HeyÖzgürlük
Well-Known Member
Hallo ihr lieben,
ich habe vor 2-3 jahren einen artikel gelesen der mir immernoch im kopf rumschwirrt.
Ich würde diesen gerne mit euch teilen und eure meinung zu der thematik
"Atatürk und seine stellung im türkischen bildungs/schulsystem" lesen.
Findet ihr es richtig und das ausmaß der anwendung für angemessen?
Würde es genügen diese themen in einer sonderstunde zu behandeln die beispielsweise
2-3 schulklassen behandelt wird - oder wird dass atatürk nicht gerecht?
Was ist mit den nichttürkischen schülern, oder einfach den schülern die ihn nicht verehren?
Warum müssen kleine kinder sich vor und nach dem unterricht wie kleine soldaten versammeln
und hymnen zu militärmärschen singen?
Mir persönlich geht es nicht um atatürk selber, wer personenkult betreiben möchte, soll dies tun.
Ich bin kein freund dessen, egal ob auf atatürk bezogen oder auf justin bieber.
Mir geht es um die kinder, darum was dass beste für sie wäre. Pädagogisch, menschlich.
Zum artikel:
In der Schule lernen Kinder lesen, rechnen, schreiben. In der Türkei lernen sie außerdem: Staatsgründer Atatürk bedingungslos zu lieben. Sie können seinen Lebenslauf auswendig und singen seine Kampflieder - als Schutz gegen den Islamismus, sagen Befürworter. Die Kritiker leiden unter der Indoktrination.
......
Sie haben sich nicht angekündigt. Sie kündigen sich nie an. Lehrer Azad Türkmen*, 43, schwarze Haare, blauer Pullunder, breites Lächeln, spricht mit Schülern der Firuzaga-Gesamtschule in Istanbul über türkisches Kino, als zwei Männer im Klassenzimmer stehen.
......
Sie tragen graue Anzüge und sprechen leise: Aus Ankara seien sie und hätten ein paar Fragen.
......
Erste Frage: "Wie hieß Atatürks Großmutter?"
......
Die Männer arbeiten für das Bildungsministerium; sie überwachen in den Schulen, ob die "Bildungsstandards" eingehalten werden. In der Türkei bedeutet das: Was wissen die Kinder über Mustafa Kemal Atatürk, den Gründer der Republik? Was über die Flagge, das Militär, die Nation?
......
Der Lehrer weiß: Wenn den Männern aus Ankara die Antworten der Schüler nicht gefallen, ist er seinen Job los.
......
Der Staatsgründer ist allgegenwärtig
Jetzt gießt Azad Türkmen sich im Lehrerzimmer einen warmen Cay ein. "Du denkst, an den Schulen sollte die Wissenschaft im Vordergrund stehen, aber nein: Alles dreht sich nur um Atatürk." Im Geschichtsunterricht sei für die Antike kein Platz, für die Französische Revolution nicht, allenfalls für Hitler. Selbst in Fächern wie Mathematik und Biologie stehe Atatürk im Mittelpunkt: "Wir erklären sogar den Dreisatz am Beispiel Atatürks", sagt Türkmen sarkastisch. In Mathe komme Atatürk in jeder zweiten Sachaufgabe vor, etwa mit Anekdoten aus seinem Leben. Und gehe es um Größenordnungen, werde die Truppenstärke der türkischen Armee mit jener der Allierten im Ersten Weltkrieg verglichen.
......
"Ohne Atatürk hätten wir hier längst die Scharia", sagt auch Sila Hacilar. Die Direktorin der Firuzaga-Gesamtschule ist keine glühende Nationalistin. Aber sie sieht den Kemalismus als das kleinere Übel, als Schluckimpfung gegen den islamischen Fundamentalismus, der die Frauen wieder unter das Kopftuch zwinge und die Jungs in die Moschee.
