grünesblau
Well-Known Member
Jassas zusammen, bin wieder im Lande nach 9 Tagen Griechenland. Um einige Erfahrungen reicher und ich vermisse schon jetzt die weiche Mittelmeerluft!
Habe Fatih Akins griechischen Doppelgänger getroffen. Er heißt Vangelis, liebt den Winter und putzt lieber Pools, statt sein ästhetisches Empfinden als Werbezeichner zu vergewaltigen. Wenn man ihm dabei zuguckt, hat das meditativen Wert. In der Ruhe liegt die Kraft und die ausgedehnte Zigarettenpause. Verbrachten einen Abend mal ein paar Stunden an der Bar und haben uns halb schlapp gelacht. Da meine Freundin ja Griechin ist, konnten wir offen reden, während er die Engländer bediente. Selten einen Menschen getroffen, der sich so sympathisch dumm stellen kann und dabei so flink im Kopp ist. Als wir heute gingen, sagte ihm meine Freundin, wir kämen wieder. Er lächelte und sagte: „Nein, das glaube ich nicht. Das Leben ist kurz und die Welt ist groß.“ Heute Abend wird er Fatih Akin googeln. ;-)
Mit einer Griechin vor Ort zu sein, hat klare Vorteile, aber auch manchmal einen bitteren Beigeschmack. Wir bekamen die „griechische Speisekarte“, also mehr Vielfalt und kleinere Preise. Wurden wir angesprochen, um in Läden gelockt oder für Ausflüge gewonnen zu werden und meine Freundin winkte auf Griechisch ab, wurde sich entschuldigt. Frei nach dem Motto: oh, Entschuldigung, ich dachte, Ihr seid Touristen, fast hätte ich Euch verarscht. Ein Taxifahrer legte noch einen drauf und meinte, es sei ja noch nichts passiert, jetzt wisse er ja, dass wir Griechen seien. Zeigte sich am Taxameter. Aber ich fühlte mich schon manchmal unwohl, meine Klappe zu halten, um nicht den Stempel abzubekommen. Natürlich passierte es trotzdem mal. „Ach, das sind nur Deutsche“ hörte meine Freundin einen abfällig sagen, als wir uns unterhielten und eine Sitznachbarin schimpfte, der Deutsche an sich sei böse und würdigte mich keines Blickes. Viele redeten nur noch mit meiner Freundin und ich war Luft. Sie kam da kaum gegen an. Ein Hotelmitarbeiter sagte, ich würde sein Bild über Deutsche verändern, weil ich strahle, offen und herzlich sei. Meine Güte! So fühlt man sich also, wenn man die „falsche“ Staatsangehörigkeit hat!
Ich hab mich tatsächlich gefreut, wenn Staatsangehörigkeit unwichtig war.
Einen Tag sind wir durch ein abgelegenes Stadtviertel gelaufen, weil wir zu Fuß von einem weiter entfernten Strand zurück wanderten. Wir kamen an einem kleinen Laden vorbei, der Blumen, Kräuter und handgemachte Tonware verkaufte und zwar nicht die typische Massenware, die wir sonst in jedem Laden gesehen hatten. Ich hatte zuvor vergeblich nach einem Mitbringsel für meine Mutter Ausschau gehalten und sah nun gleich viele Dinge auf einmal, die ich auf Anhieb wunderschön fand. Die Verkäuferin kam hinzu, sah meine Begeisterung und zeigte mir mehr. Den Preis trieb sie indes nicht hoch, günstiger ging es echt nicht. So suchte ich gleich ein paar mehr Dinge aus und sie packte alles liebevoll ein, damit es auch den Transport überleben würde und wollte mir gerne etwas schenken. Als meine Freundin daraufhin meinte, dass ich passender Weise Geburtstag hätte, kannte ihre Herzlichkeit keine Grenzen mehr. Ich wurde umarmt, mit Küsschen und guten Wünschen übersäht. Zudem suchte sie mir etwas aus, bei dem sie auch noch genau darauf achtete, was sie zuvor an meinem Geschmack erkannt hatte. Ich gucke jetzt immer auf ein kleines Väschen und denk an Efi, die griechische Oma mit Feuer und einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht!
