Quo vadis Türkiye?

Laut EU-Statistiken wurden 95,3 Prozent aller Visa Anträge aus der Türkei bewilligt.
Die Ablehnungsquote liegt bei 4,7 Prozent.
http://www.hurriyet.com.tr/turkiye-schengene-basvuruda-dorduncu-26628455
Das habe ich vor ein, zwei Tage auch im WDR-Radio gehört.
Insofern ist der Gewinn für die Visafreiheit von Türken für die Türkei irrelevant. Es wäre eher ein Zeichen. Weniger irrelevant ist der Umstand, daß jeder, nur weil er Muslim ist, in die Türkei frei einreisen kann. Weil so die Türkei leicht zur Drehscheibe des internationalen Islamfaschismus/terrorismus werden kann wegen ihrer privilegierten Partnerschaft usw.
Mit der Einschränkung der Visafreiheit für muslimische Ausländer geht es in gewisser Weise auch um das Selbstverständnis des türkischen Staats: Begreift er sich in erster Linie als Teil einer muslimischen Weltgemeinschaft (dann keine Visaeinschränkung), oder als Teil eines bürgerlichen Rechtsstaatsystem (dann Visaeinschränkung).
Also wieder die Frage: was steht der Türkei näher? Europa oder die islamische Welt?

Konservative, auch hier, beantworten die Frage gern geographisch in dem Sinne, daß die Region, zu der die Türkei gehört, islamisch sei und ihre Interessen schon auf Grund ihrer Nachbarschaft eher in den islamischen Raum als in den europäischen gehen. Ich sehe das anders: erstens geographisch, die Türkei ist ein Mittelmeeranrainer, zweitens historisch, Kleinasien ist der Ort der Entstehung des Christentums und Istanbul das Zentrum des oströmischen Reichs und der oströmischen Kirche, drittens soziologisch, insofern die Migrationsströme der Türken nicht Richtung muslimischer Nachbarn, sondern Richtung Europa gehen.

@Taze1 Ich habe die Antwort nach hierhin verlegt, weil es mir passender erschien.
 
Das habe ich vor ein, zwei Tage auch im WDR-Radio gehört.
Insofern ist der Gewinn für die Visafreiheit von Türken für die Türkei irrelevant. Es wäre eher ein Zeichen. Weniger irrelevant ist der Umstand, daß jeder, nur weil er Muslim ist, in die Türkei frei einreisen kann. Weil so die Türkei leicht zur Drehscheibe des internationalen Islamfaschismus/terrorismus werden kann wegen ihrer privilegierten Partnerschaft usw.
Mit der Einschränkung der Visafreiheit für muslimische Ausländer geht es in gewisser Weise auch um das Selbstverständnis des türkischen Staats: Begreift er sich in erster Linie als Teil einer muslimischen Weltgemeinschaft (dann keine Visaeinschränkung), oder als Teil eines bürgerlichen Rechtsstaatsystem (dann Visaeinschränkung).
Also wieder die Frage: was steht der Türkei näher? Europa oder die islamische Welt?

Konservative, auch hier, beantworten die Frage gern geographisch in dem Sinne, daß die Region, zu der die Türkei gehört, islamisch sei und ihre Interessen schon auf Grund ihrer Nachbarschaft eher in den islamischen Raum als in den europäischen gehen. Ich sehe das anders: erstens geographisch, die Türkei ist ein Mittelmeeranrainer, zweitens historisch, Kleinasien ist der Ort der Entstehung des Christentums und Istanbul das Zentrum des oströmischen Reichs und der oströmischen Kirche, drittens soziologisch, insofern die Migrationsströme der Türken nicht Richtung muslimischer Nachbarn, sondern Richtung Europa gehen.

@Taze1 Ich habe die Antwort nach hierhin verlegt, weil es mir passender erschien.



Und dass die Türkei schon immer die westliche Zivilisation als Ziel hatte, also als Maßstab für sich," batı uygarlığı".


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Und dass die Türkei schon immer die westliche Zivilisation als Ziel hatte, also als Maßstab für sich," batı uygarlığı".


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Sonst hätten sie ja nicht vor Wien gelagert und zuvor den Balkan zivilisiert ;) Allein der Begriff Hohe Pforte ist so westlich, wie es nur gerade geht in Zeiten des europäischen Absolutismus.
Aber mal im Ernst: der Westen ist in der Türkei die Richtung spätestens seit Atatürk. In Antalya steht z. B. hoch über dem Hafen der Altstadt eine Atatürk Skulptur mit ausgestreckter Hand Richtung Westen. Und soweit weg vom Südosten der Türkei ist Antalya nun auch wieder nicht.
 
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