Coronavirus Covid-19 ---- Sind die Maßnahmen angemessen?

Es gab einmal Zeiten, da haben sich kirchliche Hilfswerke und Einrichtungen den Anordnungen des Staates widersetzt, lebensunwertes Leben der Euthanasie auszuliefern, haben diese behinderten Menschen vielmehr in Versorgungskellern versteckt. (...)

Dünnes Eis, mein Freund, ganz dünnes Eis und dünnes Argument. Abgesehen von dem m.E. wirklich ausgesprochen schiefen Rückgriff auf die NS-Ära: Christentum bedeutet meines Wissens nicht (!), in einer Pandemie den Anspruch hochzuhalten, andere ggf. infizieren zu dürfen.
Es bedeutet, sich auch mal im richtigen Moment zurückzuhalten, aus Empathie und - zugegeben unpopulärer - Nächstenliebe.
Dafür kann man bitte auch mal Online-Gottesdienste abhalten. Und wenn sie dazu nicht fähig sind, sollen sie sich meinetwegen zum Teufel scheren! :mad:
Theatern und Universitäten mutet man ja auch den Lockdown zu.

Von meiner betagten Nachbarin hatte ich andernthreads kurz erzählt: Sie liegt noch immer in der Klinik.
Sehr unklar, wie es ausgeht; es geht ihr sehr schlecht; ihre Kinder rechnen stündlich mit traurigen Nachrichten und dürfen sie nicht besuchen, no way. Die Klinik weist sie ab.
Das finde ich extrem unethisch und beklemmend, zumal es Schnelltests gibt, die auch Krankenhauskonzernen zur Verfügung stehen.

Aber kerngesunde oder infizierte Leute (so genau ist das nicht auszumachen, erst recht nicht, wenn Freikirchen auch auf Anwesenheitslisten verzichten) dürfen gemeinsam in Gottesdiensten kuscheln. Du merkst den Unterschied? Guten Morgen!
 
Dünnes Eis, mein Freund, ganz dünnes Eis und dünnes Argument. Abgesehen von dem m.E. wirklich ausgesprochen schiefen Argument: Christentum bedeutet meines Wissens nicht (!), in einer Pandemie den Anspruch hochzuhalten, andere ggf. infizieren zu dürfen. Es bedeutet, sich auch mal im richtigen Moment zurückzuhalten, aus Empathie und - unpopulärer - Nächstenliebe. Dafür kann man bitte auch mal Online-Gottesdienste abhalten. Und wenn sie dazu nicht fähig sind, sollen sie sich meinetwegen zum Teufel scheren! :mad:
Theatern und Universitäten mutet man ja auch den Lockdown zu.
Wußte nicht, ob das interessant genug gewesen wäre, hier zu verlinken. Hier in NRW hatten wir einen Fall: Landkreis verbietet alle Präsenz-Weihnachtsgottesdienste. Laschet verbietet Landkreis, zu verbieten. Landkreis geht vor Gericht und verliert. Kirche verzichtet von sich aus auf alle Präsenz-Weihnachtsgottesdienste, weil Argumente des Landkreises schlüssig seien.

So ist es vorbildlich.

Religion ist dann bei allem Respekt doch noch etwas anderes als Theater.
 
Wußte nicht, ob das interessant genug gewesen wäre, hier zu verlinken. Hier in NRW hatten wir einen Fall: Landkreis verbietet alle Präsenz-Weihnachtsgottesdienste. Laschet verbietet Landkreis, zu verbieten. Landkreis geht vor Gericht und verliert. Kirche verzichtet von sich aus auf alle Präsenz-Weihnachtsgottesdienste, weil Argumente des Landkreises schlüssig seien.

So ist es vorbildlich.

Vorab: entschuldige bitte, dass ich oben so in die Ketten gegangen bin und Dich angepampt hab, aber die Situation mit meiner lieben alten Nachbarin geht mir näher als religiöse Belange. Sie und ihre Kinder sind ja keineswegs die Einzigen, die das trifft. Und der Egoismus einzelner Kirchengemeinden nervt mich kolossal. Wenn alle verzichten sollen, wäre es m.E. an den Kirchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Viele tun das ja auch. Aber andere?
Da hilft m.E. nur klare Kante. Wenn sie selbstreflektiert genug sind, von sich aus zu verzichten, wie in Deinem Beispiel, ist das natürlich super. Aber es sind bei weitem nicht alle.

