Zukunft oder no future?

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pauline09

Guest
AW: Zukunft oder no future?

Wie ich die Zukunft sehen? Komplett technisiert und vernetzt! Ich seh's ja an meinem Sohn: Apps, Twitter, Handyweb und ich raff gar nichts davon! All das innerhalb eines Jahres, wie weit wird es in 10 Jahren sein?

SpOn hat sich des Problems passenderweise heute angenommen: "Wie wir 2020 leben werden."

Ich werd die letzte sein, die immer noch Postkarten schreibt und Festnetzanschluss hat. :redface:

Nee, sicher nicht. :) Aber die Frage ist, ob es dann noch Festnetzanschlüsse gibt - und wer Postkarten zustellt: Vielleicht droht ihnen ja das gleiche Schicksal wie den guten, alten Vinyl-Schallplatten? Bunte Urlaubsbildchen lassen sich eh längst anders verbreiten, und sobald durchgängig seniorenfreundliche Plattformen und Geräte dazukommen, dürften Postkarten höchstens noch was für eingefleischte Romantiker und Nostalgiker sein.
 

Zerd

Well-Known Member
AW: Zukunft oder no future?

...

Will sagen, es ist egal, wie es früher war, oder um es mit Kool Savas zu sagen: Gestern ist Vergangenheit und morgen ein Rätsel, heute ist vielleicht der beste Tag deines Lebens.


Ich kenne Cool Savas nicht, aber ein ähnlicher Spruch wurde schon einmal in einer Star-Trek-Folge thematisiert und hatte mich damals beschäftigt, weil ich eine Sichtweise priorisiere, die man auf den ersten Blick fälschlicherweise als übereinstimmend mit diesem Spruch ansehen könnte.

Ich denke nämlich auch, dass man nur einen einzigen Augenblick wirklich lebt, nämlich den gerade erlebten. Tatsächlich ist er unsere einzige Schnittstelle zum realen Leben da draußen. Und er ist immer derselbe, solange wir leben. Er fängt irgendwann im Mutterleib an, wenn wir als empfindungsfähiges Wesen zu existieren beginnen, und hört am Ende unseres Lebens auf, wenn unser Lebenslicht und alles um uns herum erlischt. Dazwischen ist es immer nur dieser eine einzige Augenblick, der uns mit der Welt verbindet, in dem wir diese Welt und dieses Leben er-leben. So weit so gut.

In meiner Denke bedeutet das aber keinsesfalls eine Entwertung der Vergangenheit (ist ja schon vergangen!) oder der Zukunft (ein Rätsel, unbestimmt, usw.). Denn die Vergangenheit wirkt in diesem Augenblick in vollem Umfang mit. Er ist im gewissen Sinne das oder zumindest doch ein Ergebnis eben jener Vergangenheit, die jeden einzelnen von uns geformt hat und damit ganz wesentlich dafür verantwortlich ist, wie wir diesen einen Augenblick leben, bewerten, empfinden oder verwerten. Sie - unsere eigene Vergangenheit - ist damit in uns jederzeit präsent und wirksam. Und es stimmt auch nicht, dass diese Vergangenheit nun schon vergangen und damit unveränderbar wäre. Das mag für physische Vorkommnisse gelten, wenn ich etwa ein Bein verloren habe, das nicht mehr nachwachsen kann oder aufgrund von genetischen Prädispositionen bestimmte Eigenschaften oder Fähigkeiten habe oder nicht. Aber alles andere, was mit unserem geistigen bewussten oder unbewussten Umgang mit bestimmten Vorkommnissen der Vergangeneheit zu tun hat, lässt sich durchaus noch verändern und beeinflussen: ein tragisches Ereignis kann sich zu einem Glücksfall verwandeln, ein großer Verlust zu einem Gewinn, eine verschlossene Tür kann zehn andere Türen geöffnet haben. In diesem Rahmen sind uns zahllose Möglichkeiten gegeben, auch die Vergangenheit im nachhinein noch völlig zu verändern.

Und was die Zukunft betrifft, so bleibt daran gar nichts rätselhaftes unbestimmtes mehr, wenn wir uns dessen bewusst werden, dass es auch in Zukunft wieder derselbe eine Augenblick sein wird, der uns durch das Leben führt. Er wird wieder ganz wesentlich von unserer Vergangenheit (und damit auch davon, wie wir diesen Augenblick vorher, also auch gerade jetzt, gelebt haben) mitbestimmt sein. Und damit tragen wir einen ganz erheblichen Teil unserer Zukunft implizit, d.h. unentwickelt, immer in unserem Augenblick mit uns herum.

