Ein Problem sehe ich darin, dass Menschen Worte mit der persönlichen Erfahrung verwechseln, die sie mit Worten ausdrücken bzw. mitteilen möchten.
Wir gehen unwillkürlich davon aus, dass es so etwas wie ein objektive Realität gibt. Sollte das zutreffen, besteht diese vorverbal und unabhängig von unseren bewussten Gedanken, mit denen wir uns bewusst machen, was wir für wirklich halten. Gesetzt den Fall, es gibt eine solche Realität, müsste diese dann grundsätzlich auch unabhängig von uns selbst bestehen, also unabhängig von unserem Körper, von unseren Gefühlen und von unseren Gedanken.
Das wäre dann die objektive "Wirklichkeit" hinter allen persönlichen Erfahrungen, die unserer gedanklichen Auffassung dessen zugrunde liegen, was wir als Wirklichkeit bezeichnen oder als Wissen (Wissenschaft), Glaube/Religion/Spiritualität, Leben, Tod, Bewusstheit. Es wäre sozusagen das Sein an sich.
Es heisst, der Tod sei Schlafes Bruder- interessant finde ich in dem Zusammenhang den Traum:
Im Traum finden wir uns je und je in einer bestimmten Sitation wieder, die wir für wirklich halten, d. h. wir sind uns dieser Wirklichkeit denkend bewusst.
In der Kulisse des Traums interagieren wir wie im Wachzustand als denkendes, bewusstes Ich in einer räumlichen Umgebung mit Pflanzen, Tieren und Menschen. Wir nehmen uns mithin als getrennte Lebewesen in einer vermeintlich objektiven Lebensumgebung wahr. Tatsächlich aber ist all das, was wir wahrnehmen ausschliesslich das Produkt unserer Gehirntätigkeit.
Das bedeutet: Wenn ich im Traum mit Person X rede, bin ich sowohl Ich als auch gleichzeitig mein Gesprächspartner X, wenn ich mit ihm streite, streite ich mit mir selbst- ich bin mir dessen nur nicht bewusst.
Wenn ich träumend ein schönes Tier wahrnehme und mich darüber freue, bin ich sowohl ich, als auch das Tier, rede ich mit meiner Mutter, bin ich meine Mutter. Stellt sich die Frage: Wie ist all das möglich, warum ist mir nicht bewusst, dass ich eigentlich alles im Traum bin, während ich mich nur mit einer Person in meinem Traum identifiziere, nämlich mit mir selbst?
Übertragen auf den Wachzustand würden wir diesen Vorgang als multiple Schizophrenie bezeichnen.
Nun sagt uns die Biologie, dass unsere Realitätswahrnehmung nichts weiter als das Produkt unserer Gehirntätigkeit ist. Wenn dies nun auch für die Wahrnehmung der Gehirntätigkeit selbst zutrifft, sind wir dann nicht quasi Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht?
Die Physik sagt uns: Es gibt 4 bekannte Kräfte, starke und schwache Kernkraft, elektromagnetische Kraft und die Gravitation. Die Wirkweise dieser Kräfte wird mathematisch beschrieben, ohne unserer Erfahrung zugänglich zu sein.
Zeit und Raum an sich- als mathematische Grössen, sind unserer Erfahrung ebenfalls nicht unmittelbar zugänglich. Wir erfahren deshalb auch nicht die Relativität der Zeit oder die Gekrümmtheit des Raumes.
Wir erfahren Zeit und Raum als Phänomen immer nur indirekt- wenn wir bspw. in den Spiegel schauen und die ersten grauen Haare entdecken oder wenn wir uns zu etwas hin- oder von etwas wegbewegen.
Die Abstände im Atom zwischen Atomkern (Proton und Neutron, die sich umkreisen) und umkreisenden Elektronen ist unvorstellbar gross. Die Elektronen erscheinen je nach Betrachtungsweise nicht einmal als Partikel, sondern als Welle. Selbst auf molekularer Ebene ist das Abstandsverhältnis noch 1 zu 99. Im Grunde dürften wir kaum etwas sehen und nichts dürfte uns fest/statisch erscheinen und das nicht alles durcheinander hindurchgeht, wie bspw im wesentlichen die Neutrinos liegt am System der "unsichtbaren", Kräfte, die wir mathematisch berechnen.
Nach dem "Doppelspaltexperiment" ist Materie scheinbar nicht einmal lokal und die Wirklichkeit ist von unserer Beobachtung abhängig (ebenso: "Schrödingers Katzenkiste").
Schliesslich sollte man nicht vergessen, dass der ganze Komplex Wissenschaft nur deshalb und insoweit als real bezeichnet wird, als sich die wissenschaftlichen Modelle direkt oder indirekt unserer Sinneswahrnehmung
zugänglich sind. Das gilt auch für die Annahme, dass die Sinne täuschen können.
Im Hinblick auf das Phänomen Glaube/Unglaube bedeutet das mE nach:
Es gibt kein objektives Wissen, nur persönliche erfahrungsbedingte Wirklichkeit und darüberhinausgehende Annahmen. Die Naturwissenschaft spricht weder für das eine noch das andere.
Sofern Glaube nur in der buchstabengetreuen Annahme einer fremden Überlieferung besteht, ist es eigentlich nur eine Ideologie, ein übernommenes gedankliches Konzept, dass nicht auf persönlicher Erfahrung gründet und mit bestimmten Emotionen quasi aufgeladen wird/ist.