Debatte um Work-Life-Balance Kind und Karriere - ein Märchen?

Faktotum

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AW: Debatte um Work-Life-Balance Kind und Karriere - ein Märchen?

Ja, ein Märchen.
Schon unseren Kindern bring ich bei: "Mach immer nur eine Sache auf einmal. Machst Du zwei Sachen auf einmal, wirst Du eine Sache nicht so gut machen wie Du sie eigentlich machen könntest".

Übrigens eines von vielen Märchen unserer spaßigen Egomanen Gesellschaft.
Mit dazu gehören die Patchwork-Lüge, der Unsinn von den gleichen Chancen für alle Kinder - unabhängig von den persönlichen und familiären Voraussetzungen - dem Märchen von der bunten und problemlosen Multi-Kulti-Gesellschaft etc.
 

alteglucke

Moderator
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Meiner Ansicht ist das, was ihr Märchen nennt, eine der dringendsten Aufgaben unserer Gesellschaft.
 

Faktotum

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Meiner Ansicht ist das, was ihr Märchen nennt, eine der dringendsten Aufgaben unserer Gesellschaft.

Warum?

Ich frage aus Gründen der Fairness gleich mal konkreter:

Geht es dabei wirklich noch darum, dass Frauen sich im Beruf selbstverwirklichen können - auch während der ersten drei doch so wichtigen und prägenden Lebensjahre des Kindes - oder geht es nicht vielmehr um eine wirtschaftliche Notwendigkeit, damit man nicht verarmt?

Falls es um die berufliche Selbstverwirklichung geht, dann sollte man mal die vielen Reinigungsfachkräfte, Verkäuferinnen und Fabrikarbeiterinnen am Band fragen, wie sie die Sache einschätzen.
 
H

hatira

Guest
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Warum?

Ich frage aus Gründen der Fairness gleich mal konkreter:

Geht es dabei wirklich noch darum, dass Frauen sich im Beruf selbstverwirklichen können - auch während der ersten drei doch so wichtigen und prägenden Lebensjahre des Kindes - oder geht es nicht vielmehr um eine wirtschaftliche Notwendigkeit, damit man nicht verarmt?

Falls es um die berufliche Selbstverwirklichung geht, dann sollte man mal die vielen Reinigungsfachkräfte, Verkäuferinnen und Fabrikarbeiterinnen am Band fragen, wie sie die Sache einschätzen.


Warum führst du diese Damen an:?:
Ich verstehe den Zusammenhang jetzt nicht.
 

alteglucke

Moderator
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Geht es dabei wirklich noch darum, dass Frauen sich im Beruf selbstverwirklichen können - auch während der ersten drei doch so wichtigen und prägenden Lebensjahre des Kindes - oder geht es nicht vielmehr um eine wirtschaftliche Notwendigkeit, damit man nicht verarmt?

Es geht gar nicht um die Frauen allein. Es geht schlicht darum, dass alle miteinander zufrieden leben können. Ich mag da ja ein wenig naiv sein, aber ebenso wenig, wie ich jremals damit zufrieden sein könnte, zu kochen, zu putzen und meinem Kind auf die Nerven zu gehen, kann ich mir vorstellen, dass es befriedigend ist, allein für die finanzielle Versorgung einer Familie zuständig zu sein und im Gegenzug vom Familienleben nichts mehr zu haben.

Und was die ersten drei ach so wahnsinnig wichtigen Lebensjahre angeht: Warum nehmen es, wenn das so ist, denn so viele Väter in Kauf, in dieser Zeit praktisch nicht präsent zu sein?
 

Aylin2009

Active Member
AW: Debatte um Work-Life-Balance Kind und Karriere - ein Märchen?

Ich hab mich schon bevor der Artikel zum "Drittens" überging gefragt, was das mit Frauen und Feminismus zutun hat. Männer, die Karriere machen haben dieses Problem doch genauso und das seit eh und je. Es ist fast unmöglich ein guter Vater zu sein, wenn man unter der Woche nie zuhause ist und nur für seinen Job lebt. Aber das sind halt Prioritäten die man(n) setzt. Und genauso tut Frau es eben heutzutage auch.

Eine Frau wie Angela Merkel hat sich für die Karriere entscheiden und wird sicher nicht unglücklich über diese Entscheidung sein. Dann gibt es immer mehr Super-Mamis a la Ursula von der Leyen, die scheinbar alles unter einen Hut bekommen. Wie gut sie ihren Job als Mutter wirklich macht, kann man von Außen nicht beurteilen. Aber sicher ist, dass sie höchstens am Wochenende mal ein wenig Zeit für ihre Kinder hat. Unter der Woche sind es andere Menschen, die sich um die Kinder kümmern. Und genauso geht es jedem erfolgreichen Karrieremann seit eh und je. Das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Wenn Mann und Frau das so wollen.

