Angst vor Gefühlen

cafedelsol

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AW: Angst vor Gefühlen

Liebe Cafedelsol,

ich bewundere dich! Ganz ehrlich- ich bewundere dich, dass du dich hier so öffnest und uns an deiner Lebensgeschichte teilhaben lässt. Ich sage einfach mal: Danke für das Vertrauen! Und merkst du: Du kannst dich öffnen- zwar hier noch in einem anonymen Rahmen, aber es zeigt, dass du die Grundfähigkeit dazu hast.
Ganz ehrlich- ich glaube, es ist die logische Konsequenz auf die schlimmen Ereignisse, die du durchleben mußtest, dass du irgendwann nicht mehr wußtest, wo du hingehörst, ob du Männer magst, ob du Frauen magst. Deine "Ausschweifungen" waren sicherlich der Versuch, die Schmerzen auszuschalten, nicht mehr nachdenken zu müssen, sich selbst wieder spüren zu können. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass man dann versucht sich zu betäuben, um nicht mehr nachdenken zu müssen. Traurig, dass du damals niemanden hattest, der erkannt hat, was bei dir los ist und dass du einfach jemanden brauchst, der ehrlich zu dir ist und dich hält.

Weiß dein Freund von deinen ERfahrungen? Ich denke, es ist sicherlich wahnsinnig schwer, ihm davon zu erzählen. Aber dann könnte er sicherlich viele deiner Verhaltensweisen viel viel besser verstehen. Wenn er dich wirklich liebt und wenn er so einfühlsam ist, wie du ihn beschreibst, dann wird das seine Liebe eher noch größer machen. Weil er merken wird, dass du offen bist und weil er für dich da sein möchte.

Gleichwohl würde ich dir (aus persönliche und fachlicher Sicht) dringend anraten, nochmals einen Therapieversuch zu wagen. Denn ich glaube, dass manche Lebenserfahrungen einfach zu heftig sind, um sie selbst verarbeiten zu können. Dass du mit dem 1. Therapeuten so viel Pech hattest, ist natürlich sch.... Aber die sind natürlich nicht alle so!! Vielleicht kann dir auch jemand aus deinem Bekanntenkreis jemand empfehlen? Ich gehe kommende Woche das 1. Mal zu einer Psychologin, bei der meine beste Freundin auch war und freue mich schon richtig darauf. Einfach weil ich glaube, dass es unglaublich erleichternd sein kann, jemanden von außen drauf schauen zu lassen.

Ich bin zwar keine Psychologin, aber auch etwas vom "Fach". Wenn du magst, melde dich gerne per pin.

LG Annie


danke das ist lieb.
Er weiss jetzt weniger über mich wie jeder andere hier! Ihm würde ich das nicht sagen. Ich hätte angst das er in mir jemand anderes sieht, weil ich bin ja trotzdem ich. Ausserdem würde ich nicht wollen das er aus mitleid bei mir bleibt. Naja und sowas auszusprechen vor ihm------das kann ich niemals!
Ich finde es auch gut das er nicht vorbelastet ist.
 

melike83

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AW: Angst vor Gefühlen

Also zunächst mal musst du dich nicht dafür schämen was du geschrieben hast! Ich finde es sehr sehr mutig von dir! Du hast wirklich extrem viele negative Erfahrungen gemacht! Ich denke dass du aufgrund dessen nicht mehr weißt wer du bist, du kannst deine Gefühle nicht mehr zulassen, nicht mal mehr dir selbst gegenüber. Wie sollst du es dann jemand anderem gegenüber können? Ich glaube diese Erfahrungen haben dich traumatisiert und die Zeit, in der du viel geschlafen hast, hört sich sehr nach Depressionen an.
MAch eine Therapie Süsse! Suche dir einen guten Therapeuten, bei dem du dich Wohl fühlst und dann kann das alles aufarbeiten und deinen Weg finden!
Ich wünsche dir sehr viel Glück dabei!
 

SweetNel

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AW: Angst vor Gefühlen

danke das ist lieb.
Er weiss jetzt weniger über mich wie jeder andere hier! Ihm würde ich das nicht sagen. Ich hätte angst das er in mir jemand anderes sieht, weil ich bin ja trotzdem ich. Ausserdem würde ich nicht wollen das er aus mitleid bei mir bleibt. Naja und sowas auszusprechen vor ihm------das kann ich niemals!
Ich finde es auch gut das er nicht vorbelastet ist.
Vielleicht musst du ihm nicht alles sagen.
Aber ansatzweiße, dass er weiß, dass es definitiv nicht seine Schuld ist.
Er macht sich sicher viele Gedanken, was er falsch macht, denkt es liegt an ihm usw.
Er muss ja nicht alles wissen. Aber vielleicht, dass in deinem Leben eben viel passiert ist, was dich sehr geprägt hat und was dich daran hindert, dich ihm zu öffnen.
Wenn er weiß, dass du eine Therapie machen möchtest, merkt er auch, wie ernst es dir ist, wie wichtig es dir ist, dass du dich öffnen kannst. Und er kann dich besser unterstützen als wenn er sich immer selbst Vorwürfe macht.
 

