Türkei: Tag der Unabhängigkeit

Ottoman

Well-Known Member
In der Türkei gibt es diverse Feiertage wie:

- 30. August Zafer Bayramı (Feiertag des Sieges) - Erinnerung an den entscheidenden Sieg des „Başkomutanlık Meydan Savaşı“ im türkischen Befreiungskrieg

- 2. Oktober Cumhuriyet Bayramı (Feiertag der Republik - Nationalfeiertag, Erinnerung an die Ausrufung der Republik durch Atatürk im Jahre 1923


In den meisten Ländern werden diese Feiertage groß gefeiert, wie z.B. die Unabhängigkeitserklärung am 4'ten Juli (USA).

Augenfällig in der Türkei ist, dass die oben genannten Feirtage immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden. Der Feiertag des Sieges wurde nun zum zweiten Mal abgesagt. Meiner Ansicht nach, möchte man dadurch auch Atatürk in den Hintergrund drängen. Welche Entwicklungen habt ihr in der Türkei festgestellt?
 

Leo_69

Well-Known Member
AW: Türkei: Tag der Unabhängigkeit

Juppi wieder ein Tag frei :))

Nein, also das Atatürk von der jetzigen Regierung mehr und mehr versucht wird in den *Hintergrund zu drängen* ist offensichtlig.
Aber bei seiner Beliebtheit,Allah sei Dank, nur eine Wunschvorstellung einer extremislamischen Führungsperson.
 

Ottoman

Well-Known Member
AW: Türkei: Tag der Unabhängigkeit

Befreiungskrieg und Republiksgründung (1919–1924)

Am 15. Mai 1919, unmittelbar vor Mustafa Kemals Einschiffung nach Samsun, hatte die von der britischen Regierung unterstützte griechische Invasion in Smyrna (heute Izmir) begonnen. Diese ging dann in eine östliche Expansionsbewegung griechischer Truppen über, die von der Regierung in Konstantinopel nicht verhindert werden konnte. Generalinspekteur Mustafa Kemal machte sich daraufhin umgehend daran, den Widerstand gegen die Besatzungsmächte zu organisieren und leistete den Telegrammen aus Konstantinopel, die seine Rückberufung anordneten, keine Folge. Auf seine Entlassung reagierte er mit dem Ablegen der Uniform und der Einberufung von Kongressen in Erzurum und Sivas sowie der Gründung der Nationalversammlung 1920 in Ankara (Ankara wurde in der Folge nach und nach zur neuen türkischen Hauptstadt ausgebaut). Diese machte ihn zu ihrem Vorsitzenden und ernannte eine gegen den Sultan und die Alliierten gerichtete Regierung.

Den von der Regierung in Konstantinopel am 10. August 1920 unterschriebenen Friedensvertrag von Sèvres, der eine weitgehende Kontrolle der Alliierten (Briten, Franzosen, Griechen, Russen, Armenier und Italiener) über einen osmanischen Reststaat festschrieb, lehnte die Große Nationalversammlung empört ab und erklärte die Unterzeichner zu Verrätern.

Im Januar und im März 1921 errangen die Truppen der Befreiungsarmee im türkischen Befreiungskrieg unter Führung des Kommandeurs der Westfront Oberst İsmet bei İnönü zwei große Siege über die Griechen. Nunmehr wurde Mustafa Kemal von der Nationalversammlung zum Oberbefehlshaber ernannt. Angesichts nochmaliger griechischer Truppenverstärkungen ordnete Mustafa Kemal einen vorläufigen taktischen Rückzug hinter den Fluss Sakarya an und ließ sich in Vorbereitung des Entscheidungskampfes mit unbegrenzten Vollmachten ausstatten. Mit einem die Griechen überraschenden Konzept flexibler Flächenverteidigung – statt eines starren Stellungskriegs – gelang es ihm am Sakarya im August 1921, die Griechen unter Generalmajor Nikolaos Trikoupis erneut zurückzuschlagen. Fünf von acht griechischen Divisionen wurden dabei vollständig aufgerieben. Mustafa Kemal wurde dafür im September 1921 von der Nationalversammlung zum Marschall (türk.: Mareşal) ernannt.

Noch waren die Griechen aber nicht endgültig geschlagen. Erst nach einem weiteren Jahr des Kräftesammelns gelang es Mustafa Kemal mit einem Überraschungsangriff bei Dumlupınar am 26. August 1922, seinen Triumph zu vollenden und die griechischen Truppen vernichtend in die Flucht zu schlagen. Der Vertrag von Sèvres war damit zugleich hinfällig und wurde nach Verhandlungen mit der, nun von den Alliierten anerkannten, Regierung in Ankara 1923 durch den Vertrag von Lausanne (türk.: Lozan, Name von Straßen und Plätzen) ersetzt, der – bis auf die Meerengen und das 1939 angeschlossene Gebiet von İskenderun – die Souveränität der Türkei in den heute bestehenden Grenzen herstellte. In der Folge mussten eineinhalb Millionen Griechen Kleinasien verlassen und eine halbe Million Türken aus Griechenland in die Türkei umsiedeln.