Religion ist dann bei allem Respekt doch noch etwas anderes als Theater.

Mag sein, dass gemeinsames Beten Gläubigen mehr bietet als ein gelungenes Konzert, eine Theateraufführung.
Ich zöge immer letzteres vor. Aber der Gedanke an alte Menschen, die einsam verdämmern (müssen), weil eine Sterbebegleitung noch Lebender anscheinend als weniger ethisch gilt als das gemeinsame Anhimmeln eines geschmückten Altars, macht mich zornig. Ich finde diese politische Entscheidung einfach doppelmoralisch, bescheuert und zutiefst inhuman.
Verzeih, Du merkst: ich bin noch immer richtig gallig. : //
 
Aber der Gedanke an alte Menschen, die einsam verdämmern (müssen), weil eine Sterbebegleitung noch Lebender anscheinend als weniger ethisch gilt

Ich finde es unerträglich, dass Krankenhäuser nicht mal Besuche bei Schwerstkranken zulassen. Es scheint zu verlockend zu sein, sich nicht von Angehörigen, nicht mal von BetreuerInnen, auf die Pfoten schauen lassen zu müssen.

weniger ethisch gilt als das gemeinsame Anhimmeln eines geschmückten Altars,
Ich stimme dir da zu, erinnere aber trotz allem daran, dass sich staatliches Handeln an das Gebot der Verhältnismäßigkeit halten muss und da finde ich, ist die Stadt Essen im Hinblick auf die Kinder zu weit gegangen. Schließlich geht es um Ordnungswidrigkeiten, nicht um Terrorismus.
 
Sowohl das Krankenhaus hier vor Ort als auch das Altenheim im Nachbarort hat genügend und ausladende Aussenflächen. Da hätten sie über den Sommer längst ein paar provisorische Verschläge anbringen können, Raucherpavillon-ähnlich. Omi warm anziehen, FFP-2Maske auf, rausschieben. Meinetwegen sogar hinter Plexispuckschutzwand. Besucher natürlich auch nur mit Maske; ggf. auch noch Schnelltest. Wenn das Personal das nicht leisten kann, finden sich bestimmt auch Pfadfinder oder spontane Facebook-Gruppen. Omis in Mantel hüllen, in Rollstuhl wuppen, Decke über die Beine ist keine große Kunst, derer es einer Ausbildung bedarf.

Und zur Religionsfreiheit gehört auch der Empfang der Sterbesakramente. Dem meines Erachtens unbedingt gleichzustellen ist, daß Verwandte in den letzten Stunden die Hand halten. Wenn wir im Februar/März überrascht waren, jetzt sind wir es nicht.
 
Schließlich geht es um Ordnungswidrigkeiten, nicht um Terrorismus.

Wo Du recht hast, hast Du recht. Aber vielleicht haben sie sie vorher ermahnt, und nix ist passiert? Weiß ich nicht. Ich erinnere nur (aus anderen Zusammenhängen bzw. früheren Aufenthalten), dass ghanaische Freikirchen beziehungsweise Sekten sehr inbrünstig agieren. Ob sie sich von freundlichen Appellen beeindrucken lassen, wage ich eher zu bezweifeln...
Aber das gilt für Westafrika, und ich kenne die Leute in Essen nicht, war nicht dabei.

Es geht nicht um ästhetisches Erleben, wie wichtig das ist für meinen Seelenhaushalt. Es geht schon um Religion.

Ich bin da sehr gleichgültig; mich lässt das kühl. Man glaubt oder glaubt nicht.
Das ist jedem selbst überlassen und geht überall. Nicht nur in Kirchen.

Allerdings musste ich vor Jahren nach unfreiwilligen Einblicken in schwarz-katholische, aber auch engstirnige protestantische Gemeinden den Eindruck gewinnen, dass es Leute gibt, die sich vor allem fromm und tugendhaft geben, wenn andere zugucken. Darum pilgern sie zu Gottesdiensten. Wegen der Sozialkontrolle. Schon 'verdächtig', wenn ein Schäfchen fehlt. Womöglich verkappte Agnostiker.innen oder Schlimmeres. (Amen. :rolleyes: )
 
Zuletzt bearbeitet:
Top