Eigentlich ein Tabuthema, aber

AW: Eigentlich ein Tabuthema, aber

Im Alter von 20- 25 Jahren war Selbstmord für mich ein Dauerthema. Ich war nicht aufgrund äusserer Schicksalsschläge verzweifelt, es war mehr eine latente Depression mangels innerer Erfüllung. Ich empfand das alltägliche Leben als hohl und leer, konnte kaum etwas finden, dass mich motivierte, für das sich das Leben lohnte. Als verkappter Idealist sah ich überall nur Egoismus und war der Überzeugung, dass mich andere Menschen niemals aus dieser schwermütigen Grundstimmung befreien würden und auch gar nicht konnten, da jeder seinen eigenen Lebensweg gehen und leztlich immer an sich selbst denken musste. An etwas Höheres bzw. einen tieferen Sinn glaubte ich nicht. Wahre Liebe, echte tragfähige zwischenmenschliche Bindungen, Freiheit und Gerechtigkeit waren Ideale, die fast ausschliesslich in den Köpfen der Menschen zu existieren schienen. Aus diesem Grund flüchtete ich mich in diverse Zerstreuungen und hatte gleichzeitig immer die Option des "Ausstiegs" im Hinterkopf, falls das Missverhältnis zwischen lustvollen/erträglichen und leidvollen/unangenehmen Lebenserfahrungen einmal zu gross werden sollte.
Gleichtzeitig war ich aber auch immer auf der Suche, in der Literatur, in Filmen, in meiner Phantasie, meinen Träumen. Irgendwann stiess ich erst auf die Psychologie, dann auf die Philosophie und schliesslich befasste ich mich auch mit spiritueller/religiöser Literatur. Im Laufe der Beschäftigung mit der existenziellen Frage lernte ich viel über das Leben und mich selbst. Ich fing an, mich langsam aber kontinuierlich zu verändern. Im gleichen Masse schienen sich die Dinge um mich herum zu verändern. Was aber eigentlich geschah war, dass ich nach und nach immer mehr zu mir selbst fand. Früher hatte ich mich einfach nicht selbst, hatte kein echtes Selbst- Bewusstsein, lediglich Schwäche, die sich als Stärke tarnte. Vordergründig besteht wahrscheinlich nicht einmal ein grosser Unterschied zwischen der Person von damals und der von heute. Der Unterschied im Innern- in der Tiefe- ist umso bedeutsamer. Die grösste "Errungenschaft" ist aus meiner Sicht eine gewisse Gelassenheit- vielleicht das, was man landläufig als in sich selbst ruhen bezeichnet. Dieses in sich selbst gelassen sein macht unabhängiger von äusseren Einflüssen aber ebenso von den eigenen Gedanken, denen ich früher regelrecht ausgeliefert war.
VG
 
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Ich glaube jeder hat irgenwann mal in seinem/ihrem Leben mit diesem Gedanken gespielt aber die meisten sind zu feige diesen Gedanken zu Ende zufuehren da sie immer noch ein Funken Hoffnung in sich haben. Nur die Leute die ueberhaupt keine Hoffnung mehr haben und alles verloren haben und ganz alleine dastehen sind mutig genug dafuer. Es ist auch eigentlich sehr interessant dass meistens die Menschen von denen man am wenigsten erwartet sich das Leben nehmen. Wie damals eine Freundin von mir. Ich haette nie und nimmer von ihr gedacht dass sie Selbstmord fuer einen Mann begehen wuerde. Aber sie hat. :cry:
 
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Hallo TheCore,

vielleicht klingt es wirklich verwirrend aber ich denke wirklich dass es eine Menge Portion Mut benoetigt alles hinzuschmeissen. Glaubst du du koenntest dich von einer Bruecke runterstuerzen oder eine Kanone abfeuern auch wenn du noch so verzweifelt bist? Ich persoenlich nicht. Aber es ist auch eine Zwiespalt. Einerseits sind diese Menschen mutig genug das zu tun um ihrem Leid ein Ende zu setzen aber auf der anderen Seite sind sie zu feige gegen ihre Problemen anzukaempfen.
Ich hoffe du denkst nicht dass ich ein bisschen balabala bin.:oops:
 
