Besser niks versteyn?

nAn-coeur Kenan

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25 Januar 2006
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Werte Forumsteilnehmerinnen, werte Forumsteilnehmer,

kürzlich konnte ich an einem Management Seminar eines amerikanischen Unternehmens teilnehmen, dessen Kernaussage tatsächlich war:
Deutschland ist ein Auslaufmodell!

Wirtschaftlich, wissenschaftlich und sozio-kulturell sei die Gesellschaft nicht zukunftsfähig. Gerade die deutsche Kultur, das deutsche Selbstverständnis behinderten oder sogar verhinderten die notwendigen Veränderungen, um kreativer, effektiver und flexibler zu sein.

Im Grunde genommen kommunizieren auch politisch konservative Meinungsbildner seit einiger Zeit, dass "Deutschland umdenken muss". Wenn es allerdings um uns (Einwanderer und deren Nachkommen) geht, heisst es, wir sollen uns leitkulturell einordnen. Müssten nicht unsere schon seit mindestens tausend Jahren deutschen Freunde auch ein wenig von uns lernen?

Ich verstehe es nicht - Ihr vielleicht? Bitte meldet euch!

nAn-coeur Kenan
"bringin' the Soul even into German Volk"
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PS: Alles Gute für das Zuckerfest...
 
I

Izzet

Guest
AW: Besser niks versteyn?

Zum ersten Teil Deines Statements:
...Management Seminar eines amerikanischen Unternehmens teilnehmen, dessen Kernaussage tatsächlich war:
Deutschland ist ein Auslaufmodell!


Ich nehme an, Du hast ganz bewusst geschieben, dass es ein amerikanisches Seminar war. Die Amerikaner leiden numal seit je her, ganz besonders seit knapp 10 Jahren unter vollem Realitätsverlust und daraus resultierender Selbstüberschätzung. Wenn wir unsere Leitkultur von dem Wirtschaftwachstumsrate abhängig machen wollen, dann sollten wir die Russische oder Chinesische annehmen.

Im Zweiten Teil fragst Du sinngemäß, ob wir nicht die Deutsche Kultur auch bereichern könnten: Döner und Lahmacun sind die sichtbaren Errungenschaften, der letzen Jahrzehnte. Wenn ich mir anschaue, wieviele Mischehen es mittlerweile gibt, dann kann die kulturelle Einflussnahme nicht ausbleiben. Ich glaube, dass Deutschlands Zukunft auch aufgrund der Bevölkerungsentwicklung "ausländischer" wird.

Die jetztige Generation hat den Vorteil, dass sie auch die Sprache spricht, sich stärker den je in Politik und Wirtschaft engagiert. Da wird notgedrungen auch ein türkischer Geruch hinterlassen.

Gruß,

Izzet.
 

Volkan72

New Member
27 August 2006
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Bonn
AW: Besser niks versteyn?

Was Deutschland betrifft ist da wohl ein wenig was dran! Sicherlich müssen wir flexibler werden, was wir aber teilweise durchaus sind! Das Beamtentum muss in erster Regel in Deutschland abgeschafft werden! Das Denken und Handeln in der Wirtschaft muss vorrausblickender sein!
Nur was die Amerikaner denken/sagen/tun, naja, die können alles besser und wissen alles besser! Sie verstehen sich nicht nur als Weltpolizei sondern auch als Leitfigur der modernen Wirtschaft und Kultur! Nur wer versteht schon die Amerikaner? :confused:

LG
Volkan
 
M

mar

Guest
AW: Besser niks versteyn?

Deutschland ist ein Auslaufmodell. Es ist so.
Unabhängig was die Amis sagen; die Zeit des Wirtschaftswunders der Adenauer-Ära ist vorbei. Deutschland zehrt noch immer an den Errungenschaften dieser Zeit, lehnt sich zurück und ruht sich auf dem Prädikat „reich“ aus. Doch es hat sich in den letzten 30 Jahren rasant vieles in Deutschland und vor allem in Europa verändert. Wenn man heute die ökonomische Situation der neu hinzugekommen Länder in der EU beleuchtet, da haben die Deutschen immer nur ein müdes Lächeln oder eine Sichtweise auf die wirtschaftliche Struktur solcher Länder, die meines Erachtens massgeblich genau diese Arroganz ausmacht , die Otto-Normalverbraucher oder einem mittelständigem Unternehmen den Blick auf das Potential dieser Länder versperrt. Gerade die jetzt aufstrebenden Staaten mobilisieren natürlich all ihre Ressourcen, die wirtschaftlichen und geistigen, um national und global am wirtschaftlichen Geschehen Einfluss nehmen zu können. Diese Renaissance der Besinnung auf eigene Ressourcen , auf menschlichen Erfindergeist, die Flexibilität der kleinen Unternehmer, das Entdecken der bislang brachgelegenen Möglichkeiten, durchaus ein ernstzunehmender Partner zu sein stärkt das Selbstbewusstsein kleiner Unternehmer genau so auch das einer ganzen Nation ...

