prinzen?

AW: prinzen?

ohne studium kann man heute in der gesellschaft keinen platz mehr erlangen.

sag mal, solresol, gehts eigentlich noch?:icon_eyecrazy:

ich hab zwar auch ein paar diplome, die sich in kopie auf meiner klotür unglaublich gut machen, aber deshalb bin ich noch lange nicht "mehr" als der mitschüler, der nach der hauptschule eine lehre gemacht hat, sich zum meister hochgearbeitet hat und wohl über kurz oder lang einen eigenen handwerksbetrieb aufmachen wird.

wer definiert denn eigentlich, was ein guter platz in der gesellschaft ist und was nicht? was sollen solche verquasten akademikerattitüden aus dem elfenbeinturm?

ich bin mit gewissen grundsätzen aufgewachsen (kind aus einer handwerkerfamilie und überhaupt erste, die abitur gemacht und studiert hat). einer davon lautet:

"ehrliche arbeit verdient immer respekt."

außerdem: was nutzt der hochdiplomierte stararchitekt mit seinem tollen entwurf, wenn niemand da ist, der das haus baut, das dach deckt, die wände tapeziert, die sanitär-und heitungseinrichtungen macht und den fußboden verlegt?

haben diese menschen studiert?
nein. und sie sind auch keinen deut weniger wert.
 
AW: prinzen?

ohne studium kann man heute in der gesellschaft keinen platz mehr erlangen.

es wäre deshalb für die deutsch-türkische gesellschaft wichtig, das zur kenntnis zu nehmen!

solresol,

es ist durchaus wichtig zu studieren.. aber studium alleine ist heutzutage kein garant für eine feste arbeitstelle.

man kann ohne studium ebenso erfolgreich werden, der wille, aus der situation das beste rauszuholen, zählt !

auch ohne studium habe ich meinen festen platz in der gesellschaft..

ein türkisches graffiti habe ich immer vor augen:

duvarda asili diploma adami adam etmez - ein diplom an der wand macht noch lange keinen mann aus einem mann

ps: danke genevieve, ich finde deine art zu schreiben/antworten sehr erfrischend ;)
 
AW: prinzen?

außerdem: was nutzt der hochdiplomierte stararchitekt mit seinem tollen entwurf, wenn niemand da ist, der das haus baut, das dach deckt, die wände tapeziert, die sanitär-und heitungseinrichtungen macht und den fußboden verlegt?

haben diese menschen studiert?
nein. und sie sind auch keinen deut weniger wert.

... Du hast recht, Genevieve, freilich vergisst Du, dass der hochdiplomierte Starchitekt grundsätzlich erstmal jede Menge Bauträger überzeugen muss, bis sein Entwurf irgendeine Chance hat. Dann erst kommen alle anderen zum Zuge.

Aber Solresol hat da auch nicht ganz unrecht, so weit ich ihn richtig verstehe: aus bedingungsloser Verwöhnung entsteht nicht zwangsläufig nur Gutes.

:wink:

Anouk
 
AW: prinzen?

Dem kann ich mich anschließen. Aber ich kann niemandem raten, es so zu machen wie ich es gemacht habe.

es sind meistens die kreativsten menschen die den steinigen weg der berufung gehen andrea.

... und nicht immer sind es die gelehrten und studierten die die krone des erfolgs für sich verbuchen können, sondern eher die die verbissen an ihren idealen festhalten und daraufhin arbeiten.
 
AW: prinzen?

Ich bin - nicht ganz untypisch für meinen Beruf - eine abgebrochene Studentin. Das ging zu meiner Zeit noch gerade so, heute gar nicht mehr. Und der fehlende Abschluss hat mich lange Zeit gehandicapt. Angefangen damit, dass es Stellen gab, die ich explizit nur deshalb nicht bekommen habe, über den Versuch, mich bei Gehaltsverhandlungen zu drücken bis hin zu den Schwierigkeiten, die meine letzte Chefin hatte, mich angemessen zu bezahlen, weil ich angeglichen an den öffentlichen Dienst eingestuft werden musste.

Zwischendurch war ich sogar so weit, wieder ein Studium anzufangen, weil ich einfach ziemlich genervt davon war. Damit bin ich aber nicht gerade weit gekommen. Heute spielt es keine Rolle mehr - aber dafür habe ich dann auch fast 20 Jahre Berufserfahrung gebraucht.
 
AW: prinzen?

bonjour genevieve

sag mal, solresol, gehts eigentlich noch?:icon_eyecrazy:


ja, ich glaube schon :tongue:

"ehrliche arbeit verdient immer respekt."

es ist absolut nicht das problem! damit bin ich voll einverstanden

wer definiert denn eigentlich, was ein guter platz in der gesellschaft ist und was nicht?

diese betrachtung: wieviel prozent der sekundarstufenschüler sind männlich und wieviel prozent sind männlich und gleichzeitig türkischer herkunft :idea:

das haus baut, das dach deckt, die wände tapeziert, die sanitär-und heitungseinrichtungen macht und den fußboden verlegt?

tun die polen auch, und bald die bulgaren, etc. und das weisst du genau! wenn man nicht ungerechte sperre zu ihrer einwanderung, die aber bald entfallen werden, vorgeschoben hätte, hätte man...

