Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

Annie

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Liebe TT`ler,

nachdem ich nun schon seit vielen Monaten hier Eure interessanten Berichte, Geschichten und Beiträge mitlese, möchte ich mich nun doch auch einmal zu Wort melden.

Meine Liebe zur Türkei mit ihren netten und so gastfreundlichen Menschen habe ich in meinem Sommerurlaub letztes Jahr entdeckt. Begeistert von Kultur und Sprache habe ich mich gleich bei der VHS zu einem Türkischkurs angemeldet. Natürlich wollte ich dann dieses Jahr gleich wieder in die Türkei reisen, was ich auch im Juni gemacht habe.

Durch die vielen ähnlichen Beiträge in Eurem Forum habe ich natürlich viel über Askims und Bezness gelesen und war entsprechend vorgewarnt. Zudem bin ich durch meine letzte Beziehung gebranntes Kind und entsprechend vorsichtig.

Meine Freundin (ihre Kinder sind bereits in meinem Alter) und ich waren in unserem Hotel schnell bekannt als die fröhlichen „Mädels“, die eigentlich ständig etwas zum Lachen hatten. Da wir in keinem „All-inclusive-Bunker“ waren, hatte das Hotel doch eher familiären Charakter, so dass man schnell auch mit den Mitarbeitern bekannt war.
Tja, und dann sind meine ach so guten Vorsätze eben doch ins Wanken geraten, nachdem sich unser Tischkellner sehr um mich bemüht hatte. Wir waren jeden Abend zu Dritt unterwegs und wenn meine Freundin dann ins Bett gegangen ist, waren er und ich noch zusammen.
Anfangs war ich mir sicher, dass sich nicht mehr entwickeln würde- entspricht er doch nicht dem Bild des Mannes, der für mich hätte interessant sein können- wie gesagt- das dachte ich. Aber gerade seine natürliche, unaufdringliche Art hat es mir dann doch angetan. Er ist kein Sprücheklopfer, schickt keine vorgefertigten sms, die man sich 100-fach im Internet herunterladen kann. Auch hat er sofort akzeptiert, dass bei mir nicht das laufen wird, was vermutlich andere Touristinnen schneller bereit sind zu tun. Aber mir war es total wichtig, dass ich meinen Respekt / meine Ehre nicht verliere.
Die Abreise war schwer für mich, aber ich habe ja auch im Prinzip eine Mauer um mein früher verletztes Herz gebaut und versuche daher, mich von vorn herein nicht zu sehr einzulassen, um nicht wieder verletzt zu werden. Überraschend hat er sich doch gleich bei mir gemeldet, als ich zuhause war und dies nun schon seit 10 Wochen so gut wie täglich.
Nachdem ich festgestellt habe, dass auch ich ihn nicht so schnell vergessen kann, habe ich viel mit einer Freundin geredet. Ich bin alt genug (31), um realistisch zu sein und zu wissen, dass man auf eine solche Entfernung meiner Meinung nach keine wirkliche Beziehung aufbauen kann. Wie soll man mehr voneinander erfahren? Wie soll man Alltag miteinander leben? Auf der anderen Seite: Wer sagt mir, dass der Richtige für mich gerade hier in Deutschland um die Ecke auf mich warten muß? Vielleicht ist auch ein Mann in der Türkei für mich gedacht…
Um das herauszufinden fliege ich nun mit einer Freundin in 7 Wochen nochmals zu ihm und werde einfach abwarten, wie sich alles entwickelt.
Warum ich Euch das alles schreibe?? Ich glaube, weil mir aus vielen Urlaubsgeschichten Anderer zwei Dinge klar geworden sind:
Zum Einen glaube ich, dass man nicht nur aufgrund äußerer nicht passender Umstände (zu weite Entfernung, unterschiedliche Kultur) von vorn herein ein Happy-end ausschließen sollte. Aber ich erschrecke auch oft, wenn ich lese, wie schnell von Liebe gesprochen wird, wie viel Enttäuschung entsteht, wenn sich herausstellt, dass er eben nur Geld wollte oder noch weitere Frauen nebenbei hat. Jedem, der sein Herz in der Türkei verloren hat, wünsche ich daher eine große gesunde Portion Realitätssinn. Man sollte sich die rosarote Brille nicht unreflektiert aufsetzen. Ich meine nicht, dass man dauernd misstrauisch sein sollte, aber eben auch nicht zu leichtgläubig. Vielleicht ist ja eine Mischung zwischen Beidem gerade das Richtige. Was meint Ihr dazu?

