Hörbuchempfehlungen

Dieses Thema im Forum "Literatur-Tipps" wurde erstellt von Elena, 28 März 2012.

  1. cyrano
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    cyrano Guest

    AW: Hörbuchempfehlungen

    Wie zufällig! So geht es mir auch! Ich liebe, dass ich das Buch in meinen Händen, die Blätte duch meinen Fingern fühle und rieche!.... Ab und zu die Buchwurmer beobachten... Dann das Buch in der Hand, mich im Träum verlieren....

     
    eruvaer gefällt das.
  2. Elena
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    Elena Guest

    AW: Hörbuchempfehlungen

    Ich überwiegend auch, aber bei Nachtdiensten , Marathonbügeln :twisted:
    sind Hörbücher sehr sinnvoll.
     
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    AW: Hörbuchempfehlungen

    Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere von Günter Wallraff

    …ist ein interessantes Hörbuch. Auch vorgelesen von Wallraff. Ähnlich wie in einer Hörfunksendung trägt er sein Hörbuch in einer angenehmen Stimme und verständlich vor.

    Das Hörbuch enthält mehrere Themenbereiche. Diese kamen auch meist als TV-Dokus auf z.B. Frontal21 oder arte vor.

    So verkleidet er sich als Kwami Ogonno aus Somalia und erfährt Reaktionen von Mitmenschen, die unfassbar sind: " Europa für Weiße und Afrika für Affen". Oder eine Vermieterin: "Der war so was von schwarz. Ich war ganz erschrocken". Es kommt alles wie in Wallraffs Doku " Schwarz auf Weiß" hautnah rüber und ist unerträglich. Als wenn alles in einer anderen Welt und Zeit geschehen würde…

    Als Mitarbeiter in einer Brotbackfirma deckt er die erbärmlichen Zustände eines mittelständischen Unternehmens auf und zeigt auch, wie theoretisch Arbeitnehmerrechte sein können. Es sei denn, man geht wie Wallraff später an die Öffentlichkeit. Die Aufbackbrötchen gehen durch ekelerregende Schimmelbereiche und werden konserviert. Die Mitarbeiter schuften sich auch am Wochenende ab. Zu einem Stundenlohn +/- "Mindestlohn". Dazu gibt es auch auf YouTube eine Doku.

    Im Call-Center geht es dann als Call-Center-"Mindestlohn"- Agent weiter. Dort erfährt man, wie die Mitarbeiter (unter Druck) versuchen, systematisch und technisch ("Frage- u. Gesprächstechniken) gekonnt Normalbürger über den Tisch zu ziehen. U.a. dürfen sich die Mitarbeiter dort Fantasienamen zulegen. Cold-Calls sind zwar verboten, aber nicht selten gibt man im Kleingedruckten Einverständniserklärungen ab.

    Als Obdachloser erkennt er dann, dass Theorie und Wirklichkeit auseinanderklaffen können. Nicht nur widrige Umstände, sondern auch noch Bürokratie (und Bürokraten als Fehlbesetzungen), wo schnelle Hilfe notwendig wäre.

    Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit Starbucks und den Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen: Stundenlöhne und im Zusammenhang nie richtig abbaubare Überstunden, bei der sich Mitarbeiter auf "Mindestlohn"-niveau verschleissen.

    Auch wenn man die eine oder andere Doku von ihm schon (redundant) gesehen hat. Bewertung:

    Lohnenswert
     
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    Ein Bericht für eine Akademie von Franz Kafka (einzigartig vorgetragen von Klaus Kammer!)

    Anders als erwartet schildert der Affe seinen leiderfüllten Weg zum Menschen. Deutungen zu Kafkas Erzählung fielen dazu teilweise sehr unterschiedlich aus.

    Dieser Rotpeter fasziniert durch sein Selbst-Bewußtsein und seinen Relativismus zum Begriff Freiheit. Halb Mensch, halb Affe entscheidet sich Rotpeter für einen annehmbaren Ausweg. Als "Lebenskünstler", bei klarem Bewußtsein, ordnet er sich als eine Art tragikomischer Clown unter. Es ist ein Arrangement:

    "...ich habe mich in die Büsche geschlagen. Ich hatte keinen anderen Weg, immer vorausgesetzt, daß nicht die Freiheit zu wählen war."

    und:

    "...Ich meine nicht dieses große Gefühl der Freiheit nach allen Seiten. Als Affe kannte ich es vielleicht und ich habe Menschen kennengelernt, die sich danach sehnen. Was mich aber anlangt, verlangte ich Freiheit weder damals noch heute. Nebenbei: mit Freiheit betrügt man sich unter Menschen allzuoft. Und so wie die Freiheit zu den erhabensten Gefühlen zählt, so auch die entsprechende Täuschung zu den erhabensten. Oft habe ich in den Varietés vor meinem Auftreten irgendein Künstlerpaar oben an der Decke an Trapezen hantieren sehen. Sie schwangen sich, sie schaukelten, sie sprangen, sie schwebten einander in die Arme, einer trug den andern an den Haaren mit dem Gebiß. Auch das ist Menschenfreiheit, dachte ich, selbstherrliche Bewegung. Du Verspottung der heiligen Natur! Kein Bau würde standhalten vor dem Gelächter des Affentums bei diesem Anblick..."

