Alubehütet
Well-Known Member
Nicht zwingend in jedem Einzelfall. Warum sich nicht öfters mal ein Weinchen gönnen, wenn am nächsten Morgen im Homeoffice niemand die Fahne riecht. Und das muß nicht bedeuten, daß ein jeder in Gefahr steht, Kontrollverlust zu erleiden.Aber es ging ja hauptsächlich um den gestiegenen Alkoholbedarf. Der ist für mich kein Indiz das es jemandem schlecht geht.
Aber in Tateinheit mit massiv erhöhter Nachfrage nach Psychotherapie ergibt das gesamtgesellschaftlich ein eindeutiges Bild. Und, ja. Es gibt auch so etwas wie eine psychohygienische Herdenimmunität, die zusammenbricht. Wir hatten das schon beobachtet nach 9/11: Vielen, denen es gelang, in einem einigermaßen intakten Umfeld „sich zusammenzureissen“, klappten zusammen, als eine gesamte Gesellschaft depressiv, belastungsgestört wurde. Zum Teil ist es auch erleichternd, sich nicht mehr zusammenreissen zu müssen, Normalität und Funktionalität zu heucheln, wenn alles um einem herum sowieso einen quasidepressiven, sozialkontakt- und aktivitätsarmen Lebensstil lebt. Insofern mögen viele, die jetzt zusammenklappen, nicht erst unter externen Lockdownbelastungen zusammenklappen – Wegbruch der wirtschaftlichen Existenz –, sondern vorerkrankt sein. Wer binnen weniger Wochen so abstürzt wie der bekannte Vegankoch, bei dem muß schon vorher eine Schraube locker gewesen sein; beim Sängerbarden ist das dokumentiert.
Das ist aber doch Einzelfalldiagnostik. Das hat den einzelnen Sozialarbeiter oder Psychotherapeuten zu interessieren, wo da „nur“ gesellschaftlich/politische Mißstände sind oder gar eine unvermeidbare Naturkatastrophe Pandemie, und wo da Eigenanteile sind, an denen der Einzelne was schrauben kann.
Insgesamt gilt, wie die Kanzlerin schon sehr früh angesagt hat, daß wir vor der größten Belastung stehen mindestens seit der Wende, und dann korrigierte sie sich: Seit der Nachkriegszeit. Ich verstehe nicht, wie man jetzt diese Diagnose verharmlosen und den Gestrauchelten die Schuld auch noch alleinig selber zuschieben will. „Willensschwäche“.
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