Annie
 
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Genevieve

Guest
AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

hallo anni,

also ich finde das, was ich von dir lese eigentlich überhaupt nicht schlecht. da spricht der gesunde menschenverstand. du weisst bescheid über land, leute und traditionen, ebenso über die maschen der askims und hast zudem türkischkenntnisse. besser gehts doch eigentlich nicht.
du müsstest nun einfach für dich abklopfen, ob du der typ für eine fernbeziehung bist. manche können es nicht, doch wenn frau glaubt, der mann lohnt es, dann gehört den mutigen eben manchmal die welt. klar kann das unglaublich ätzend sein und selbst beim besten draht zueinander bleiben die kleinen kriegsschauplätze der kulturen nicht aus. das kann den letzten nerv rauben, einen gelegentlich an den rand des wahnsinns treiben- aber wenn man weiß, dass man zueinander gehört, packt man das auch im laufe der zeit.
wichtig finde ich, es nicht zu übereilten heiratsentscheidungen kommen zu lassen. man muss den menschen einfach versuchen, in soviel urlauben wie möglich kennen zu lernen. ein anderes mittel gibt es nicht.
ich finde es auch gut, dass deine freundin dir mit rat und tat zur seite steht. das gewährleistet einen unverblümten blick der unbeteiligten dritten.
alles gute für euch! seid ihr denn im selben alter?
 

Annie

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AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

alles gute für euch! seid ihr denn im selben alter?[/quote]

Hallo Genevieve!

Danke für deine guten Wünsche :). Kann frau doch wirklich gut brauchen. Er ist zwei Jahre jünger als ich. Das stört mich aber nicht wirklich, denn seine Lebenserfahrung (notgedrungen früh anfangen müssen zu arbeiten usw.) ist sicherlich so groß/ klein wie meine.
Und wie Du schreibst: Manchmal gehört die Mutigen die Welt. So kann ich mich zumindest später nicht darüber ärgern, dass ich es nicht versucht habe...

Annie
 
G

Genevieve

Guest
AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

hallo annie,

na der altersunterschied ist doch vernachlässigbar. die schwester meines freundes ist drei jahre älter als ihr ehemann (alles türken).
einen 17-jährigen boy hätte ich dir jetzt aber auch nicht zugetraut:biggrin:
 

Anja_H

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AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

Hallo Annie! Folgende Passage aus deinem Eingangsposting möchte ich gern nochmal hervorheben:


Zum Einen glaube ich, dass man nicht nur aufgrund äußerer nicht passender Umstände (zu weite Entfernung, unterschiedliche Kultur) von vorn herein ein Happy-end ausschließen sollte. Aber ich erschrecke auch oft, wenn ich lese, wie schnell von Liebe gesprochen wird, wie viel Enttäuschung entsteht, wenn sich herausstellt, dass er eben nur Geld wollte oder noch weitere Frauen nebenbei hat. Jedem, der sein Herz in der Türkei verloren hat, wünsche ich daher eine große gesunde Portion Realitätssinn. Man sollte sich die rosarote Brille nicht unreflektiert aufsetzen. Ich meine nicht, dass man dauernd misstrauisch sein sollte, aber eben auch nicht zu leichtgläubig. Vielleicht ist ja eine Mischung zwischen Beidem gerade das Richtige.

Das siehst du vollkommen richtig! Eine Mischung aus Vorsicht und Hingabe kann nicht falsch sein. Dann ergibt sich ein erfolgreiches Mischungsverhältnis. Schmerz und Enttäuschung gibt es zwar oft, aber dennoch darf man wirklich nie die Hoffnung verlieren...

Die Liebe ist fast immer nahezu identisch mit der Suche "nach der Nadel im Heuhaufen".

Ich wünsche dir für deine Bekanntschaft (ich schreib mal absichtlich nicht Liebe an dieser Stelle :razz:), dass du das Mischungsverhältnis, dass du so treffend beschrieben hast, für dich selbst findest und eine schöne Zeit verlebst...

Man soll ja bekanntlich die "Hoch's" im Leben immer doppelt zählen, damit die "Tief's" zu vernachlässigen sind in der Masse :-D
Sagt sich nur immer leichter als es sich tun lässt.

Alles Liebe,

Anja
 

gelidonya

New Member
AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

Nachdem ich festgestellt habe, dass auch ich ihn nicht so schnell vergessen kann, habe ich viel mit einer Freundin geredet. Ich bin alt genug (31), um realistisch zu sein und zu wissen, dass man auf eine solche Entfernung meiner Meinung nach keine wirkliche Beziehung aufbauen kann. Wie soll man mehr voneinander erfahren? Wie soll man Alltag miteinander leben? Auf der anderen Seite: Wer sagt mir, dass der Richtige für mich gerade hier in Deutschland um die Ecke auf mich warten muß? Vielleicht ist auch ein Mann in der Türkei für mich gedacht…
Um das herauszufinden fliege ich nun mit einer Freundin in 7 Wochen nochmals zu ihm und werde einfach abwarten, wie sich alles entwickelt