Mit seiner auf den eigenen Machterhalt gerichteten nachgiebigen Haltung gegenüber den Alliierten hatte Sultan Mehmet VI. Vahideddin sich selbst und seine Stellung nachhaltig diskreditiert. Die von Mustafa Kemal im November 1922 energisch betriebene Abschaffung des Sultanats stieß deshalb zunächst kaum auf Widerstand. Ein Kalif (Abdülmecit II.) war danach das nominelle Staatsoberhaupt des alten Osmanischen Reiches. Am 29. Oktober 1923 wurde schließlich durch eine große Verfassungsänderung die Republik Türkei gegründet, geleitet von einem Präsidenten als Regierungsspitze und alleinigem Inhaber der Exekutive. Ein Amt, das auf Anspruch und Stellung von Mustafa Kemal zugeschnitten war. Daneben gab es noch den in Istanbul residierenden Kalifen.

Nicht nur in ihren Anfängen, sondern bis heute ist die Republik Türkei mit Mustafa und seinem Namen engstens verknüpft. Seine politischen Leitlinien, die Prinzipien des Kemalismus, werden offiziell weiterhin hochgehalten. Es sind dies: Republikanismus im Sinne von Volkssouveränität, Nationalismus als Wendung gegen den Vielvölkerstaat des osmanischen Zuschnitts, Populismus als Ausdruck einer auf die Interessen des Volkes, nicht einer Klasse gerichteten Politik, Revolutionismus im Sinne einer stetigen Fortführung von Reformen, Laizismus, d. h. Trennung von Staat und Religion, und Etatismus mit partieller staatlicher Wirtschaftslenkung.

Zur Absicherung der neuen Staatsordnung und zur Durchsetzung des Leitbilds einer laizistischen Republik musste aber nicht nur mit dem Sultanat der Osmanen gebrochen werden, sondern auch mit dem Kalifat. Als Kalifen waren die osmanischen Herrscher „der Schatten Gottes auf Erden“ und damit auch die religiösen Oberhäupter aller Muslime. Um bei der Republik-Gründung nicht die geballte Opposition der Strenggläubigen hervorzurufen, hatte Mustafa Kemal, als er den Sultan ins Exil zwang, die Würde des Kalifen zunächst auf dessen Cousin Abdülmecit II. übertragen lassen. 1924 schien ihm dann der Zeitpunkt gekommen, auch diesen Sammelpunkt von Anhängern der alten Ordnung zu beseitigen. Am 3. März 1924 beschloss die Nationalversammlung die Abschaffung des Kalifenamts. Am Tag darauf mussten alle Angehörigen der Familie Osman die Türkei verlassen. In der Folge wurden die Derwischklöster und die religiösen Gerichtshöfe geschlossen, Religionsschulen für Geistliche und Richter aufgelöst, die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt und alle Schulen einem Erziehungsministerium unterstellt.
 

atrop

Member
AW: Türkei: Tag der Unabhängigkeit

Befreiungskrieg und Republiksgründung (1919–1924)

Am 15. Mai 1919, unmittelbar vor Mustafa Kemals Einschiffung nach Samsun, hatte die von der britischen Regierung unterstützte griechische Invasion in Smyrna (heute Izmir) begonnen. Diese ging dann in eine östliche Expansionsbewegung griechischer Truppen über, die von der Regierung in Konstantinopel nicht verhindert werden konnte. Generalinspekteur Mustafa Kemal machte sich daraufhin umgehend daran, den Widerstand gegen die Besatzungsmächte zu organisieren und leistete den Telegrammen aus Konstantinopel, die seine Rückberufung anordneten, keine Folge. Auf seine Entlassung reagierte er mit dem Ablegen der Uniform und der Einberufung von Kongressen in Erzurum und Sivas sowie der Gründung der Nationalversammlung 1920 in Ankara (Ankara wurde in der Folge nach und nach zur neuen türkischen Hauptstadt ausgebaut). Diese machte ihn zu ihrem Vorsitzenden und ernannte eine gegen den Sultan und die Alliierten gerichtete Regierung.

Den von der Regierung in Konstantinopel am 10. August 1920 unterschriebenen Friedensvertrag von Sèvres, der eine weitgehende Kontrolle der Alliierten (Briten, Franzosen, Griechen, Russen, Armenier und Italiener) über einen osmanischen Reststaat festschrieb, lehnte die Große Nationalversammlung empört ab und erklärte die Unterzeichner zu Verrätern.