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Ich hoffe du denkst nicht dass ich ein bisschen balabala bin.:oops:


Nee nee, es hat nur etwas seltsam gewirkt, weil Du eben nicht nur den Selbstmord mit Mut sondern auch das Weiterleben mit Feigheit gleichgesetzt hast. Ich glaube, Weitermachen ist oft mutiger als Aufhören. Was die Ausführung betrifft erfordert der Selbstmord Mut, keine Frage.
 
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Was ich eigentlich nicht verstehe ist warum Selbstmord ein Tabuthema ist. Warum sich die meisten Menschen schaemen zu sagen dass ein Verwandter Selbstmord begangen hat. Er hat ja niemanden ausser sich auf dem Gewissen. Natuerlich meine ich nicht die Geisterfahrer die sich umbringen moechten und dabei ein paar Unschuldige die nichts mit ihm zutun haben mit in den Tod ziehen oder sie ein lebenlang ans Bett fesseln.
Warum darf der Imam in Islam oder der Priester bei den Katoliken kein Grabgebet fuer den Verstorbenen aussprechen? Und warum schaemen sich angehoerige fuer das was ihr Angehoerige/r getan hat:?:
 
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Was ich eigentlich nicht verstehe ist warum Selbstmord ein Tabuthema ist.


Selbstmord ist sehr oft mit einem gewissen Egoismus behaftet. Es gibt kaum Möglichkeiten ihn zu begehen ohne andere zu verwickeln. Am meisten natürlich Angehörige, die sich fragen, warum sie nichts gemerkt und dagegen unternommen haben. Diese Selbstvorwürfe machen wahrscheinlich einen großen Teil ihrer Scham aus. Im Umfeld des Selbstmörders entsteht leicht die Angst, - überspitzt formuliert - ein Mörder zu sein oder dafür gehalten zu werden.
 
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Das sich die Leute schaemen nichts bemerkt zu haben klingt total logisch aber warum geht die Religion so hart mit den Selbstmoerdern um.
Sogar Kriminelle werden mehr Menschengerecht beerdigt. Warum ist es so eine Suende?? Ist es etwa deshalb weil es den Spruch gibt " was Gott geschaffen hat darf der Mensch nicht nehmen??"
 
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Das sich die Leute schaemen nichts bemerkt zu haben klingt total logisch aber warum geht die Religion so hart mit den Selbstmoerdern um.
Sogar Kriminelle werden mehr Menschengerecht beerdigt. Warum ist es so eine Suende?? Ist es etwa deshalb weil es den Spruch gibt " was Gott geschaffen hat darf der Mensch nicht nehmen??"


....also ich denke dass genau diese Aussage richtig ist.

Hast du schon einmal erlebt wie Ärzte mit Patienten umgehen, die versucht haben sich das Leben zu nehmen, von ihnen aber gerettet wurden? Ich habe es erlebt und es war unwürdig es mit anzusehen. Aber Ärzte sind nunmal dafür da um Leben zu erhalten.....da können sie es vielleicht nicht verstehen dass jemand freiwillig sein Leben beendet. :|

Edit:....werden Selbstmörder anders beerdigt? Das wäre mir neu....
 
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Edit:....werden Selbstmörder anders beerdigt? Das wäre mir neu....

Früher bekamen sie kein kirchliches Begräbnis und wurden recht weit abseits der anderen beigesetzt (oder ganz woanders, wenn das Grundstück des Friedhofs der Kirche gehörte). Ist heutzutage in ländlichen Gegenden teilweise auch noch ein Grund für den Widerwillen des Pfarrers.
 
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