Annie

Active Member
AW: Angst vor Gefühlen

Liebe Cafedelsol,

ich kann das verstehen, dass du sagst, dass er unvoreingenommen sein soll und dass du es ihm - im Moment - noch nicht sagen kannst. Ich habe ja auch nicht sofort gemeint, sondern vielleicht dann, wenn du etwas für dich aufarbeiten konntest und dich gestärkt fühlst. Mein Freund hat mir einige Dinge anvertraut, die außer mir fast niemand weiß und die echt auch harter Tobak sind - und es hat meine Liebe noch stärker gemacht. Kein Mitleid- sondern Mitgefühl- ich finde, das ist ein großer Unterschied. Ich meine einfach, dass deine Geschichte dich ja zu der gemacht hast, die du heute bist- mit all deinen Schwächen, aber auch mit all deinen Stärken. Und so liebt er dich!!
 

tatlikiz

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AW: Angst vor Gefühlen

Vielleicht musst du ihm nicht alles sagen.
Aber ansatzweiße, dass er weiß, dass es definitiv nicht seine Schuld ist.
Er macht sich sicher viele Gedanken, was er falsch macht, denkt es liegt an ihm usw.
Er muss ja nicht alles wissen. Aber vielleicht, dass in deinem Leben eben viel passiert ist, was dich sehr geprägt hat und was dich daran hindert, dich ihm zu öffnen.
Wenn er weiß, dass du eine Therapie machen möchtest, merkt er auch, wie ernst es dir ist, wie wichtig es dir ist, dass du dich öffnen kannst. Und er kann dich besser unterstützen als wenn er sich immer selbst Vorwürfe macht.

:-(Das tut mir alles sehr leid für dich aber sweetNel hat recht.Wir können dein Verhalten hier slle ketzt besser verstehen aber der Mensch der dir im realen Leben nahe steht weiß nicht im geringsten weshalb du so verschlossen bist und wird dir auch nichts recht machen können so sehr er sich auch anstrengen wird,verstehst du?
 

gül1963

New Member
AW: Angst vor Gefühlen

Naja vllt. hilft es mich zu verstehen, wenn ich mal die Hosen runterlasse. Nach diesem Text werde ich mich hier aus diesem Forum auch mit niemandem treffen. Das ganze ist mir etwas unangenehm, aber drauf geschi**