Zu Unrecht, findet Harry Tzimitras, Politikprofessor an der liberalen Istanbuler Bilgi Universität: "Atatürk würde sich im Grab umdrehen, wüsste er, welche Leute heute in seinem Namen sprechen." Tatsächlich sei nicht die Religion verantwortlich für fehlende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei - sondern die alten nationalistischen Dogmen: die Glorifizierung Atatürks, die beherrschende Rolle des Militärs, überbordender Nationalstolz.
Seinen Anfang nimmt das alles in der türkischen Grundschule. Sie verpflichtet die Kinder auf einen politischen Personenkult, der ihnen Atatürk zu einem Vater neben ihrem eigenen Vater werden lässt.
"Es ist gefährlich, schon Kinder mit nationalistischer Propaganda zu vergiften", sagt Harry Tzimitras. Atatürk habe sich als Staatsmann um die Türkei verdient gemacht und sei ein Modernisierer gewesen, sogar ein Freiheitskämpfer. Aber er sei eben auch zum Diktator geworden, der den Türken eine neue Kultur und Erziehung verordnete, der Gegner verfolgen und hinrichten ließ. Davon freilich sei in türkischen Schulbüchern nichts zu lesen.
......
Die Glocke läutet das Wochenende ein.
......
Dann stehen alle wie auf Kommando still: Rektor, Lehrer, Schüler. Ein Lautsprecher knarzt, ein feuriger Militärmarsch brummt über den Hof. Die Schüler posieren wie Soldaten, die Hände an die Oberschenkel gedrückt, den Blick auf die Büste. Und sie singen vom großen Volk der Türken, von seinem Führer Mustafa Kemal.
......
Ich hoffe ich habe nicht zu viele textstellen kopiert
Ich bitte um sachlichkeit, würde mich über ein harmonisches diskussionsklima sehr freuen.
Lasst unseren meinungs- und informationstausch nicht durch provokationen und zänkischen
äusserungen behindern.
Ganzer artikel:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/...sogar-den-dreisatz-mit-atatuerk-a-675820.html
ich habe vor 2-3 jahren einen artikel gelesen der mir immernoch im kopf rumschwirrt.
Ich würde diesen gerne mit euch teilen und eure meinung zu der thematik
"Atatürk und seine stellung im türkischen bildungs/schulsystem" lesen.
Findet ihr es richtig und das ausmaß der anwendung für angemessen?
Würde es genügen diese themen in einer sonderstunde zu behandeln die beispielsweise
2-3 schulklassen behandelt wird - oder wird dass atatürk nicht gerecht?
Was ist mit den nichttürkischen schülern, oder einfach den schülern die ihn nicht verehren?
Warum müssen kleine kinder sich vor und nach dem unterricht wie kleine soldaten versammeln
und hymnen zu militärmärschen singen?
Mir persönlich geht es nicht um atatürk selber, wer personenkult betreiben möchte, soll dies tun.
Ich bin kein freund dessen, egal ob auf atatürk bezogen oder auf justin bieber.
Mir geht es um die kinder, darum was dass beste für sie wäre. Pädagogisch, menschlich.
Zum artikel:
In der Schule lernen Kinder lesen, rechnen, schreiben. In der Türkei lernen sie außerdem: Staatsgründer Atatürk bedingungslos zu lieben. Sie können seinen Lebenslauf auswendig und singen seine Kampflieder - als Schutz gegen den Islamismus, sagen Befürworter. Die Kritiker leiden unter der Indoktrination.
......
Sie haben sich nicht angekündigt. Sie kündigen sich nie an. Lehrer Azad Türkmen*, 43, schwarze Haare, blauer Pullunder, breites Lächeln, spricht mit Schülern der Firuzaga-Gesamtschule in Istanbul über türkisches Kino, als zwei Männer im Klassenzimmer stehen.
......
Sie tragen graue Anzüge und sprechen leise: Aus Ankara seien sie und hätten ein paar Fragen.
......
