vanararat1966
Moderator
AW: CH < - > D : 2 Integrationsmuster
Bonjour
Dass es 1981/82 so war, glaube ich gerne, vor allem in einem Konzern wie BBC (heute ABB). Seit Langem aber mit Sicherheit nicht mehr.
Pendeln tun nach wie vor viele, sei es von der deutschen Grenze in die Schweiz (zwecks tieferen Mieten in D und anderen Vorteilen) bzw. von anderen Schweizer Städten in die Wirtschaftsmetropole Zürich (aus Bern, Basel und St. Gallen, durchnittlich 100km pro Weg bzw. 1.5 - 2h im Zug / Bus pro Weg bzw. Auto inkl. Stau bzw. im Extremfall exkl. Stau). Und ich bin mir sicher, dass die Anzahl der pendelnden Schweizer bei Weitem überweigt. Auch Schweizer nützen je länger je mehr die Vorteile von tieferen Mieten ausserhalb der Wirtschaftsmetropole Zürich. Und zwar nicht wegen einem Vorteil, sondern als notwendiges Übel (die Mieten sind für den 08/15 Schweizer in Zürich und näherer Umgebung einfach nicht mehr zahlbar).
Im Weiteren würde ich es allgemein so ausdrücken: je grösser die Unternehmung für die man arbeitet, je besser kann man sich verstecken, egal ob Schweizer oder Ausländer. Je kleiner die Firma, je grösser der Druck für jeden Einzelnen. "eight to five" Jobs gibt es heute beinahe nicht mehr. Egal was der Vertrag sagt, fühlt man sich durch Aussagen und andere Gegebenheiten dazu verpflichtet, bedeutet mehr zu leisten. Auch wohl im Zusammenhang damit, bei der nächsten Streichung von Arbeitsplätzen nicht dazu zu gehören (sprich: Motivation Existenzängeste).
Und es ist unbestritten meiner Meinung nach, dass gewisse Ausländergruppen mit entsprechenden Namen (bei uns eher Kosovo Albaner bzw. Mitbürger aus dem ehemaligen Jugoslawien betroffen) es bedeutend schwerer haben, eine Stelle zu finden. Hoch Qualifizierte sind davon nicht betroffen, Unqualifizierte auch nicht - aber die in der Mitte (z.B. kaufmännische Angstellte). Und dabei sind es in der Mehrzahl nicht einmal mehr Ausländer, sondern 2. / 3. Generation mit ausländischem Namen.
Die Schweiz ist in gewissem Sinne ein Einwanderungsland. 2007 waren es ca. 1.7 Millionen Ausländer, die hier leben (nicht nur arbeiten, leben). Die Zahl wird sich in der Zwischenzeit erhöht haben, wobei der Trend beispielsweise bei den Deutschen Staatsbürgern bereits wieder rückläufig ist, wohl aus der Erkenntnis, dass doch nicht alles Gold ist was glänzt.
Türken gehören hier nicht zur typischen Einwanderergruppe. Es gibt verschwindend wenige im Vergleich zu Deutschland. Die hier am schlechtesten integrierten Ausländergruppen sind Portugiesen, Italiener und Spanier. Einfach deshalb, weil diese Leute von Anfang an nie vorhaben bzw. hatten, hier ihren Lebensabend zu verbringen. Allerdings ging und geht bei vielen der Schuss nach hinten los: ihre Kinder und Enkelkinder sehen sich und sind in der Regel Schweizer und haben nicht im Traum vor, in ihre Ursprungsländer zurück zu gehen. Was ihre Eltern und /oder Grosseltern verlanlasst, deshalb ebenfalls hier zu bleiben. Nach wie vor ohne grosse Sprachkenntnisse und Kontakt zu Schweizern (ausser ihren Kindern / Enkelkindern).
Die besten, integrierten Gruppen sind jene Nationalitäten, von denen es kaum welche gibt hier einerseits (wie Türken, Afrikaner aus gewissen Staaten Afrikas) und andererseits solche, die eine Rückkehr per se ausschliessen (wie z.B. Menschen aus Sri Lanka).