    [​IMG] (Aus die Maus)
     
  5. Grk..
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    In der Strafkolonie von Kafka

    Die Daseinsberechtigung und Würde des Menschen stehen nicht im Vordergrund. Sondern der Apparat. Gesellschaftliche Errungenschaften wie etwa die "Gewaltenteilung" müssen sich etwas anderem unterordnen und lösen sich in ihm auf:

    Der Faszination einer perversen Lustbefriedigung durch eine vom Menschen erschaffene Mechanik. Größtmögliche Folter und Qualen, bis der Körper des würdelosen Menschen nur noch als organischer Müll in der Abfallgrube landet. Wie ein beschriebenes, wertloses Blatt Papier, das schlussendlich zerknittert und in den Mülleimer geworfen wird. Sauber und genau wie ein Uhrwerk soll der Apparat funktionieren. Soll...("es war keine Folter, sondern unmittelbarer Mord.")

    Man kann es auch dahingehend deuten, dass Kafka einen bis in die Rolle des Delinquenten verführen möchte. Bis zur erwähnten perversen Faszination. Einem Gedankenspiel, auch vielleicht eines sogenannten Schreibtischtäters.

    Auf Youtube gibt es dazu unterschiedliche Hörversionen.

    Mein Kommentar: Bei der früheren Exekutionsmethode "Lingchi" (Todesfolter) aus China könnte man die Vorgehensweise und Systematik der Tötung selbst als "Apparatur" bezeichnen. Bei dieser Exekution durch Folter sollen die Delinquenten unter Einfluss von Drogen auch eine Lust verspürt haben.

    Der Mensch zu jederzeit (auch) als geborener Schreibtischtäter. Ein Meister der Perversion?
     
  6. Grk..
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    Hagakure (gelesen von Torch)

    Der Samurai und Mönch Tsunetomo Yamamoto verfasste um 1700 herum einen Verhaltenskodex für einen Samurai.

    Alltägliches (sei es die Respektlosigkeit, sein Gegenüber anzugähnen und wie man es unterdrücken kann) wird genauso behandelt wie z.B. die philosophische/spirituelle Einstellung zum Leben ("Nichts zählt so sehr wie der gegenwärtige Augenblick. Das Leben des Menschen besteht aus einer Abfolge von Augenblicken. Versteht man den gegenwärtigen Augenblick vollkommen, so gibt es nichts anders zu tun und nichts anderes zu erstreben.") oder der Dienst gegenüber dem Fürsten ("Müsste man in einem Wort sagen, worin das Wesen des Samurai liegt, so besteht es zuallererst darin, dass er seinen Körper und seinen Geist ernsthaft seinen Herren widmet. Seinen Herren nicht zu vergessen, ist das Wichtigste für einen Gefolgsmann."). Ebenso natürlich die aufgeführten kriegerischen Aspekte im Leben eines Samurai.

    Thematisiert wurde das Hagakure im Spielfilm Ghost Dog mit (einem meiner Lieblingschauspieler) [​IMG] Forest Whitaker. Er spielt dort einen Auftragskiller (nach dem besagten Kodex Hagakure) für die Mafia. Aber das ist eine andere Geschichte...

    Meine Bewertung zum Hörbuch: Aufschlussreich

    "Dinge von großer Bedeutung soll man mit Leichtigkeit angehen. Dinge von geringer Bedeutung gehe man mit Ernsthaftigkeit an."

    [​IMG]
     
  7. Mein_Ingomann
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    Mein_Ingomann Guest

    AW: Hörbuchempfehlungen

    Der deutsche Hörbuchpreis 2013 in der Kategorie beste Unterhaltung geht an Marc-Uwe Kling für seine Känguru Chroniken. Das freut mich. :wink:

    Weitere ausgezeichnete Hörbücher unter

    http://www.deutscher-hoerbuchpreis.de/
     
  8. schneidersitz
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    schneidersitz Guest

    AW: Hörbuchempfehlungen

    Die Silzilianische Oper.
     
  9. grünesblau
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    grünesblau Well-Known Member

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    Der Knacks (Roger Willemsen)
     
  10. Mein_Ingomann
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    Mein_Ingomann Guest

    Blutsbrüder von Ernst Haffner, gelesen von Ben Becker.

    Berlin Anfang der 1930er Jahre, tausende von Jugendlichen leben auf der Straße und schließen sich in Cliquen zusammen um ihr eigenes Überleben zu sichern. Der Roman wurde kurz nach Machtergreifung der Nazi verboten und gehört zu den verbrannten Büchern. Ein Stück Zeitgeschichte, das der Argon Verlag wiederentdeckt hat und das von Ben Becker mit viel Einfühlungsvermögen kongenial gelesen wird. Haffner findet eine Sprache, die sich zwischen Tucholsky und Kästner bewegt, kraftvoll, zuweilen derb und immer dicht an der Realität. Absolut hörenswert.