geburt als auch Tod, das sind die scheinbar gegenläufige Bewegungen des Lebens. Der Mensch stirbt sozusagen ein Leben lang, nur das die aufbauenden Kräfte in der ersten Lebenshälfte überwiegen, dann die abbauenden Kräfte. Er lebt und stirbt sozusagen von der Geburt an bis zu seinem Tod.
Das ist der Kreislauf der Natur, aus durch und in dem einen, unteilbaren Sein.
Die Inder nennen das Seiende, die Welt, die Maya.
Die Sonderung aus dem einen ungeschaffenen Sein, dem Paradies, damit ist wohl die "Sünde" gemeint, was nichts mit einem moralischen Vorwurf im konventionellen Sinn zu tun hat.
Ich gehe davon aus, das Paradies ist raum- und zeitloses, ungeteiltes Sein. Man könnte es Gott nennen.
Es "träumt" das Spiel mit der Form, in der es sich je und je vergisst und aus der es je und je erwacht.
Auch das ist aber keine Wahrheit, an die man glauben könnte, es sind nur meine Worte, um die Wahrheit anzudeuten, wie ich sie sehe...