AW: Traumjob - Was wolltet ihr werden und was seid ihr geworden?
als kind wollte ich "ein alter weiser mann" sein. mein vater dröhnte uns kindern damit voll, dass geld sehr wichtig sei und erzählte uns von seinen negativen erfahrungen aus der türkei, die irgendwie immer mit dem mangel an geld zusammenhingen. also dachte ich mir, dass das wichtigste im leben geld sei... als jugendlicher entdeckte ich zufällig in der zeitung ein bericht über einen ermordeten programmierer (wesentlich dabei war die angabe des einkommens: 7000,- dm!). "wow!", dachte ich mirund entschied mich programmierer zu sein. laut testbögen für die berufliche orientierung (nach der hauptschule) hätte ich eher etwas im künstlerischen bereich was werden sollen: schaufenstergestalter, maler etc.
aber ich blieb bei meinem vorsatz - stur wie ich bin - und machte die realschule, das techn. gymnasium nach und studierte an der akademie für datenverarbeitung. mein wille war so stark "gute noten zu haben", dass manche lehre meine noten zu meinem gunsten verbesserten. dass sie das taten verstanden ich nicht, war mir auch egal. ich war schlechter als das, was meine noten spiegelten - war ja auch nicht mein "gebiet"... die wirklich ausbildung fand dann im berufsleben statt. programmierung bis zum zusammenbruch! *lacht* verdient habe ich als programmierer in diesen jahren der harten schule weniger als 5000,- dm brutto.
zwischendurch war mein wunsch "selbstständig zu sein". das ging, wie in meiner vorstellung gesagt, voll in die hose, wo ich anfing über mich selbst zu reflektieren. ich kam damals in die fänge der scientology und wollte auditor werden und clear und ot. drei monate spielte ich dort mit und erkannte durch die rosarote brille der verblendung nicht, ein skalve gewesen zu sein - ich war also auch ein skalve! *lacht* .... und merkwürdigerweise war ich das sehr gerne - nur wenn das problem mit dem geld nicht gewesen wäre. ich flog raus (mein vater forderte das ganze geld erfolgreich zurück), ich erhielt den status eines "feindes" und erlitt depressionen, die sieben jahre anhielten.:vogel)
durch harte arbeit konnte ich mich wieder moralisch stabilisieren und fand meine affinität zur programmierung zurück und arbeitete die letzten 8 jahre für eine softwarefirma. in der zwischenzeit bin ich geläutert (jede ideologie/idiotie ist mir zuwider) und ohne drang ein vermögen zu verdienen lebe ich nur für diesen einen tag.
es mag der anschein einer verworrenen lebensgeschichte sein, doch ich glaube an keine zufälligen zufälle.... es war gut, dass alles so passiert ist, wie es passiert ist, denn schließlich bin ich hier gelandet, nicht wahr? :lol: