Gewissen

Ottoman

Well-Known Member
Ich habe eine Freundin in den Staaten. Sie ist arm. Die letzten Jahre habe ich ihr immer wieder mal Geld - oder wie in den letzten Jahren - Gutscheine von Waltmart geschickt. Zur Zeit geht es ihr nicht gut, sie weint und ist am Ende mit ihren Nerven. Das Dach ist undicht, keiner hilft ihr die Wohnung in Ordnung zu halten... sie selbst ist aufgrund ihrer Erkrankung (chronisches Müdigkeitssyndrom) eingeschränkt. Nun hat sie jemanden gefunden, die sie in die nächste Stadt fährt, da sie wohl Herzprobleme hat. Wird sie ganze 50$ kosten + Benzin. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt mit was sie sich ständig rumschlagen muß. Nun hat sie Angst, dass sie rausgeworfen wird, aus der Sozialwohnung, weil die Wohnung bzw. das Häuschen in Ordnung gehalten werden muß.

Auf der anderen Seite gibt es noch eine weitere Person, die finanz. Probleme hat. Ich habe einmalig 100€ geschickt.

Kommende Woche fahre ich in den Urlaub. Kürzlich habe ich mir ein paar Designerhosen gekauft + Designer-Sonnenbrille, obwohl ich fast eine nagelneue zu Hause habe. Nun frage ich mich, ob ich nicht stattdessen auf Urlaub und Luxus hätte verzichten sollen/ müssen, und diesen Leuten helfen. Ich komme mir ehrlich gesagt scheiße vor. Auf der einen Seite Menschen, die es wirklich nötig hätten und auf der anderen Seite meine Wünsche, die eigentlich völlig unwichtig sind. Aufgrund unterschiedlicher Ereignisse, muß ich selbst kürzer treten, eigentlich.
 
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Ich hatte gehofft, dass zumindest jemand so etwas wie: "Hey Otto, brauchst keine schlechtes Gewissen haben", schreibt.

Also laßt mich ruhig allein damit... :rolleyes:
 
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Ich hatte gehofft, dass zumindest jemand so etwas wie: "Hey Otto, brauchst keine schlechtes Gewissen haben", schreibt.

Also laßt mich ruhig allein damit... :rolleyes:

Vielelicht relativiert sich dein Problem, wenn man mit Menschen Kontakt hat denen es sehr schlecht geht . Die nicht wissen, wie sie den morgigen Tag überstehen sollen.

Da brauchst du wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben .
 
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Vielelicht relativiert sich dein Problem, wenn man mit Menschen Kontakt hat denen es sehr schlecht geht . Die nicht wissen, wie sie den morgigen Tag überstehen sollen.

Da brauchst du wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben .

Gerade deshalb habe ich kein gutes Gefühl. Genau genommen handele ich äußerst egoistisch. Auf der anderen müßten wir uns vermutlich alle schlecht fühlen, wenn wir an das Leid überall in der Welt denken, dann auf herabschauen und fragen, inwieweit wir helfen.
 
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Gerade deshalb habe ich kein gutes Gefühl. Genau genommen handele ich äußerst egoistisch. Auf der anderen müßten wir uns vermutlich alle schlecht fühlen, wenn wir an das Leid überall in der Welt denken, dann auf herabschauen und fragen, inwieweit wir helfen.

wenn du allen helfen müsstest, denen es schlecht ginge, müsstest du mindestens Billionär sein ... :rolleyes:
 
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Ich lese das so, dass Du Schuldgefühle hast, weil es Dir selbst erheblich besser geht und Du glaubst, aus moralischen Gründen mehr tun zu müssen, als Du getan hast. Ottoman, dazu kann ich Dir nur eines sagen: ich hab mir früher öfters mal das letzte Hemd ausgezogen, um anderen aus der Patsche zu helfen - auch, weil mir selbst mal von unerwarteter Seite sehr geholfen wurde, als ich es brauchte. Und weil ich der Meinung bin, dass alles, was man verschenkt, so oder so zu einem zurückkehrt.. bisweilen auf Umwegen.. :wink:

Aber nüchtern besehen hilft eine noble Geste dem (bzw. den) anderen zwar für den Moment weiter, aber halt nicht auf Dauer. Dazu kommt, dass es die Beziehung bzw. das Verhältnis zueinander meiner Meinung nach in eine ungesunde Schieflage bringt, immer oder überproportional oft in der Rolle des gebenden Helfers zu sein, während der andere sich als Bittsteller und Nehmender meist automatisch unterlegen fühlt, weil er/sie sich natürlich gern revanchieren würde, es aber nicht kann (zumindest nicht materiell). Ich glaube, dass solche Konstellationen grundsätzlich viel Fingerspitzengefühl erfordern - und dass man, auch wenn man helfen kann oder könnte, dem anderen, sich selbst und dem Verhältnis zueinander manchmal den größeren Dienst erweist, wenn man eine Notlage einfach aushält und mitträgt im Sinne von: Freund bleibt. Verfügbar bleibt. Zuhört. Nicht wegläuft. Sich nicht von seinem eigenen schlechten Gewissen freikauft, indem man womöglich vorschnell was rüberschiebt, worum man unter Umständen gar nicht gebeten wurde.
Und dass man sich daneben selbst noch was gönnt, finde ich völlig okay. Das wäre für mich jedenfalls kein Grund, darüber ins Grübeln zu verfallen. Wobei es natürlich auch auf den Grad der inneren Verbundenheit ankommt, aber im Großen und Ganzen sehe ich es so.
 
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Gerade deshalb habe ich kein gutes Gefühl. Genau genommen handele ich äußerst egoistisch. Auf der anderen müßten wir uns vermutlich alle schlecht fühlen, wenn wir an das Leid überall in der Welt denken, dann auf herabschauen und fragen, inwieweit wir helfen.

Man kann eben nicht allen Menschen helfen. Es fallen genug durch das Raster . Trotz vielen Hilfen , die es gibt.
Und wenn es dich beruhigt, ich finde , nicht , dass du egoistisch bist.
 
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Ich lese das so, dass Du Schuldgefühle hast, weil es Dir selbst erheblich besser geht und Du glaubst, aus moralischen Gründen mehr tun zu müssen, als Du getan hast. Ottoman, dazu kann ich Dir nur eines sagen: ich hab mir früher öfters mal das letzte Hemd ausgezogen, um anderen aus der Patsche zu helfen - auch, weil mir selbst mal von unerwarteter Seite sehr geholfen wurde, als ich es brauchte. Und weil ich der Meinung bin, dass alles, was man verschenkt, so oder so zu einem zurückkehrt.. bisweilen auf Umwegen.. :wink:

Ich könnte mehr tun, ohne dass es mir weh tut.
Auf der einen Seite eine völlig aufgelöste Frau und ich im Outlet. Habe mit ihr darüber geredet. Sie meinte, dass ich da kein schlechtes Gewissen haben soll.
Bin im Zwiespalt zwischen Lust etwas für mich zu tun und auf der anderen Seite sehe ich mich verantwortlich für bestimmte Menschen.

Aber nüchtern besehen hilft eine noble Geste dem (bzw. den) anderen zwar für den Moment weiter, aber halt nicht auf Dauer.
Dazu kommt, dass es die Beziehung bzw. das Verhältnis zueinander meiner Meinung nach in eine ungesunde Schieflage bringt, immer oder überproportional oft in der Rolle des gebenden Helfers zu sein, während der andere sich als Bittsteller und Nehmender meist automatisch unterlegen fühlt, weil er/sie sich natürlich gern revanchieren würde, es aber nicht kann (zumindest nicht materiell). Ich glaube, dass solche Konstellationen grundsätzlich viel Fingerspitzengefühl erfordern - und dass man, auch wenn man helfen kann oder könnte, dem anderen, sich selbst und dem Verhältnis zueinander manchmal den größeren Dienst erweist, wenn man eine Notlage einfach aushält und mitträgt im Sinne von: Freund bleibt. Verfügbar bleibt. Zuhört. Nicht wegläuft. Sich nicht von seinem eigenen schlechten Gewissen freikauft, indem man womöglich vorschnell was rüberschiebt, worum man unter Umständen gar nicht gebeten wurde.
Und dass man sich daneben selbst noch was gönnt, finde ich völlig okay. Das wäre für mich jedenfalls kein Grund, darüber ins Grübeln zu verfallen. Wobei es natürlich auch auf den Grad der inneren Verbundenheit ankommt, aber im Großen und Ganzen sehe ich es so.

Ich sehe es nicht als nobel, sondern als selbstverständlich, wenn es um eine Freundin geht.
Auf Dauer entsteht eine Geber-Nehmer-Freundschaftsbeziehung. Ja, Schieflage, trifft es.

"Sich nicht von seinem eigenen schlechten Gewissen freikauft, indem man womöglich vorschnell was rüberschiebt, worum man unter Umständen gar nicht gebeten wurde"

Das habe ich mich auch gefragt, ob ich mich freikaufen möchte. Ich glaube fast ja.
 
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Jedenfalls habe ich ihr das Angebot gemacht (bereits vor Jahren), dass sie bei mir wohnen kann. Ich habe zwar keine Ahnung wie das finanziell aussehen würde, jedenfalls wäre sie raus aus ihrem Loch.

Die andere Person ist mein Onkel. Aufgewachsen in Reichtum, von dem andere nicht einmal zu träumen wagen. Das ganze Geld ist weg... Davon abgesehen hat er mit seinem Verdienst meiner Cousine unmengen an Geld gegeben, damit sie auf Zypern ein gesichertes Leben führen kann. Sie, scheinbar spielsüchtig...Die Eltern meiner Cousine, also meine Tante und ihr Mann haben den Kontakt zu ihr abgebrochen, daher das Einschreiten meines Onkels über Jahrzehnte. Nun pflegt mein Onkel meine knapp 100 jährige Oma und ist völlig am Ende mit den Kräften.
Keine Sau hilft ihm - Wahnsinn. Sie sind alle scheiß reich, aber..., ich verstehe das nicht. Der Mann meiner Tante hat noch zu seinem Reichtum geerbt. Möchte nicht wissen wieviel. Ich habe vor ein paar Jahren ein Hochzeitvideo der Familie gesehen. Fand statt in dem bekannten Schloß in Istanbul. Alles vom Besten, hätte ein Hollywood-Film sein können.
 
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