Und hier setzt nach meinem Empfinden das ein, was hier als „Auslaufmodell Deutschland“ klassifiziert wird. So wie im Globalen , so ist auch innerhalb eines Landes eine eigene Dynamik oder eine Stagnation zu erkennen. Deutschland hat nach dem Krieg eine große Zuwanderung erfahren und hat es versäumt, das tatsächliche Potential dieser Menschen, vor allem ihren Enthusiasmus sogar ihr Heimatland zu verlassen, als positive Bereicherung in seiner Kultur und als Wirtschaftsfaktor für die Zukunft zu erkennen. Das Herabwerten dieser Menschen als billige Arbeitskräfte hat wenig dazu beigetragen, das sich diese Menschen tatsächlich zukunftsorientiert in dieses Land einbringen konnten . Sprachlich und noch kulturell verhaftet in ihrem Herkunftsland hat es 2 oder 3 Generationen gebraucht , bis diese Einwanderer sich wieder selbst definieren können, als Deutsche ( mit türkischen Wurzeln)
Ich kann nur aus eigenen Beobachtungen sagen, das der deutsche Mitbürger ( mit deutschen ? Wurzeln) sich immer noch heute schwertut, die veränderte Struktur als Bereicherung zu erkennen ; ich meine nicht den Döner, Bauchtanz oder Ayran..., sondern das Begreifen, das z.B. die Türkei schon immer ! als Grenzland von Okzident und Orient eine entscheidende wirtschaftliche Rolle eingenommen hatte wirtschaftlich und kulturell – das sind autochthone , gestandene Entwicklungen, die durchaus übertragbar sind auf die heutige Zeit . Der Möglichkeit, die Nachkommen der damaligen Einwanderer als wirtschaftliche und sprachliche Mittler zwischen Deutschland und der Türkei zu sehen, hat sich Deutschland selbst in seinem deutschen Selbstverständnis beschnitten.

Mit dieser Denkweise ist Deutschland nicht zukunftsfähig, so wie Amerika es definiert. Das offene oder subtile Ausgrenzen der nachfolgenden Generationen der damaligen Zuwanderer verhindert ganz eindeutig, das kluge, kreative und flexibel denkende Köpfe ihre Ideen in diesem Land intellektuell und ökonomisch loyal einbringen wollen. Deutschland verhindert sich mit diesem altmodischen Selbstverständnis total selbst.


Die Überbleibsel des Wirtschaftswunders Deutschland ( aus den Nachkriegswehen entstanden) mit seiner Deutschdünkelei in den Köpfen verhindern das Erkennen , das ein „leitkulturelles“ Egalisieren der Nachkommen der Einwanderer ein Beschneiden und Zurückstutzen von Kreativität, Flexibilität und Ideenreichtum bedeutet. Anstatt die an Erfahrungen gewachsenen wirtschaftlichen Ideen der jungen Unternehmer als Potential zu erkennen besser noch , anzuerkennen, kommt der deutsche bürokratische Zeigefinger ins Spiel und die Arroganz und Unfähigkeit der deutschen Unternehmer, nicht über den Tellerrand schauen zu können .
Deutschland als Auslaufmodell- das bedeutet tatsächlich , das etwas verändert werden muss und vor allem , das man umdenken sollte, wenn man ein neues Modell entwickeln möchte...und da muss man kein Experte sein, um zu erkennen, das es einer Symbiose bedarf von allen möglichen Potentialen, daß es einer Flexibilität bedarf, vor allen in den Köpfen. Man muss andere Wege einschlagen, als die bisher gegangenen Wege. Das macht sich ja in vielen Bereichen bemerkbar, das da eine Aufbruchstimmung herrscht. Das der wirtschaftliche Bereich nicht zu trennen ist vom kulturellen und soziologischen Hintergrund ist logischerweise nicht von der Hand zu weisen! Nun ja, die kleinste Zelle im Staat (wie Marx meinte ) ist die Familie ; ein Blick auf die funktionierende interkulturelle oder binationale Familie ist sicher ein kleiner Garant dafür, das, wenn der Blick eines Partners auf einen andere Kultur-und Denkweise gerichtet wird , den Blick in die Ferne wesentlich weniger trüben wird. Wenn das dann auch mal die Politik schaffen würde , bräuchte das Auslaufmodell Deutschland vielleicht nur einen neuen Motor...
 