Meine Freundin überraschte mich überdies abends mit einer Geburtstagstorte (ich weiß nicht, wann ich zuletzt mal eine hatte), indem sie den Inhaber unseres Lieblingslokals beauftragte. Der kreuzte nach dem Essen damit auf und wir versorgten dann die Kinder der umliegenden Tische. Ich bekam sogar ein Küsschen von einem kleinen Mädchen und obwohl ich kein Wort verstand, sei es von den Eltern oder den Kindern, reichte allen, als ich lächelte. Man muss dazu sagen, dass halt viele Griechen gerade Urlaub hatten und wir ohnedies das Lokal ausgesucht hatten, weil dort vor allem die Griechen essen gingen. Der Qualitätsverdacht bestätigte sich, weshalb es eben unser liebster Laden wurde.
Schade, dass der Urlaub vorüber ist. Egal, wie das spontane Tagesprogramm aussah, ich war jeden Tag im Meer schwimmen, aß frischen Fisch, inhalierte die sanfte Abendluft und schlief ein, als würde ich wohlig schwer in eine Hängematte sinken. Morgens gab es wahlweise warmen oder eiskalten Kaffee, hausgemachte Marmelade, Joghurt mit Honig und eine lauwarme Brise um die Nase. Und dazu waren ausnahmslos alle Mitarbeiter (es war ein kleines Hotel) herrlich authentisch. Als wir für den Abreisetag fragten, ob wir zur Sicherheit einen zusätzlichen Weckanruf haben können, bekamen wir unabhängig voneinander dreifach die grinsende Ansage, wir sollten uns auf jeden Fall lieber auf unsere Handys verlassen. :-D
Dafür waren heute Morgen fast alle da und obwohl wir traurig waren, gehen zu müssen, gingen wir mit einem Lächeln.
Habe Fatih Akins griechischen Doppelgänger getroffen. Er heißt Vangelis, liebt den Winter und putzt lieber Pools, statt sein ästhetisches Empfinden als Werbezeichner zu vergewaltigen. Wenn man ihm dabei zuguckt, hat das meditativen Wert. In der Ruhe liegt die Kraft und die ausgedehnte Zigarettenpause. Verbrachten einen Abend mal ein paar Stunden an der Bar und haben uns halb schlapp gelacht. Da meine Freundin ja Griechin ist, konnten wir offen reden, während er die Engländer bediente. Selten einen Menschen getroffen, der sich so sympathisch dumm stellen kann und dabei so flink im Kopp ist. Als wir heute gingen, sagte ihm meine Freundin, wir kämen wieder. Er lächelte und sagte: „Nein, das glaube ich nicht. Das Leben ist kurz und die Welt ist groß.“ Heute Abend wird er Fatih Akin googeln. ;-)
Mit einer Griechin vor Ort zu sein, hat klare Vorteile, aber auch manchmal einen bitteren Beigeschmack. Wir bekamen die „griechische Speisekarte“, also mehr Vielfalt und kleinere Preise. Wurden wir angesprochen, um in Läden gelockt oder für Ausflüge gewonnen zu werden und meine Freundin winkte auf Griechisch ab, wurde sich entschuldigt. Frei nach dem Motto: oh, Entschuldigung, ich dachte, Ihr seid Touristen, fast hätte ich Euch verarscht. Ein Taxifahrer legte noch einen drauf und meinte, es sei ja noch nichts passiert, jetzt wisse er ja, dass wir Griechen seien. Zeigte sich am Taxameter. Aber ich fühlte mich schon manchmal unwohl, meine Klappe zu halten, um nicht den Stempel abzubekommen. Natürlich passierte es trotzdem mal. „Ach, das sind nur Deutsche“ hörte meine Freundin einen abfällig sagen, als wir uns unterhielten und eine Sitznachbarin schimpfte, der Deutsche an sich sei böse und würdigte mich keines Blickes. Viele redeten nur noch mit meiner Freundin und ich war Luft. Sie kam da kaum gegen an. Ein Hotelmitarbeiter sagte, ich würde sein Bild über Deutsche verändern, weil ich strahle, offen und herzlich sei. Meine Güte! So fühlt man sich also, wenn man die „falsche“ Staatsangehörigkeit hat!
