AW: Bekenntnis
....er saß allein am Tisch und schien mit was beschäftigt zu sein, was er in der Hand hielt. Sein alter dürfte, wenn auch schwer zu schätzen, zw. 25 und 30 Jahre sein.
Als ich zahlen und gehen wollte, sprach mich der Cafebetreiber auf den am Tisch sitzenden Mann andeutend an, ob ich hier in der Stadt irgendwelche Bulgaren kannte.
Er rechnete damit, dass ich welche kannte, denn ein wenig wussten wir gegenseitig von unseren Verhältnissen, dass ich schon mal mit den erwähnten gearbeitet, unter ihnen Freunde hatte.
Dieser sein Gast wäre aus Rumänien und suchte Arbeit. Man hätte ihn in Köln von den Bulgaren erzählt, die hier arbeiten würden, zu denen wollte er. Aber kennen würde er dieses nicht.
Wir stellten uns gegenseitig vor, Lucian sprich, Luca, so hieß er und ich heiße, ihr wisst schon..
Er kannte hier sonst niemand, wäre in der Türkei gewesen, hätte dort gejobbt und schließlich über Zypern nach Amsterdam geflogen.
Von den restlichen 100 und nochwas Euro in der Tasche wäre er mittels ICE nach Köln gefahren und nun sei er hier.
Er suche die Bulgaren sagte er auf türkisch, das er knapp beherrschte, er sprach noch was englisch dazu.
Sein Vater wäre ein tatarischer Fischer bei Constanta.
Es traf zu, dass ich die Tage noch von irgendwelche Bulgaren gehört bzw., einige von denen hier auch gesehen hatte.
Mein erster Gedanke war, dass er eine Bleibe zum übernachten bräuchte und da ich in dem Augenblick auch wußte, wo ich deshalb anfragen würde, ließ ich es gemächlich angehen.
Also unterhielten wir uns soweit es ging und brachen auf, um die Bulgaren aufzuspüren.
Nicht in der Hoffnung, dass die Bulgaren sich seiner annehmen würden, denn dafür dürften sie nicht das Wort über ihre Bleibe haben, wo sie doch nur auf die Initiative des Arbeitgebers bleiben konnten, aber ich wollte ihn mit ihnen bekannt machen.
Konnte ihn schlecht zu meinem Arbeitgeber, einen Deutschen mitnehmen, denn soweit ich weiß dürfen die Bürger der neuen EU-Mitgliederstaaten noch nicht arbeiten, wenn sie auch Reisefreiheit im EU-Gebiet genießen.
Aber dort wo Bulgaren arbeiten, dürfte auch für einen Rumänen noch Platz sein.
Darum ging es mir nicht, eher dass an diesen bitterkalten Tagen ihm eine Bleibe sicher ist.
Bei mir?
Theoretisch wäre ich dazu nicht abgeneigt und räumlich wäre es auch machbar, jedoch hatte ich Besuch.
Wir gingen zu dem nächsten türkischem Teehaus, wo eine Bulgarin arbeitete und derer Mann auch hier war. Ich kannte sie beide sehr gut, wir hatten mal freundschaftlichen Umgang miteinander, aber dann erweiterte sich mein Horizont um ihre Realität und ich bevorzugte Abstand zu ihnen zu nehmen.
Dementsprechend war auch der Empfang, wobei ihr Mann nicht da war.
So zogen wir mit dem Bus weiter. Dahin, wo ich ihn unterbringen vor hatte.
Es war gegen 17 Uhr und keines der erhofften Bekannten war anwesend. Der Betreiber des Teehauses, der auch eine Wohnung mit dem Laden zur Miete übernehmen mußte und es nun weiter vermietete, war in den Niederlanden auf Familienbesuch.
Die Bulgaren, die in der Wohnung wohnten noch auf der Arbeit und würden erst gegen 19 Uhr zurück sein, sagte der Kellner.
Also tranken wir Tee und unterhielten uns.
Luca war jetzt besser aufgelegt und er erzählte mir von seinem Vorhaben, von seinen Jobs in Istanbul.
Da ich ihm erzählte, dass er aufgrund meines Besuches nicht bei mir übernachten konnte, nahm er an, dass es prinzipiell möglich wäre und darauf baute er seine Wunschvorstellungen auf.