Im Januar und im März 1921 errangen die Truppen der Befreiungsarmee im türkischen Befreiungskrieg unter Führung des Kommandeurs der Westfront Oberst İsmet bei İnönü zwei große Siege über die Griechen. Nunmehr wurde Mustafa Kemal von der Nationalversammlung zum Oberbefehlshaber ernannt. Angesichts nochmaliger griechischer Truppenverstärkungen ordnete Mustafa Kemal einen vorläufigen taktischen Rückzug hinter den Fluss Sakarya an und ließ sich in Vorbereitung des Entscheidungskampfes mit unbegrenzten Vollmachten ausstatten. Mit einem die Griechen überraschenden Konzept flexibler Flächenverteidigung – statt eines starren Stellungskriegs – gelang es ihm am Sakarya im August 1921, die Griechen unter Generalmajor Nikolaos Trikoupis erneut zurückzuschlagen. Fünf von acht griechischen Divisionen wurden dabei vollständig aufgerieben. Mustafa Kemal wurde dafür im September 1921 von der Nationalversammlung zum Marschall (türk.: Mareşal) ernannt.

Noch waren die Griechen aber nicht endgültig geschlagen. Erst nach einem weiteren Jahr des Kräftesammelns gelang es Mustafa Kemal mit einem Überraschungsangriff bei Dumlupınar am 26. August 1922, seinen Triumph zu vollenden und die griechischen Truppen vernichtend in die Flucht zu schlagen. Der Vertrag von Sèvres war damit zugleich hinfällig und wurde nach Verhandlungen mit der, nun von den Alliierten anerkannten, Regierung in Ankara 1923 durch den Vertrag von Lausanne (türk.: Lozan, Name von Straßen und Plätzen) ersetzt, der – bis auf die Meerengen und das 1939 angeschlossene Gebiet von İskenderun – die Souveränität der Türkei in den heute bestehenden Grenzen herstellte. In der Folge mussten eineinhalb Millionen Griechen Kleinasien verlassen und eine halbe Million Türken aus Griechenland in die Türkei umsiedeln.

Mit seiner auf den eigenen Machterhalt gerichteten nachgiebigen Haltung gegenüber den Alliierten hatte Sultan Mehmet VI. Vahideddin sich selbst und seine Stellung nachhaltig diskreditiert. Die von Mustafa Kemal im November 1922 energisch betriebene Abschaffung des Sultanats stieß deshalb zunächst kaum auf Widerstand. Ein Kalif (Abdülmecit II.) war danach das nominelle Staatsoberhaupt des alten Osmanischen Reiches. Am 29. Oktober 1923 wurde schließlich durch eine große Verfassungsänderung die Republik Türkei gegründet, geleitet von einem Präsidenten als Regierungsspitze und alleinigem Inhaber der Exekutive. Ein Amt, das auf Anspruch und Stellung von Mustafa Kemal zugeschnitten war. Daneben gab es noch den in Istanbul residierenden Kalifen.

Nicht nur in ihren Anfängen, sondern bis heute ist die Republik Türkei mit Mustafa und seinem Namen engstens verknüpft. Seine politischen Leitlinien, die Prinzipien des Kemalismus, werden offiziell weiterhin hochgehalten. Es sind dies: Republikanismus im Sinne von Volkssouveränität, Nationalismus als Wendung gegen den Vielvölkerstaat des osmanischen Zuschnitts, Populismus als Ausdruck einer auf die Interessen des Volkes, nicht einer Klasse gerichteten Politik, Revolutionismus im Sinne einer stetigen Fortführung von Reformen, Laizismus, d. h. Trennung von Staat und Religion, und Etatismus mit partieller staatlicher Wirtschaftslenkung.

Zur Absicherung der neuen Staatsordnung und zur Durchsetzung des Leitbilds einer laizistischen Republik musste aber nicht nur mit dem Sultanat der Osmanen gebrochen werden, sondern auch mit dem Kalifat. Als Kalifen waren die osmanischen Herrscher „der Schatten Gottes auf Erden“ und damit auch die religiösen Oberhäupter aller Muslime. Um bei der Republik-Gründung nicht die geballte Opposition der Strenggläubigen hervorzurufen, hatte Mustafa Kemal, als er den Sultan ins Exil zwang, die Würde des Kalifen zunächst auf dessen Cousin Abdülmecit II. übertragen lassen. 1924 schien ihm dann der Zeitpunkt gekommen, auch diesen Sammelpunkt von Anhängern der alten Ordnung zu beseitigen. Am 3. März 1924 beschloss die Nationalversammlung die Abschaffung des Kalifenamts. Am Tag darauf mussten alle Angehörigen der Familie Osman die Türkei verlassen. In der Folge wurden die Derwischklöster und die religiösen Gerichtshöfe geschlossen, Religionsschulen für Geistliche und Richter aufgelöst, die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt und alle Schulen einem Erziehungsministerium unterstellt.

Danke für die Zusammenfassung. Ich kann nur sagen, dass man selbst von seinen Briefen an Lenin entnehmen kann wie mutig er sich damals den größten Mächten der Welt gestellt hat ohne jegliche Verlustängste zu akzeptieren. Seine Taten werden heutzutage in den ganzen "Turan-Völkern" geehrt. Und das zu Recht!
 
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