Ich hab mich tatsächlich gefreut, wenn Staatsangehörigkeit unwichtig war.
Einen Tag sind wir durch ein abgelegenes Stadtviertel gelaufen, weil wir zu Fuß von einem weiter entfernten Strand zurück wanderten. Wir kamen an einem kleinen Laden vorbei, der Blumen, Kräuter und handgemachte Tonware verkaufte und zwar nicht die typische Massenware, die wir sonst in jedem Laden gesehen hatten. Ich hatte zuvor vergeblich nach einem Mitbringsel für meine Mutter Ausschau gehalten und sah nun gleich viele Dinge auf einmal, die ich auf Anhieb wunderschön fand. Die Verkäuferin kam hinzu, sah meine Begeisterung und zeigte mir mehr. Den Preis trieb sie indes nicht hoch, günstiger ging es echt nicht. So suchte ich gleich ein paar mehr Dinge aus und sie packte alles liebevoll ein, damit es auch den Transport überleben würde und wollte mir gerne etwas schenken. Als meine Freundin daraufhin meinte, dass ich passender Weise Geburtstag hätte, kannte ihre Herzlichkeit keine Grenzen mehr. Ich wurde umarmt, mit Küsschen und guten Wünschen übersäht. Zudem suchte sie mir etwas aus, bei dem sie auch noch genau darauf achtete, was sie zuvor an meinem Geschmack erkannt hatte. Ich gucke jetzt immer auf ein kleines Väschen und denk an Efi, die griechische Oma mit Feuer und einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht!
Meine Freundin überraschte mich überdies abends mit einer Geburtstagstorte (ich weiß nicht, wann ich zuletzt mal eine hatte), indem sie den Inhaber unseres Lieblingslokals beauftragte. Der kreuzte nach dem Essen damit auf und wir versorgten dann die Kinder der umliegenden Tische. Ich bekam sogar ein Küsschen von einem kleinen Mädchen und obwohl ich kein Wort verstand, sei es von den Eltern oder den Kindern, reichte allen, als ich lächelte. Man muss dazu sagen, dass halt viele Griechen gerade Urlaub hatten und wir ohnedies das Lokal ausgesucht hatten, weil dort vor allem die Griechen essen gingen. Der Qualitätsverdacht bestätigte sich, weshalb es eben unser liebster Laden wurde.
Schade, dass der Urlaub vorüber ist. Egal, wie das spontane Tagesprogramm aussah, ich war jeden Tag im Meer schwimmen, aß frischen Fisch, inhalierte die sanfte Abendluft und schlief ein, als würde ich wohlig schwer in eine Hängematte sinken. Morgens gab es wahlweise warmen oder eiskalten Kaffee, hausgemachte Marmelade, Joghurt mit Honig und eine lauwarme Brise um die Nase. Und dazu waren ausnahmslos alle Mitarbeiter (es war ein kleines Hotel) herrlich authentisch. Als wir für den Abreisetag fragten, ob wir zur Sicherheit einen zusätzlichen Weckanruf haben können, bekamen wir unabhängig voneinander dreifach die grinsende Ansage, wir sollten uns auf jeden Fall lieber auf unsere Handys verlassen. :-D
Dafür waren heute Morgen fast alle da und obwohl wir traurig waren, gehen zu müssen, gingen wir mit einem Lächeln.