Erste Frage: "Wie hieß Atatürks Großmutter?"
......
Die Männer arbeiten für das Bildungsministerium; sie überwachen in den Schulen, ob die "Bildungsstandards" eingehalten werden. In der Türkei bedeutet das: Was wissen die Kinder über Mustafa Kemal Atatürk, den Gründer der Republik? Was über die Flagge, das Militär, die Nation?
......
Der Lehrer weiß: Wenn den Männern aus Ankara die Antworten der Schüler nicht gefallen, ist er seinen Job los.
......
Der Staatsgründer ist allgegenwärtig
Jetzt gießt Azad Türkmen sich im Lehrerzimmer einen warmen Cay ein. "Du denkst, an den Schulen sollte die Wissenschaft im Vordergrund stehen, aber nein: Alles dreht sich nur um Atatürk." Im Geschichtsunterricht sei für die Antike kein Platz, für die Französische Revolution nicht, allenfalls für Hitler. Selbst in Fächern wie Mathematik und Biologie stehe Atatürk im Mittelpunkt: "Wir erklären sogar den Dreisatz am Beispiel Atatürks", sagt Türkmen sarkastisch. In Mathe komme Atatürk in jeder zweiten Sachaufgabe vor, etwa mit Anekdoten aus seinem Leben. Und gehe es um Größenordnungen, werde die Truppenstärke der türkischen Armee mit jener der Allierten im Ersten Weltkrieg verglichen.
......
"Ohne Atatürk hätten wir hier längst die Scharia", sagt auch Sila Hacilar. Die Direktorin der Firuzaga-Gesamtschule ist keine glühende Nationalistin. Aber sie sieht den Kemalismus als das kleinere Übel, als Schluckimpfung gegen den islamischen Fundamentalismus, der die Frauen wieder unter das Kopftuch zwinge und die Jungs in die Moschee.
Zu Unrecht, findet Harry Tzimitras, Politikprofessor an der liberalen Istanbuler Bilgi Universität: "Atatürk würde sich im Grab umdrehen, wüsste er, welche Leute heute in seinem Namen sprechen." Tatsächlich sei nicht die Religion verantwortlich für fehlende Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei - sondern die alten nationalistischen Dogmen: die Glorifizierung Atatürks, die beherrschende Rolle des Militärs, überbordender Nationalstolz.
Seinen Anfang nimmt das alles in der türkischen Grundschule. Sie verpflichtet die Kinder auf einen politischen Personenkult, der ihnen Atatürk zu einem Vater neben ihrem eigenen Vater werden lässt.
"Es ist gefährlich, schon Kinder mit nationalistischer Propaganda zu vergiften", sagt Harry Tzimitras. Atatürk habe sich als Staatsmann um die Türkei verdient gemacht und sei ein Modernisierer gewesen, sogar ein Freiheitskämpfer. Aber er sei eben auch zum Diktator geworden, der den Türken eine neue Kultur und Erziehung verordnete, der Gegner verfolgen und hinrichten ließ. Davon freilich sei in türkischen Schulbüchern nichts zu lesen.
......
Die Glocke läutet das Wochenende ein.
......
Dann stehen alle wie auf Kommando still: Rektor, Lehrer, Schüler. Ein Lautsprecher knarzt, ein feuriger Militärmarsch brummt über den Hof. Die Schüler posieren wie Soldaten, die Hände an die Oberschenkel gedrückt, den Blick auf die Büste. Und sie singen vom großen Volk der Türken, von seinem Führer Mustafa Kemal.
......
Ich hoffe ich habe nicht zu viele textstellen kopiert
Ich bitte um sachlichkeit, würde mich über ein harmonisches diskussionsklima sehr freuen.
Lasst unseren meinungs- und informationstausch nicht durch provokationen und zänkischen
äusserungen behindern.
Ganzer artikel:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/...sogar-den-dreisatz-mit-atatuerk-a-675820.html