... zuviele maurer, zuviele dachdecker, zuviele maler, zuviele heizungstechniker und klempner aus der E.U.! in manchen berufen (kaminkehrer) muss man sogar ein monopol festsetzen, um sie zu schützen!

außerdem: was nutzt der hochdiplomierte stararchitekt mit seinem tollen entwurf, wenn niemand da ist, der...

wie lange noch, wenn du bedenkst für welche löhne polen, rumänen, bulgaren (viele türkennachfahren sogar!) bereit wären in diesen undankbaren berufen bei uns zu arbeiten, kannst du deine logik aufrechterhalten?

haben die türkischen jungen männer nicht eine chance vergeudet, bundestagabgeordneter, krankenkassendirektor, arbeitsamtleiter, kommissare, richter zu werden, damit ein gesundes verhältnis der vertretung in diesen schlüsselberufen und anderen künftig zu gunsten aller eingewanderten bewohner deutschland's besteht?

wie viele magistrate (%satz der magistraten verglichen mit dem anteil der türken und anderen einwanderer in der bevölkerung) sind aus türkischer abstammung?

ist nicht gleichzeitig die rolle der türkischen frau in der türkischen familie gleichzeitig ein hindernis, dass dann zumindest die türkischen frauen hier einspringen wie die französische justizministerin aus algerischer abstammung oder die 30 jährige staatssekretärin aus senegalesischer abstammung.

glaubst du vielleicht, dass beide zuvor klempner waren pinocchio ?

salut
 
AW: prinzen?

glaubst du vielleicht, dass beide zuvor klempner waren pinocchio ?

mein lieber solresol- warum kommst du mir gerade nur so schrecklich überheblich vor?

mal abgesehen davon, dass ich dir mit den bulgarischen und polnischen arbeitern nicht mehr folgen kann-

schon mal über das milieu nachgedacht, aus dem viele sogenannte deutsche "stützen der gesellschaft" stammen?
wieviele arbeiterkinder sind wohl bundestagsabgeordneter? wieviele staatsanwälte und topmanager haben eine mama, die putzen gegangen ist?
und wieviele arbeitskammerpräsidenten haben einen papa, der bergmann ist?

sicher hat sich die letzten jahre sehr viel verändert. aber trotzdem bleiben die meisten doch in der gesellschaftsschicht, in die sie geboren wurden. und ich kann dir aus eigener erfahrung sagen: du bewegst dich anders auf gewissen parketten, wenn dein vater handwerker ist oder hochschulprofessor. offen zugeben tut das keiner, aber das sind in den "elitäreren" kreisen ganz subtile mechanismen, die da am wirken sind.
du kämpfst- auch wiederum sehr subtil- anders um deinen weg als jemand, dem der finazielle oder intellektuelle goldene löffel von geburt an in den mund geschoben wurde.

und jetzt verlangst du etwas von den migranteneltern, was die deutschen aus der entsprechenden schicht auch nicht unbedingt gebacken bekommen?
schau dir doch mal die herkunft der meisten türkischen gastarbeiter an: wieviele hochschulprofessoren oder akademiker stehen da gegen den kleinen arbeiter, der gekommen ist, um hier sein glück im bergbau oder in der chemiefabrik zu machen? schritt für schritt kanns doch da auch aufwärts gehen.

ich erinnere mich an h. frisch zur einschulung mit mutter und schwestern irgendwo aus ostanatolien nachgezogen. baba hat in der fabrik gearbeitet. eine ganz einfache familie. h konnte kein wort deutsch. er besuchte schließlich eine gesamtschule, hat eine ausbildung zum versicherungskaufmann gemacht und sich über kurse zusätzlich fortgebildet. manchmal treffe ich ihn in der stadt. bei diesem stolzen anzugträger kann ich wahrlich nicht behaupten, dass aus ihm nichts geworden ist. ok, er ist nicht finanzminister geworden. aber jetzt lassen wir kirche und messlatte doch mal im dorf!

und jetzt mal davon abgesehen: nein, ich finde nicht, dass man ohne studium nichts wird im leben. doch ansichten wie deine zeigen mir, dass konventionelle berufsausbildungen ohne studium dringend einer gesamtgesellschaftlichen aufwertung bedürfen.
es gibt nämlich den ungesunden hype, ne menge kinder aufs gymnasium zu verfrachten, die auf einer realschule viel besser aufgehoben wären. wem nutzen denn die ganzen überforderten schüler etwas?
warum ist es denn nichts mehr wert, schreiner, klempner oder bäcker zu sein?
schon mal darüber nachgedacht?
 
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