Es gibt ohne Zweifel grosse Lücken in Sachen Integration verursacht durch die Politik und dem Lauf der Zeit. Im Gegensatz zu Deutschland ist ein Familiennachzug nach wie vor ohne Kenntnisse einer der Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch oder Romanisch) möglich. Und ich wiederhole hier auch gerne, was ich schon geschrieben habe im Verlauf meiner Zeit im Forum: Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Ohne Sprachkenntnisse, keine Integration.
Brennesseln und Disteln gibt es zu Hauf, nicht nur für Ausländer. Wie schon erwähnt, es ist nicht alles Gold was glänzt.
bonjour
die Meisten leben hier in D und denken, alles was in D gilt, gilt überall :mrgreen:
wenn man etwas zu D sagen darf, darf man das stereotypisch zu F, B, NL, ... und CH auch sagen.
ist es richtig oder ist es naiv?
die deutschen Kapitalisten haben mal Arbeitnehmer von ausserhalb holen müssen. es wurde beiderseits nicht getan, was vereinbart war. daraus entsteht heute im Nachhinein eine Verwicklung sowie eine schicksalhafte Bindung.
war es in der Schweiz auch so? seit wann???
ich weiss nur, dass ich in 1981/82 einen guten Arbeitsplatz bei BBC bekommen hatte. kurz bevor ich den Betrieb verliess (ich war so gut wie angestellt), fragte ich, zum Glück, nach einigen praktischen Details.
- wie sieht es aus mit Wohnen (im Konzern, wo ich war, gab es eine eigene Immobilien-Abt., die auch günstig Miet-Wohnungen vermittelte)?
- wie sieht es aus mit der Arbeitszeit?
beide Antworten vom indischen ( :!: ) Abteilungsleiter waren hochinteressant:
- no Wohnung in der CH, Du musst täglich zwischen Baden und Deutschland pendeln (70 km, eine sehr belastete Strasse, speziell im Winter)...
- das schweizerische Büropersonal lässt die Bleistifte um 16 h 15 äusserst pünktlich fallen. falls ein Grossprojekt noch termingerecht raus muss, so um einen Ausschreibungstermin einzuhalten, muss der (ausländische) Projekt-Ingenieur notfalls über Nacht den Kopierer speisen, was gar nicht seine Arbeit sein sollte, das ist Wahnsinn beim Gehalt, und hinterher zum Schlafen nach D zurückpilgern!
das Gespräch nahm sofort einen anderen Verlauf und endete mit einem "danke" von mir :mrgreen:
ich habe es nie bereut.
aber eine Lehre daraus gezogen:
die Schweiz ist kein Einwanderungsland. derjenige, der dahingeht, findet Brennesel und Distel jede Menge. das saftige Gras ist für die schweizerischen Tiere!
jetzt sind ein paar Einwanderer aus ferneren Ländern empört, weil Schweizer nicht so fügsam sind, wie Deutschen, und fühlen sich diskriminiert!
warum?
muss jedes Land sich zwingend als Einwanderungsland anbieten, und wie es mit Gegenseitigkeit damit aus?
und falls, ist es für immer?
salut
Bonjour
Dass es 1981/82 so war, glaube ich gerne, vor allem in einem Konzern wie BBC (heute ABB). Seit Langem aber mit Sicherheit nicht mehr.
Pendeln tun nach wie vor viele, sei es von der deutschen Grenze in die Schweiz (zwecks tieferen Mieten in D und anderen Vorteilen) bzw. von anderen Schweizer Städten in die Wirtschaftsmetropole Zürich (aus Bern, Basel und St. Gallen, durchnittlich 100km pro Weg bzw. 1.5 - 2h im Zug / Bus pro Weg bzw. Auto inkl. Stau bzw. im Extremfall exkl. Stau). Und ich bin mir sicher, dass die Anzahl der pendelnden Schweizer bei Weitem überweigt. Auch Schweizer nützen je länger je mehr die Vorteile von tieferen Mieten ausserhalb der Wirtschaftsmetropole Zürich. Und zwar nicht wegen einem Vorteil, sondern als notwendiges Übel (die Mieten sind für den 08/15 Schweizer in Zürich und näherer Umgebung einfach nicht mehr zahlbar).