Angefangen hat alles in meiner Kindheit. Meine Eltern sind alles andere als konservativ...ich war ein sehr schwieriges Kind. Hatte keine Lust auf Schule, Regeln etc. War schon sehr wild und hatte immer einen eigenen Kopf. Oft wurde ich von meinem überforderten Vater verprügelt, aber die Schmerzen waren mir egal. Ich habe noch eine Schwester. Sie ist jünger und war immer Papas Liebling. Eigentlich wollte ich ihm immer beweisen das ich auch gut genug bin. Hätte ich diesen Durst nach Papas liebe nicht gehabt, hätte ich nie studiert… Alles was ich schulisch getan habe, habe ich für ihn getan. Und trotzdem bin ich in seinen Augen schlecht… Sie wird immer noch hoch gelobt. Ihr Jura Studium ist eben schwieriger und mehr wert als mein Lehramt… Übrigens hatte ich sogar im Examen ne eins. Die Examensarbeit hat er nicht einmal aufgeschlagen… Naja alles kann ich hier nicht aufzählen… Irgendwann als ich elf war schickten mich meine Eltern in eine Koranschule ( ich sollte ja nicht als ungläubige enden). Dort wurde ich von unserem lieben Hoca missbraucht… Ich erzählte es, aber keiner glaubte mir. Sie behaupteten ich hätte keine Lust auf Gott etc. Naja mit 14 passierte mir sowas wieder. Diesmal war es mein Cousin! Nur erzählte ich es jetzt keinem.. wozu auch???? Mit 16 ist mir dann ein Tumor gewachsen. Zum Glück gutartig. Trotzdem musste ich meine Ferien immer im krankenhaus verbringen. Er wuchs dauernd nach. Ca. 7 mal. Zähle nicht mehr…. Meine Sommerferien waren also auch immer gleich!
Naja dann hatte ich immer die sorte von Männern, die scheisse waren. Das Gefühl geliebt zu werden und zu lieben hatte ich nur einmal. Er ist tot.
Danach konnte ich keinen Mann mehr lieben und probierte es mit Frauen aus. Hatte zwar Beziehungen, aber hätte ich es lieber gelassen. Die eine war kriminell, hat ein Auto geklaut und Bäckerei ausgeraubt. Sie hat mich nur ausgenutzt um von ihrer konservativ strengen Familie los zu kommen. Das ganze erkannte ich erst viel später. Ich wohnte schon allein und sie zog direkt zu mir. Die Geschichte ist böse ausgegangen… Nach ihr hatte ich ne alkoholikerin, die dealte auch noch mit Drogen. Naja da war ich schon kaputt als es aus war. Gefühle hatte ich wohl für sie… Nun hatte ich echt keine Lust mehr. Hab angefangen zu saufen, war nur noch feiern, sex mit Frauen….affäiren….
Für die uni habe ich kaum noch was getan. Nur noch das nötigste… Ein Jahr ging das so. Ich hab viel geschlafen in der Zeit. Auch wenn ich nicht wirklich geschlafen habe, konnte ich die Augen nicht öffnen. War immer müde und im Bett. Meist wusste ich nicht mehr ob ich geschlafen hatte…
Ich habe es irgendwie geschafft anderen Menschen genau das vorzuspielen was sie gerne hätten. Das Schauspiel war perfekt. Niemand wusste wie es mir ging. Komischerweise bin ich ein sehr beliebter Mensch, obwohl ich mich fast nie bei irgendwem gemeldet habe…Heute frage ich mich wie es das alles verheimlichen konnte. Ich erzählte niemandem von meinem verunglückten Freund. Ich erzählte jedem das wir glücklich waren und heiraten wollten, obwohl es ihn nicht mehr gab. Es war ne Fernbeziehung und somit war das total easy. Ich glaubte eigentlich selber an meine Lügen und habe das nie wirklich realisiert. Nachdem er nicht mehr da war, fing ich das erste mal was mit einer Frau an. Seiner cousine. Später merkte ich das ich die Gefühle für ihn irgendwie auf sie übertragen habe...Ich hatte ihn komplett verdrängt. Zu dieser Zeit meldete ich mich auch hier an. Es gibt noch so vieles was ich schreiben könnte, aber das würde den rahmen sprengen.
Ich fühlte nichts mehr für Menschen. Meine Katze ist tot. Darum musste ich viel weinen, aber sonst weine ich nie…Ich habe die Uni so gut wie beendet, aber ich kann mich nicht wirklich freuen. Eigentlich macht es mir eher angst, aber eigentlich ist mir das sogar egal. Schwer zu beschreiben…Ich bin total blockiert, wenn ich angemacht werde dann nehme ich das eh nie ernst, da ich denke das alle mir eh nur an die Wäsche wollen… Ich weiß nicht mal ob ich lesbisch, bi oder hetero bin. Früher war ich stock hetero, dann wieder nicht... was weiss ich.. Ich würde gerne wieder lieben, habe aber angst das ich das nie wieder kann.
Mittlerweile gehts mir wieder gut, ich schlafe wieder regelmässig und oft sogar durch und ich hab spass indem was ich mache.
Nur möchte ich mich einfach wieder fallen lassen können...

jetzt bin ich nackt!

Hi Cafe,

habe das gerade gelesen - ich finde es sehr mutig von dir, das alles aufzuschreiben! Du brauchst dich dafür aber bestimmt nicht zu schämen!!

In jedem Leben gibt es Schwierigkeiten - mehr oder weniger. Dich hat es aber ziemlich hart erwischt. Ich glaube kaum, dass du diese ganzen schlimmen Erlebnisse alleine aufarbeiten und verarbeiten kannst.
Deshalb kann ich mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen: such dir eine/n gute/n Therapeut/in. Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Wenn du eine Krankheit oder Verletzung hast, gehst du ja auch zum Arzt. Warum solltest du dir bei seelischen Verletzungen nicht helfen lassen?