Ich kann dir nur zustimmen, auf diese Entfernung kann man keine Beziehung aufbauen. Vielleicht hast du ja meine Geschichte gelesen. Ich wage den Sprung ins kalte Wasser, denn ich glaube, ich habe die Nadel im Heuhaufen gefunden.:)

Das du nochmal zu ihm fliegst, finde ich gut. Aber ich hoffe auch, dass er sich dann Zeit für dich nimmt. Denn ihn nur abends zu sehen, bringt euch nicht wirklich viel näher.
Ich wünsche dir alles Gute und bin gespannt, wie deine Geschichte weiterentwickelt.
 
G

Genevieve

Guest
AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

Das du nochmal zu ihm fliegst, finde ich gut. Aber ich hoffe auch, dass er sich dann Zeit für dich nimmt. Denn ihn nur abends zu sehen, bringt euch nicht wirklich viel näher.
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das sehe ich definitiv nicht so. zwar ist es schön, wenn gemeinsam zeit miteinander verbracht werden kann, aber wenn ich den mann nach der arbeit sehe, habe ich einen riesenvorteil: ich lerne das alltagsgesicht kennen. und nur das zählt, nicht der rosarote fieselkram.
 

gelidonya

New Member
AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

das sehe ich definitiv nicht so. zwar ist es schön, wenn gemeinsam zeit miteinander verbracht werden kann, aber wenn ich den mann nach der arbeit sehe, habe ich einen riesenvorteil: ich lerne das alltagsgesicht kennen. und nur das zählt, nicht der rosarote fieselkram.

Ich glaube aber nicht, wenn man ihn nach der Arbeit sieht, das man dann sein Alltagsgesicht kennenlernt. Er freut sich doch auf das Wiedersehen, und da ist kein Platz für das Alltagsgesicht.

Mein Schatz hatte sich 9 Tage frei genommen, und ich weiss genau, dass ich sein Alltagsgesicht erst kennenlernen werde, wenn ich wirklich mit ihm zusammen wohnen werde.
 
G

Genevieve

Guest
AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

Mein Schatz hatte sich 9 Tage frei genommen, und ich weiss genau, dass ich sein Alltagsgesicht erst kennenlernen werde, wenn ich wirklich mit ihm zusammen wohnen werde.

wenn man sich zeit genug lässt, bekommt die kluge frau auch auf anderen wegen einblicke ins alltagsgesicht. niemand kann sich ewig verstellen und niemand kann für immer sonnenschein pur auf seine gesichtszüge zaubern- gerade in der türkei, wo der joballtag teilweise sehr, sehr anstrengend sein kann.
ich hatte die letzte zeit des öfteren eine ziemlich übermüdeten, angereiherten und angefressenen mann vor der webcam hocken- zwar immer noch nett zu mir und im rahmen der möglichkeiten der internetkommunikation aufmerksam, aber trotz allem alltagsgesicht.
ich hatte auch das glück, zusammen mit meinem freund an einem projekt gearbeitet zu haben: das hat viel spass gemacht, aber auch das hat mir einblicke gewährt, wie der mensch im alltag wirklich tickt.
das zusammenraufen als paar ist ein langwieriger prozess und wer von beginn an auf subtile zeichen achtet, fährt meiner ansicht nach besser....
 

Knutschkugel

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AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn

Da muss ich genevieve Recht geben, obwohl ichs natürlich schöner finde, wenn mein Freund auch frei hat. War leider bis jetzt nur ein Mal der Fall, zum Glück bei unserem ersten Urlaub im Januar. Beim ersten Mal kennt man sich ja wirklich noch fast überhaupt nicht, da ist es besser, mehr zeit miteinander zu verbringen, falls das möglich ist. Ich weiß nicht, wies ausgegangen wäre, wenn ich schon im ersten Urlaub so viel wie in den folgenden allein gewesen wäre!
Die Besuche danach hat er nämlich immer gearbeitet, wobei er netterweise von seinem Chef nur 10-Stunden-Schichten bekam statt wie momentan wieder 16 Stunden...:-( Und gerade jetzt, wo ich 3,5 Wochen unten war, war er auch öfter schlecht drauf, müde usw., genau wie jeder halt mal. Hat sich aber immer Mühe gegeben, trotzdem ne schöne Zeit mit mir zu verbringen, obwohl er sicher ab und zu lieber einfach geschlafen hätte...
Meiner Meinung nach lohnt es sich auf alle Fälle, mal länger hinzufahren, vielleicht durch Aufbauen von Überstunden.
Find ich übrigens toll, dass Du den Schritt wagst und ganznach türkiye gehst!
 
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