M

mar

Guest
AW: Besser niks versteyn?

@izzet, eine etwas unglückliche Formulierung , die mich immer zusammenzucken lässt , hat mich dazu bewogen, mal den Begriff "Mischehe" zu erklären . Das mache ich mal nicht mit meinen eigenen Worten , sondern zitiere aus der Wikipedia:

Als „Mischehe“ wird eine Ehe zwischen Personen unterschiedlicher ethnischer, konfessioneller oder religiöser Zugehörigkeit bezeichnet. Die Mischehe ist ein besonderer Fall von Exogamie. Exogamie bezeichnet die Heirat mit Personen aus einer anderen sozialen Gruppe. Der Begriff ist durch seine diskriminierende Verwendung - insbesondere auch in der Zeit des Nationalsozialismus belastet und beinhaltet eine Abwertung der damit bezeichneten Personen [...].

l.g. mar
 
A

Anouk

Guest
AW: Besser niks versteyn?

Kenan, das hast Du wirklich sehr hübsch formuliert, und vor allen Dingen so politisch korrekt! - ich bin völlig begeistert! :p
Denn ohne indirekte Rede wäre meine fein ziselierte deutsche Dichter-und-Denker-Seele jetzt mal wieder zutiefst geknickt ob der Missachtung unserer schützenswerten Kulturgüter. Worte wie Kindergarten, Rucksack oder Würstel lassen sich eben nicht einfach ins Amerikanische transponieren, hat Dein Manager das bei seiner Power-Point-Präsentation eigentlich bedacht? Oder gar ins Zentrum seines Vortrags gestellt? Nein?

Siehst Du, so sind sie, die Amis! Alles muss schnell gehen, time is money, "Europe within 3 days including the Pope" - und alles Wesentliche fällt natürlich mal wieder unter den Tisch. Aber wir können ja auch anders, nicht wahr: Statt uns vom Non-Stop-Geschwätz irgendeines dahergelaufenen Mr. Very Important psychisch in Geiselhaft nehmen zu lassen, können wir geistig desertieren und über Schiller, Goethe und Rilke meditieren. Sozusagen als (zugegeben etwas angestaubter, aber doch vergleichsweise erfrischender) Kontrapunkt zur bleischweren Leidkultur, die sich in solchen Vortragsräumen ausbreitet und durch sämtliche Ritzen diffundiert, bis zum Pförtner hinab und hinauf in die Vorstandsetagen.

Denn leider ist es ja immer das Gleiche, sehr betrüblich. Sie verstehen uns einfach nicht! Brahms ist hip, Beethoven Pop, und der nächste, der einem erzählt, dass ein labberiger und von undefinierbarer Tunke umflossener Cesar's Salad vom McDoof an der nächsten Straßenecke schöner macht als Döner, sollte mit einer Gesamtausgabe sämtlicher Liberace-Vinyl-LP's nicht unter 100 Stunden Spielzeit bestraft werden.

In aufrichtiger Anteilnahme -

anouk

ps Sofern Du das Pech haben solltest, eine mehrteilige Seminarreihe vor Dir zu haben, empfehle ich zwecks atmosphärischer Gymnastik fürs nächste Mal eine Runde Bullshit-Bingo. Der Erkenntnisgewinn ist enorm... ;)

pps Nein, ich habe nichts gegen Veränderungen, nur was gegen Leitplanken. Die hinterlassen immer so hässliche Kratzspuren im Autolack.
 
M

mar

Guest
AW: Besser niks versteyn?

Brahms ist hip, Beethoven Pop, und der nächste, der einem erzählt, dass ein labberiger und von undefinierbarer Tunke umflossener Cesar's Salad vom McDoof an der nächsten Straßenecke schöner macht als Döner, sollte mit einer Gesamtausgabe sämtlicher Liberace-Vinyl-LP's nicht unter 100 Stunden Spielzeit bestraft werden.

In aufrichtiger Anteilnahme -

anouk

:lol: :lol: :lol: --------------------------mar
 
I

Izzet

Guest
AW: Besser niks versteyn?

@Mar

Hallo Mar,

Thanx für den Tip bezgl. Misch...
Klar, Du hast Du recht, ich hatte nicht soweit gedacht. Schade, dass so ein vielaussagenes und meines Erachtens auch treffendes Wort dermaßen geschichtlich vorbelastet ist.