Im Weiteren würde ich es allgemein so ausdrücken: je grösser die Unternehmung für die man arbeitet, je besser kann man sich verstecken, egal ob Schweizer oder Ausländer. Je kleiner die Firma, je grösser der Druck für jeden Einzelnen. "eight to five" Jobs gibt es heute beinahe nicht mehr. Egal was der Vertrag sagt, fühlt man sich durch Aussagen und andere Gegebenheiten dazu verpflichtet, bedeutet mehr zu leisten. Auch wohl im Zusammenhang damit, bei der nächsten Streichung von Arbeitsplätzen nicht dazu zu gehören (sprich: Motivation Existenzängeste).
Und es ist unbestritten meiner Meinung nach, dass gewisse Ausländergruppen mit entsprechenden Namen (bei uns eher Kosovo Albaner bzw. Mitbürger aus dem ehemaligen Jugoslawien betroffen) es bedeutend schwerer haben, eine Stelle zu finden. Hoch Qualifizierte sind davon nicht betroffen, Unqualifizierte auch nicht - aber die in der Mitte (z.B. kaufmännische Angstellte). Und dabei sind es in der Mehrzahl nicht einmal mehr Ausländer, sondern 2. / 3. Generation mit ausländischem Namen.
Die Schweiz ist in gewissem Sinne ein Einwanderungsland. 2007 waren es ca. 1.7 Millionen Ausländer, die hier leben (nicht nur arbeiten, leben). Die Zahl wird sich in der Zwischenzeit erhöht haben, wobei der Trend beispielsweise bei den Deutschen Staatsbürgern bereits wieder rückläufig ist, wohl aus der Erkenntnis, dass doch nicht alles Gold ist was glänzt.
Türken gehören hier nicht zur typischen Einwanderergruppe. Es gibt verschwindend wenige im Vergleich zu Deutschland. Die hier am schlechtesten integrierten Ausländergruppen sind Portugiesen, Italiener und Spanier. Einfach deshalb, weil diese Leute von Anfang an nie vorhaben bzw. hatten, hier ihren Lebensabend zu verbringen. Allerdings ging und geht bei vielen der Schuss nach hinten los: ihre Kinder und Enkelkinder sehen sich und sind in der Regel Schweizer und haben nicht im Traum vor, in ihre Ursprungsländer zurück zu gehen. Was ihre Eltern und /oder Grosseltern verlanlasst, deshalb ebenfalls hier zu bleiben. Nach wie vor ohne grosse Sprachkenntnisse und Kontakt zu Schweizern (ausser ihren Kindern / Enkelkindern).
Die besten, integrierten Gruppen sind jene Nationalitäten, von denen es kaum welche gibt hier einerseits (wie Türken, Afrikaner aus gewissen Staaten Afrikas) und andererseits solche, die eine Rückkehr per se ausschliessen (wie z.B. Menschen aus Sri Lanka).
Es gibt ohne Zweifel grosse Lücken in Sachen Integration verursacht durch die Politik und dem Lauf der Zeit. Im Gegensatz zu Deutschland ist ein Familiennachzug nach wie vor ohne Kenntnisse einer der Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch oder Romanisch) möglich. Und ich wiederhole hier auch gerne, was ich schon geschrieben habe im Verlauf meiner Zeit im Forum: Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Ohne Sprachkenntnisse, keine Integration.
Brennesseln und Disteln gibt es zu Hauf, nicht nur für Ausländer. Wie schon erwähnt, es ist nicht alles Gold was glänzt.