M
mar
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Wenn wir sterben, bleiben wir tot: Richard Rorty ironisiert in »Philosophie als Kulturpolitik« den Hochmut der Vernunft
ZITAT :
Der Westen sagt viel zu oft: »Ich vernünftig, Du Jane«
Es stimmt, Rorty, der unmissverständlich Linksliberale, war ein amerikanischer Patriot, wie es ihn wohl nur in den Vereinigten Staaten gibt. Aber er war nicht das, was Renegaten und Neocons hierzulande gern aus ihm gemacht hätten – ein militanter Postmoderner, der den UN die kalte Schulter zeigt und für seinen Präsidenten geistig in die Schlacht zieht. Rorty sagt eben nicht: »Andere Länder, andere Sitten.« Im Gegenteil, es gab für ihn nichts Schlimmeres als Grausamkeit und Unfreiheit. Aber Rorty wollte dem westlichen Universalismus, der diese Grausamkeit und Unfreiheit bekämpft, die Arroganz ausreden, die Anmaßungen der Vernunft und damit jede Geste von Macht.
In einem Aufsatz über Solidarität in der Weltgesellschaft fragt Rorty, warum der westliche Universalismus in der nichtwestlichen Welt so wenig Freunde findet. Warum sind viele Menschen so »unvernünftig« und wollen unserer fabelhaften abendländischen Rationalität nicht nacheifern? Rorty sagt es recht hemdsärmelig mit einem Satz des Philosophen Ian Hacking: Weil der Westen den Angehörigen anderer Gesellschaften mit dem Satz begegnet »Ich vernünftig, Du Jane.« Doch die Rationalität, auf die sich der Westen stolz beruft, existiert für Rorty nicht. Es gibt für ihn keine transkulturell gültigen moralischen Aussagen, keine abstrakte Autorität namens Vernunft. Anders als Jürgen Habermas glaubt er nicht daran, es gebe eine »kontextfreie gültige Vernunft«, die wir nur anrufen müssen, damit sie uns den Weg weist und »irgendwelche Verfügungen erlässt«. Die Verfügungen der Vernunft, die in Majuskeln am Himmel der Weltgesellschaft zu lesen sind, haben wir zuvor selbst hinaufprojiziert.
der ganze artikel hier :
http://www.zeit.de/2008/33/ST-Rorty
ZITAT :
Der Westen sagt viel zu oft: »Ich vernünftig, Du Jane«
Es stimmt, Rorty, der unmissverständlich Linksliberale, war ein amerikanischer Patriot, wie es ihn wohl nur in den Vereinigten Staaten gibt. Aber er war nicht das, was Renegaten und Neocons hierzulande gern aus ihm gemacht hätten – ein militanter Postmoderner, der den UN die kalte Schulter zeigt und für seinen Präsidenten geistig in die Schlacht zieht. Rorty sagt eben nicht: »Andere Länder, andere Sitten.« Im Gegenteil, es gab für ihn nichts Schlimmeres als Grausamkeit und Unfreiheit. Aber Rorty wollte dem westlichen Universalismus, der diese Grausamkeit und Unfreiheit bekämpft, die Arroganz ausreden, die Anmaßungen der Vernunft und damit jede Geste von Macht.
In einem Aufsatz über Solidarität in der Weltgesellschaft fragt Rorty, warum der westliche Universalismus in der nichtwestlichen Welt so wenig Freunde findet. Warum sind viele Menschen so »unvernünftig« und wollen unserer fabelhaften abendländischen Rationalität nicht nacheifern? Rorty sagt es recht hemdsärmelig mit einem Satz des Philosophen Ian Hacking: Weil der Westen den Angehörigen anderer Gesellschaften mit dem Satz begegnet »Ich vernünftig, Du Jane.« Doch die Rationalität, auf die sich der Westen stolz beruft, existiert für Rorty nicht. Es gibt für ihn keine transkulturell gültigen moralischen Aussagen, keine abstrakte Autorität namens Vernunft. Anders als Jürgen Habermas glaubt er nicht daran, es gebe eine »kontextfreie gültige Vernunft«, die wir nur anrufen müssen, damit sie uns den Weg weist und »irgendwelche Verfügungen erlässt«. Die Verfügungen der Vernunft, die in Majuskeln am Himmel der Weltgesellschaft zu lesen sind, haben wir zuvor selbst hinaufprojiziert.
der ganze artikel hier :
http://www.zeit.de/2008/33/ST-Rorty