Dass es darüber hinaus natürlich immer nicht oder kaum beeinflussbare äußere Faktoren geben wird, bleibt davon gänzlich unberührt, denn es liegt immer an uns, an jedem einzelnen selbst, wie er mit diesen Faktoren umgeht.
 
E

Esmaaa

Guest
AW: Zukunft oder no future?

Aber alles andere, was mit unserem geistigen bewussten oder unbewussten Umgang mit bestimmten Vorkommnissen der Vergangeneheit zu tun hat, lässt sich durchaus noch verändern und beeinflussen: ein tragisches Ereignis kann sich zu einem Glücksfall verwandeln, ein großer Verlust zu einem Gewinn, eine verschlossene Tür kann zehn andere Türen geöffnet haben. In diesem Rahmen sind uns zahllose Möglichkeiten gegeben, auch die Vergangenheit im nachhinein noch völlig zu verändern.

Sehr schön! Ich hätte es "einfach" in etwa so ausgedrückt:

Die Vergangenheit prägt unsere Zukunft und durch das JETZT können wir jenes zum Guten/Schlechten umwandeln.
 

Grk..

Active Member
AW: Zukunft oder no future?

Das sind ja ganz gelehrte Sätze. Was mir fehlt: Wie stellst Du dir die Zukunft vor?

Vernetzung auf Kosten der Freiheit jedes Einzelnen. Die totale Vernetzung. Schleichend und unaufhörlich. Unter dem Deckmantel des technologischen Zeitgeistes und scheinbar "logischer" Arbeitserleichterungen. Davon immer mit Schlagworten und Argumenten wie z.B. Terrorismusbekämpfung flankiert.

Wir haben doch alle nichts zu verbergen
, oder...? Zumindest werden in Zukunft die Wegbereiter von einst mit dieser "Frage" zitiert werden können.
 
P

pauline09

Guest
AW: Zukunft oder no future?


Wir haben doch alle nichts zu verbergen
, oder...? Zumindest werden in Zukunft die Wegbereiter von einst mit dieser "Frage" zitiert werden können.

Ist das nicht jetzt schon ein geflügeltes Wort? :) Privacy gilt im 21. Jahrhundert als spießig und retro. Ist aber im Grunde nichts anderes als ein Neuaufguss des alten 68er Slogans, wonach Privates politisch und Politisches privat ist. "Die Revolution frisst ihre Kinder", heißt es - oder was sonst könnte man daraus schlussfolgern?

Tickt beispielsweise jemand wie FAZ-Guru Frank Schirrmacher ("Payback") vor allem biedermeierlich? Oder trägt er unabhängig von Trends und Marketingkalkül (jeder Trend verlangt früher oder später zwangsläufig nach einem Gegentrend) der Überlegung Rechnung, dass Menschen vor allem analog und nicht digital funktionieren wollen?

P.S. Vorsorglich muss ich dazu sagen, dass ich das viel diskutierte Buch bloß aus Rezensionen kenne. Weil ich nicht jeden Trend mitmachen muss und mich weigere, alles zu lesen bzw. gelesen-haben-zu-müssen. ;-)
 

Grk..

Active Member
AW: Zukunft oder no future?

Ist das nicht jetzt schon ein geflügeltes Wort? :) Privacy gilt im 21. Jahrhundert als spießig und retro. Ist aber im Grunde nichts anderes als ein Neuaufguss des alten 68er Slogans, wonach Privates politisch und Politisches privat ist. "Die Revolution frisst ihre Kinder", heißt es - oder was sonst könnte man daraus schlussfolgern?

Tickt beispielsweise jemand wie FAZ-Guru Frank Schirrmacher ("Payback") vor allem biedermeierlich? Oder trägt er unabhängig von Trends und Marketingkalkül (jeder Trend verlangt früher oder später zwangsläufig nach einem Gegentrend) der Überlegung Rechnung, dass Menschen vor allem analog und nicht digital funktionieren wollen?

P.S. Vorsorglich muss ich dazu sagen, dass ich das viel diskutierte Buch bloß aus Rezensionen kenne. Weil ich nicht jeden Trend mitmachen muss und mich weigere, alles zu lesen bzw. gelesen-haben-zu-müssen. ;-)

Frank Schirrmacher und sein Werk "Payback" ist eine Anregung für meine Literaturliste. Ob ich sie in diesem Leben abarbeiten kann, ist eine andere Frage:mrgreen: Nach den Rezensionen zum Werk und ersten Eindrücken bin ich geneigt zu sagen, dass Frank Schirrmacher Angriffsflächen für seine These bietet.