Eine gesellschaftliche Herausforderung ist es, es allen Frauen und Männern zu ermöglichen diesen Weg zu wählen. Nicht nur den Topmanagern und Politikern, die es sich leisten können, sondern auch der Krankenschwester und dem Montagearbeiter. Und dafür braucht es eine gute, flexible und bezahlbare Kinderbetreuung.

Work life Balance bedeutet für mich aber viel mehr als Karriere und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Es geht nicht nur um die Verpflichtungen sondern auch darum, Zeit für sich selbst zu finden. Zeit um Aufzutanken um die Verantwortungen, die Kinder und Karriere erfordern, zu tragen. Und dieses Life-work-Balance Konzept ist für mich in der Tat eine große Lüge. Sie setzt die moderne Frau (oder den modernen Mann) heutzutage noch mehr unter Druck. Jetzt muss ich zwischen stressigem Job, der Kindererziehung und der Pflege meiner pflegebedürftigen Eltern auch noch zusehen, dass ich zwei mal in der Wochen die Yogastunde nicht verpasse, jeden morgen joggen gehe und mein Essen im Bioladen einkaufe damit meine life-work-Balance auch stimmt. Das ist ein schönes Ideal, dass aber nicht realisierbar ist und im Zweifel mehr stress bedeutet. Karriere, Kinder und life-work Balance gibt es in meinen Augen nicht.
 

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AW: Debatte um Work-Life-Balance Kind und Karriere - ein Märchen?

Es geht gar nicht um die Frauen allein. Es geht schlicht darum, dass alle miteinander zufrieden leben können. Ich mag da ja ein wenig naiv sein, aber ebenso wenig, wie ich jremals damit zufrieden sein könnte, zu kochen, zu putzen und meinem Kind auf die Nerven zu gehen, kann ich mir vorstellen, dass es befriedigend ist, allein für die finanzielle Versorgung einer Familie zuständig zu sein und im Gegenzug vom Familienleben nichts mehr zu haben.

Und was die ersten drei ach so wahnsinnig wichtigen Lebensjahre angeht: Warum nehmen es, wenn das so ist, denn so viele Väter in Kauf, in dieser Zeit praktisch nicht präsent zu sein?

Gut das Du das Thema ansprichst.
Die Väter werden bei der Frage der Kinderbetreuung nämlich - ähnlich wie bei den Scheidungen - einfach mal so in eine Schublade gesteckt.

In den ersten Lebensmonaten des Kindes ist die Mutter die wichtigste Bezugsperson. Alleine schon, weil sie stillt (hoffentlich). Später könnten dann sehr wohl die Väter einen Teil der Erziehungsarbeit leisten.
ABER
... in der Regel werden "typtische" Frauenberufe schlechter bezahlt. D.h. um das finanzielle Überleben der Familien sichern zu können, sind die Männer regelmäßig gezwungen, arbeiten zu gehen und müssen dabei auf sehr viel Zeit mit ihren Kindern verzichten.
Dazu kommt natürlich noch dieser kleine psychologische Tick, den wir wahrscheinlich der Evolution verdanken. Viele Frauen neigen dazu, sich einen "Versorger" zu suchen. Der muss diese Aufgabe dann nicht unbedingt wirklich ausfüllen. Aber beruflicher und finanzieller Erfolg dürften bei der Partnerwahl nicht ganz unerheblich sein. Und wo fängt beruflicher und finanzieller Erfolg an? Na, wenn der Traummann beruflich und finanziell erfolgreicher ist als frau selbst.

Es ist ganz klar eine Frage des Geldes.

Ich bin davon überzeugt, dass viel mehr Frauen und auch Männer eine berufliche Auszeit nehmen würden, wenn das finanziell machbar wäre.

Ach ja, wo ich vorhin schon den Begriff "Evolution" genannt habe ... Vielleicht haben ja Jahrtausende der Menscheitsgeschichte ihre genetischen Spuren hinterlassen und Frauen sind tatsächlich geeigneter Familie und Haushalt zu versorgen? :wink::lol:
 

vanararat1966

Moderator
AW: Debatte um Work-Life-Balance Kind und Karriere - ein Märchen?

Ein extrem guter (und langer) Artikel zum Thema, der hohe Wellen geworfen hat.

Verräterin der Sache der Frau, wurde und wirs sie genannt. Ich denke jedoch, sie hat nun zu Papier gebracht, was einfach Realität ist.

Zitat aus dem Artikel des Tagesanzeigers:

"Anne-Marie Slaughter kommt zum Schluss, dass sich nicht die Frauen, sondern die Haltung ändern müsse. «Die Gesellschaft muss sich ändern. Die Entscheidung, die Familie vor den Beruf zu stellen, muss genauso wertgeschätzt und akzeptiert werden, wie die umgekehrte Entscheidung."

http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Koennen-Muetter-alles-haben/story/28586825

Originalartikel in Englisch (ich habe leider keine Zeit für eine Zusammenfassung in Deutsch).

http://www.theatlantic.com/magazine...can-8217-t-have-it-all/9020/?single_page=true
 
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