Er hätte zwei Mädchen in die Türkei mitgenommen und dort bei Kasımpaşa (Ottoman weiß darum) eine Wohnung gemietet, wo er die Mädchen an die Männer, die er auf der Strasse aufstöberte, zur Prostitution anbot.
Nun wären die Mädchen verstreut in Madrid und Rumänien.
Und wenn mein Besuch Platz gemacht hat, würde er die zwei Mädchen herholen.
Schließlich würde das ganze zu schleierhaft und wir langweilten uns, also spielten wir Backgammon und ich brachte ihm was deutsch bei, das er sich in einem kleinem Notizbuch aufschrieb.
Es war längst 20 Uhr als die Bulgaren von der Arbeit zurück waren. Ich hatte sie noch nicht gesehen, jedoch kannte ich den Fahrer, der sie gefahren hat.
Und auf den kam es an, den er war Mitinhaber des kleinen Bauunternehmens und somit auch darüber bestimmend, ob er bei den Bulgaren übernachten konnte.
Wir sprachen darüber, er meinte, dass er erst das Einverständnis dieser einholen müßte. also begab er sich nach oben und kam nach einigen Minuten zurück. Die Bulgaren (Romas, die sich teils für Türken, teils für türkischen sprechende Romas halten) wollten es nicht zulassen.
Nun ich war überrascht, dass hier nicht er das sagen hatte, so wollte ich selbst mit ihnen sprechen.
Ich ging hoch zu ihnen. Zwei Männer saßen schon bei Whiskey und spielten Schach. Wir stellten uns gegenseitig vor, sprachen von gemeinsamen Bekannten und ich appellierte schließlich an ihr Fremddasein hier inder Republik und dass sie doch verstehen würden, was es hieße, wenn man in der Fremde keinen kannte.
Sie sollten ihr Gewissen befragen.
Sie befragten es und meinten, dass ihr womöglich in der Wohnung verstecktes Geld nicht einem Wildfremden anvertrauen könnten.
Punkt.
Schon beim Abschied von den Bulgaren wußte ich auch, wohin wir als nächstes gehen konnten.
Und wir hielten uns nicht mehr lange auf, denn es war schon nach 21 Uhr.
Ein Deutscher, den ich erst seit einigen Jahren wiedersah, empfing uns an der Türschwelle und hiervon ist die einzige gebliebene Erinnerung, die Wäsche, die er aufm dem Korridor gehangen hatte.
Er hätte Besuch..danke, bitte und tschüss.
Und schon wußte ich, wohin nun des Weges.
Es war 21: 53, denn an der Bushaltestelle erfuhren wir, dass der Bus um 22:05 kommen würde. Erfrischend kalt war es, jedoch gab es Windstille, so dass das laufen gut tat.
Wir liefen, anstatt den Bus zu nehmen. Ich hatte das Asylantenheim im Visier, welches ich als letzte Hoffnung sah.
Nach ca. 20 Minuten waren wir dort angelangt. Ich klingelte und ein wuschelköpfiger Junger Mann öffnete die Tür. Ich erzählte ihm kurz die Lage und er ließ uns rein.
Ich kannte die Innenarchitektur dieses Heimes, denn vor Jahren wohnte auch ein Freund mit Frau und Kinder hier, bis ihm die Frau verstarb und er umzog.
Wir sassen in der Küche, die von alle Mitbewohner des Heimes gemeinsam benutzt wird, aber schön warm war es.
Younes war ein Marokkaner und er erlaubte Lucas hier zu übernachten
Younes briet Fisch und er erzählte, dass Lucas am nächsten Morgen um 6 Uhr angezogen sein müßte, weil der Hausmeister seine Runden machte und dieser darf ihn nicht schlafend sehen.
Dann kam ein Mann mittleren alters hinzu. Er war anscheinend aus dem Bett aufgestanden, denn er trug ein Hose und einen Shirt.
Bobby war Roma aus Ex-Jugoslawien.
Länger dürfte ich mich nicht aufhalten, ich erzählte ihnen, dass ich mich am nächsten Tag um Lucas kümmern würde, wobei ich selbst nicht wußte, wie es weitergehen sollte.
Fortsetzung folgt..