Noch ein paar Worte zur Vernetzung meines vorherigen Beitrags:

Sie umfasst nicht lediglich das Internet, Twitter, Facebook etc.

Der Bürger wird nicht nur aus reiner Informationssicht transparenter, gläserner werden, sondern auch in seinem Verhalten und seinen Gewohnheiten. Ein zukünftig durchaus eintretbares Horrorszenario könnte dann sein, dass eine bloße technische Erfassung, Protokollierung und technische "Alarmierung" die Unschuldsvermutung des Menschen außer Kraft setzt.

100% Bargeldloser Zahlungsverkehr als z.B. (EU-)staatliche Richtlinie. Teilnahme am protokollierten öffentlichen oder individuellen Verkehr. Arbeitsbeginn, Arbeitsende, Teilnahme am Verkehr, Konsum, Besuche, Zugang zur (Miet-)Wohnung usw. Kontobewegungen. Alles bisher nur informationelle Quellen, Inselerfassungen.

Bisher ist ELENA ein unbeholfenes Trampeltier. Aber es zeigt exemplarisch den Willen einer Regierung, unter Vorspiegelung falscher Absichten den Bürger allumfassend kennen zu wollen. Gleich ob konservative Parteien, oder die rot-grünen Väter von diesem Wesen in seinen ersten Grundzügen.

Ich finde dies alles im wahrsten Sinne des Wortes enttäuschend.
 
P

pauline09

Guest
AW: Zukunft oder no future?

Der Bürger wird nicht nur aus reiner Informationssicht transparenter, gläserner werden, sondern auch in seinem Verhalten und seinen Gewohnheiten. Ein zukünftig durchaus eintretbares Horrorszenario könnte dann sein, dass eine bloße technische Erfassung, Protokollierung und technische "Alarmierung" die Unschuldsvermutung des Menschen außer Kraft setzt.

Exakt der Gedanke kam mir (nicht zum ersten Mal) heute, als ich beim Stöbern in der Zeitung auf diesen Text stieß. Der Autor plädiert m.E. sehr richtig für einen möglichst zurückhaltenden Umgang mit der Vorratsdatenspeicherung (am besten wäre überhaupt, es gäbe sie gar nicht, aber dagegen stehen EU-Forderungen) - und schreibt mittendrin:

(...)Denn gerade weil die Vorratsdaten so präzise Einsichten in Kontakte, Bewegungen und Vorlieben jedes Einzelnen zulassen, sind sie für Polizei und Geheimdienste ein Schatz. Sie verraten Komplizen, entlarven Hintermänner – und manchmal entlasten sie auch Unschuldige. (...)

Bei allem Bemühen um neutrale Argumente, das Für und Wider: der letzte Halbsatz stellt rechtsstaatliche und bürgerrechtlich zu verteidigende Errungenschaften auf den Kopf.

Wenn technische Evolution dazu führt, dass individuelle Freiheiten jedes Einzelnen beschnitten werden, weil sich die im Zweifel bequeme, weil technisch und womöglich auch noch rechtlich abgesicherte Auffassung des "in dubio contra reo" (im Zweifel gegen die Sache, den Angeklagten) allgemein durchsetzen könnte, sehe ich allenfalls goldene Zeiten für Strafverteidiger voraus. Alle anderen zufällig Rastergefilterten fallen dann nämlich ebenfalls unter Generalverdacht und dürften mit Pech erstmal mühselig nachweisen müssen, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt eben nicht an einem bestimmten Ort waren.

Orwell lebt. 1984 war noch gleich wann? :icon_eyecrazy:
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: Zukunft oder no future?

Zumindest in diesem Forum sind die Pessimisten bisher eindeutig in der Mehrzahl. :-D

Was ist mit grüner Revolution ? (Was sowohl die ökologische als auch die demokratische Aufbruchsbewegung meint). Wie steht es mit Wandel durch Handel? Welche internationalen Institutionen werden in einer globalisierten zukünftigen Welt mehr Einfluss haben? Welche Rolle spielen NGOs in der Zukunft? Wie reagiert die 'Generation Facebook' auf díe allgemeine Datensammelwut?
 
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