Ich hatte es ohne jegliche Wertung benutzen wollen.

Gruß,

Izzet.
 

nAn-coeur Kenan

New Member
25 Januar 2006
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AW: Besser niks versteyn?

Zuerst das Fressen,

ansonsten keine weiteren Fragen, euer Ehren.

Werte Anouk,
ich befürchte, so sehr etwas länger Zurückliegendes (min. 80 Jahre) sich für die Heilung kleinerer Kratzer des Selbstbewusstseins eignet, bleibt es in der Gegenwart doch wirkungslos.
BenQ Mitarbeiter werden auch mit Schiller d'ran glauben müssen, so unangenehm die Botschaft auch ist. Die Lage scheint prekär, wenn nicht Prekariat. Bemerkenswert ist nun, wieviel deutschen Selbstbewusstseins auf selbstverständlicher wirtschaftlicher Sicherheit beruhte. Nicht Solidarität und Gemeinsinn regieren angesichts schwindender Finanzpolster, sondern Schnäppchenjagd und Gelgenheitspopulismus.

Dennoch geht es nicht um die Prüfung aller Lebenskonzepte auf Geschäftstüchtigkeit. Ausschliessliche Orientierung an Verdienstmöglichkeiten ist eines zivilisierten Menschen unwürdig.

Die tiefe Verunsicherung öffnet aber nicht nur Tür und Tor für Turbokapitalisten, sondern vielleicht auch das Oberstübchen für neue Ideen. Vielleicht setzt sich der Mann auf der Strasse und die Politikerin mit der komischen Frisur jetzt auch mit dem Dunkelhaarigen mit dem komischen Akzent grundsätzlich neu auseinander.
Ich hoffe natürlich, dass der Dunkelhaarige Ali und nicht Adolf heisst.

I believe in democracy - after breakfast...
Kenan Vidal
www.nAn-coeur.de

PS: Ist Liberace nicht der Namensgeber der Statue vor New York?
PPS: Ich habe die P...S von Columbo, der immer noch 'mal 'reinkommt. Ach..dass Anouk auch multipel postscripted - nette Referenz!
 
A

Anouk

Guest
AW: Besser niks versteyn?

Hi Gore V., San Precario, jetzt hast Du mich wirklich verblüfft: -

aber nun ist der Groschen gefallen, mit angemessener Verzögerung. Bitte ergebenst um Verzeihung. "Only dull people are brilliant at breakfast" (Oscar Wilde), Wunder dauern etwas länger.

In der Annahme, dass es Dir nicht um Edel-Figaro Vidal S. mit seinen unbezahlbaren Haarpflegeprodukten ging, habe ich ein wenig meditiert. In Wahrheit kann alles nur gut werden. Besser!
Die BenQ's dieser Welt werden weiterhin abräumen, hier und da, wo's ihnen beliebt, und dass Deutschland keine Insel der Seligen ist, leuchtet verschwommen ein. Vorsorglich ruft der "Spiegel" die digitale Bohéme aus, und wer analog stempeln geht, kann weiterhin zusehen, wie er den Job des Tages kreiiert.
Die 80 Jahre habe ich also vorsorglich halbiert, recht so? Vielleicht lohnt der Blick auf 40 Jahre zurückliegende Ideen: Reformdruck von unten, den immer weiter anwachsenden Randgruppen, so genannten Globalisierungsverlierern angesichts turbo-kapitalistischer Konvergenzen.
Die Philosophen dazu sind tot, aber Ali, Said, Marek und Karl-Heinz sitzen überall im gleichen Boot. Auch in Deutschland. Und das wird dann, mit Verlaub, irgendwann auch auf den Oberdecks des angeschlagenen Luxusliners auffallen. Klar kann man sich steiflippig an Cocktailgläsern festhalten, den Blick starr in die Ferne gerichtet, während der Wind von vorn bläst - aber das ruiniert doch jede Frisur. Und nicht nur die.
Na also!
Also immer schön weiterrudern, und nicht aus dem Takt kommen. Das wärmt immerhin. Sollen sie sich da oben doch ruhig die Blase verkühlen, bis ihnen was einfällt...

Uuund eins - uuuund eins - uuuund eins - ...

anouk

ps Möchtest Du jetzt wirklich noch ein P.S.? Also gut. Zur Not schreibe ich Dir 7 bis 10 davon, aber möchtest Du das wirklich?
pps So'n Mist, Liberace ist enttarnt!
ppps We proudly present: Miss Liberace, die grüne Lady. Und... ach ja, zu dumm... das hätt' ich jetzt fast vergessen: Wo war die eigentlich gestern nacht?