Ich habe auch schon eine Psychotherapie gemacht - deshalb kann ich dir ein bisschen erzählen, wie das so abläuft:

Du suchst dir einen oder eine Therapeutin und lässt dir einen Termin geben. Das kann mitunter etwas dauern, da viele ziemlich ausgebucht sind. Frag da auch gleich nach, welche Art von Therapie angeboten wird. Eine Verhaltenstherapie fände ich nicht so passend, lieber tiefenpsychologisch oder psychoanalytisch.
Dann hast du 5 "Probesitzungen", in denen ihr beide feststellen könnt, ob die Chemie und der psychologische Ansatz stimmt.
Wenn nein, suchst du dir jemand anderen. Wenn ja, entscheidet der Therapeut, ob eine Therapie erforderlich ist und stellt einen Antrag (Gutachten) bei der Krankenkasse. Wird dieser dann genehmigt, kann die Therapie beginnen.
Diese dauert dann eine ganze Weile. Du kannst nicht erwarten, dass die ganze Sache nach 5 oder 6 Sitzungen schon vorbei ist.
Auch wirst du bestimmt keine "Ratschläge" bekommen. Du musst selbst drauf kommen. Vom Verstand her ist das nicht so schwierig - schwierig ist das "Verinnerlichen".

Wenn du noch Genaueres wissen möchtest, kannst du mir eine pn schicken.

Alles Gute für dich!
gül
 

Catsili

Active Member
AW: Angst vor Gefühlen

Hallo cafedelsol,

Ich kann mich gül´s Worten nur anschließen...... such dir einen guten Psychotherapeuten, mit dem Du Deine Vergangenheit aufarbeiten kannst.

Als ich deinen "Lebensbericht" las, kam mir das Wort "Selbstphatologie" in den Kopf......manchmal meint man, die richtigen Schlüsse zu ziehen und damit sein Verhalten erklären oder entschuldigen zu können/müssen.
(Man "diagnostiziert" sich selbst)

Teilweise mag das stimmen, teilweise nicht, da man das Unterbewußte außer acht läßt.
Aber auf jeden Fall hilft es nicht, sich besser zu fühlen - sondern im Gegenteil, man fühlt sich wehrlos und gefangen in seinen Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen. ("Ich bin halt so, weil......")

Unsere Vergangenheit prägt uns, sie darf aber nicht die Zukunft blockieren und uns zu Marionetten machen.

Ich wünsche Dir, dass Du lernst, Deine Vergangenheit anzunehmen, sie abzuschließen und mit neuem Mut und neuem Vertrauen in die Zukunft zu blicken!! ...und dass Du Menschen kennenlernst, die Dir auf diesem Wege helfen und Dich begleiten.

Alles Gute

Catsili

PS: Mein Post bezog sich nur auf den von gül kopierten Bericht von cafe, ich hab nicht den ganzen Thread gelesen - sorry.
 

Kimyager

Gesperrt
AW: Angst vor Gefühlen

Das alles geht mir sehr sehr nahe.. Es ist gut, dass Du darüber schreibst. Ich habe das Gefühl, dass Du diese schwere Last sehr lange in Dir getragen hast, ohne Dich offenbaren zu können.
Unter diesen Umständen ein Studium zu bewältigen, ist eine grosse Leistung.
 
S

sigute

Guest
AW: Angst vor Gefühlen

Liebe cafe, ich muss sagen ich war über dein "geständnis" überrascht und auch beeindruckt, denn auch wenn hier alles "anonym" ist, war es ein großer schritt den du geleistet hast. ich schließe mich meinen vorrednerinnen an und denke auch du solltest versuchen eine therapie anzufangen. und bevor du dies tust solltest du deinen freund auf jedenfall informieren, denn so eine therapie hat große auswirkungen auf dein privatleben, ist sehr anstrengend und kann auch schmerzhaft sein- aber alles für eine bessere lebensqualität!!!

was mir aber noch wichtig ist zu sagen, und verstehe mich nicht falsch denn ich will deine erfahrungen nicht relativieren und klein reden, ABER liebe cafe, jeder hat sein päckchen im leben zu tragen, manchmal ist es schwerer und manchmal leichter. ich denke es gibt nur wenige menschen die keine enormen und herzzereißenden tiefschläge in ihrem leben mitgemacht haben... warum ich das jetzt schreibe?? weil ich will dass du dich und dein leben nicht als "abartig" betrachtest, es muss dir auch nichts peinlich sein- die tatsache dass du noch so viel rückrad besitzt obwohl es dir sooft gebrochen wurde, sollte dich mit stolz erfüllen.

so und zum abschluss muss ich noch sagen: du bleibst für mich trotzdem die cafe mit der zu großen klappe, nur jetzt langsam erkenne ich den weichen kern in dir :biggrin:

in diesem sinne

alles gute und fühl dich gedrückt

sigute
 

cafedelsol

Gesperrt
AW: Angst vor Gefühlen

hey die grosse schnauze hab ich schon immer gehabt :-D

und ich bereue nichts im leben. Alles hatte seinen sinn und hat mic zu dem menschen gemacht der ich bin ..
 
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